Deutschlands Hochseeinsel: Helgoland 2

Gäste erreichen Helgolands Reede nach einer mehrstündigen Schiffsfahrt oder per Flugzeug auf dem Landeplatz der Düne, anschließend werden sie mit Börtebooten zum Anleger auf dem Unterland gebracht. >KUMM WEER< grüßt die Landungsbrücke. Wer einmal hier war, wird leicht zum Wiederholungstäter, hat er es doch selbst erfahren, dass sich die Palette der friesischen Farben Rot, Blau und Gold vorzüglich verbindet mit denen der Insel auf hoher See:

»Grün ist das Land
Rot ist die Kant
Weiß ist der Sand
Das sind die Farben von Helgoland.«

Das Ausbooten bildet ein amüsantes, nicht ganz ungefährliches Abenteuer. Böse Zungen behaupten, diese kleine Zusatzeinnahme sei ein Relikt aus Störtebekers Tagen. Wenn aber in der Saison bis zu sieben Schiffe die Insel täglich anlaufen, ist der Hafen zu klein, deshalb müssen die Schiffe auf Reede vor Anker liegen. Außerhalb der Saison im Winter reicht er lediglich für das Versorgungsschiff oder Notfälle. Börteboote bringen die Gäste zur Bade-Düne und zum Törn rund um den Felsen. Nach der Räumung zahlreicher Blindgänger auch aus mehreren Metern Tiefe musste die Insel ab 1952 völlig neu bewohnbar gemacht werden. Die einheitliche Bebauung der 50er-Jahre gilt heute manchen als architektonisches Gesamtkunstwerk – und daher unbedingt erhaltenswert -, anderen als Kompromiss der Nachkriegszeit. Zumindest gelang es damals, Bettenburgen zu vermeiden und statt dessen kleinere Häuser zu errichten, die dem Charakter Helgolands zur Vorkriegszeit entsprechen. Das Bild des Hafens prägen bunte Hummerbuden, hölzerne Geräteschuppen der Fischer. In einer betreibt der Verein Jordsand sein Informationszentrum zum Schutz der Seevögel und der Natur. Am Südstrand erin-nert die Bronzebüste von Fritz Schaper (1892) daran, dass August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) auf der Insel 1841 sein >Lied der Deutschem verfasste, in Verbindung mit Joseph Haydns österreichischer Kaiserhymne seit 1922 Nationalhymne der Republik von Weimar; wegen ihrer großdeutschen Untertöne wird in der Bundesrepublik freilich nur noch in >kleindeutscher< Form Gebrauch davon gemacht. Dem auf Helgoland aufgewachsenen Schriftsteller James Krüss gelang es, mit seinen Romanen die Insel nicht nur Kindern nahe zu bringen. >Mein Urgroßvater und ich< erzählt vom Leben der Hummerfischer. Das Aquarium der Biologischen Anstalt zeigt in seinen Becken neben Seehunden so ziemlich alles, was den Meeresboden bevölkert.

helgoland-hafenunterlandMit ihrem kupferverkleideten Pyramidenhelm bildet die 1956-59 errichtete Nikolaikirche wieder das Zentrum des Oberlandes. Außer Grabsteinen vom alten Kirchhof erinnern einige Stollen und Gänge des alten Bunkersystems an das alte Helgoland. In der Vogelwarte finden regelmäßig Führungen statt. Zu den eindrucksvollsten Promenaden Deutschlands zählt der Klippenrandweg. Vom südlichen Teil Am Falm hart an der Kante des Oberlandes bietet sich ein großartiges Panorama über Hafen und Reede zur Düne. Rund fünfzig Meter über dem Meeresspiegel blickt man von der Westseite auf zerklüftete Einschnitte der Sandsteinwand mit ihren horizontalen Schichten, den Lummenfelsen – Deutschlands kleinstes Naturschutzgebiet, benannt nach der Trottel-Lumme, einer Alken-Art – und die Lange Anna, einen durch die Witterung freigelegten Steinturm. Der Sonnenuntergang lässt sich besonders eindringlich erleben, vielleicht mit einem Großsegler wie der »Alexander von Humboldt< samt ihren grünen Segeln am Horizont, und ein außergewöhnlich beeindruckendes Schauspiel findet auch statt, wenn Nebel über den Meeresspiegel wabern, während man sich oben von milder Sonne wärmen lässt und weit über die weißen Schwaden sehen kann; Nebelhörner tuten tief unten im Dunst. Vorbei an diesen Klippen ruderten Flotten der Angeln und Sachsen nach England, segelten Drachenboote der Wikinger zum Rhein und ins Mittelmeer.

Heinrich Heine ließ sich 1830 hier zu Gedichten seines Nordsee- Zyklus inspirieren. In den »Briefen aus Helgoland< wird er fast sentimental: »Ich wandelte einsam am Strand in der Abenddämmerung. Ringsum herrschte feierliche Stille. Der hoch gewölbte Himmel glich einer gotischen Kirche. Wie unzählige Lampen hingen darin die Sterne; aber sie brannten düster und zitternd. Wie eine Wasserorgel rauschten die Meereswellen; stürmische Choräle, schmerzlich ver- zweifelungsvoll, jedoch mitunter auch triumphierend. Über mir ein luftiger Zug von weißen Wolkenbildern, die wie Mönche aussahen, alle gebeugten Hauptes und kummervollen Blickes dahinziehend, eine traurige Prozession …«

Bilder wie diese prägen die Menschen hier. Recht gut gibt ihre Mentalität der Wahlspruch am 1961 fertig gestellten Rathaus wieder: »Rüm hart, kloar kimmen« – ein großes weltoffenes Herz vor weitem, aufgeklärtem Horizont.

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Deutschlands Hochseeinsel: Helgoland

Dass die Natur als Baumeister großartige Architektur hervorbringen kann, beweist Helgoland. Wer sich dem mehr als 50 m aus der Nordsee aufragenden, nur knapp 1 km2 großen Buntsandsteinfelsen mit der Langen Anna auf dem Seeweg nähert, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Helgoland beherrscht die Deutsche Bucht, mehr als 70 km vom Festland entfernt. Deutschlands bekanntester Seeräuber, Claas Störtebeker, hatte hier seinen Schlupfwinkel, bevor ihn Hamburgs Flotte besiegte und 1402 auf dem Grasbrook der Henker »kurzen Prozess« machte. Friesen besiedelten den »kolossalen steinernen Würfel« – wie Friedrich Hebbel befand mit der Landesteilung 1490 verfügten Gottorfs Herzoge über ihn, 1714 eroberte Dänemark den Felsen, 1807 Großbritannien, und 1890 tauschte das Deutsche Reich Sansibar gegen Helgoland. Ein idealer Marinestützpunkt dank seiner exponierten Lage – und diese Tatsache sollte auch beinahe das Schicksal der Insel besiegeln. Zur Vorbereitung der Weltkriege wurden sowohl im Kaiserreich als auch während der Nazi-Zeit stark be-waffnete Festungsanlagen erbaut, seit 1936 mit einem riesigen U- Bootbunker. Nach dem Krieg versuchte Großbritannien 1947 die Insel samt der unterirdischen Werke durch 6700 Tonnen Sprengstoff zu zerstören und missbrauchte sie als Übungsziel für die Bomber der Royal Air Force. Allein, der weiche Buntsandstein erwies sich als stärker und verlor nur einen Teil seiner Fläche.

helgoland

Vor rund 65 Millionen Jahren hob aus der Tiefe aufsteigendes Zechsteinsalz im Bereich der jetzigen Insel Buntsandstein, Muschelkalk und Kreide an der Oberfläche. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung seit der Stein- und Bronzezeit. Grabhügel sind noch auf alten Karten vermerkt, sie registrieren bis ins 18. Jh. die Insel als >Heiligland<, was wohl auf eine Kultstätte des nordischen Gottes >Fosete< mit heiligen Quellen um 700 hinweist. Der Genuese Petrus Veskonte verzeichnete als Erster 1325 Helgoland auf einer Seekarte, nachdem das Erdbuch – eine Art Steuerverzeichnis – des dänischen Königs Waldemar 1231 >Haelghaelandhus< erwähnte. Seefahrern zeigte Helgoland sich hilfreich und feindlich zugleich: Während die Insel bei Stürmen Schutz bieten konnte, wurden ihre Hippen und Untiefen zahllosen Schiffen zum Verhängnis. Treibgut gehörte jedenfalls dem Finder, und so betete man auch hier um einen »gesegneten Strande Deshalb werden kaum alle Insulaner 1630 die >Feuerblüse< begrüßt haben: Als offenes Kohlenfeuer über einem Steinsockel strahlte der Vorläufer des britischen Leuchtturms von 1810. Den Flak-Leitstand der Wehrmacht widmete man 1952 friedlichen Zwecken: Auf ihm leuchtet das Helgoländer Feuer, das stärkste der Deutschen Bucht.

In der Silvesternacht 1720/21 zerstörte ein schwerer Sturm den >Woal< (Wall), die Landverbindung zwischen Insel und der kleineren Düne (heute rund 0,7 km2), und trennte die jetzige Badeinsel vom Felsen. Schafzucht und Milchwirtschaft bildeten noch Mitte des 18. Jh. eine Lebensgrundlage der Insel, Fischfang kam hinzu und natürlich half den Bewohnern ihre gute Kenntnis des Seegebiets: Sie stellten um 1800 einen Großteil der Küstenlotsen und führten Schiffe sicher in Weser, Elbe und Eider. Den absoluten Höhepunkt seiner Wirtschaftsmacht erreichte Helgoland 1806-13 dank der Kontinen-talsperre, als der Schmuggel fast amtlich gefördert oder doch zumindest wohlwollend geduldet wurde. Mit der Gründung des Seebades leitete Jacob Andresen Siemens 1826 ein neues Kapitel der Inselgeschichte ein. Die Meeresbiologische Forschungsanstalt wurde 1892 gegründet, und seit 1910 untersucht die Vogelwarte Helgoland Routen der Zugvögel.

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Knapp unter dem Meeresspiegel: Pellworm

Als 1634 Alt-Nordstrand zerrissen wurde, entstand Pellworm. Ein 8 m hoher Seedeich schützt mittlerweile die in weiten Bereichen knapp unter dem Meeresspiegel liegenden 34 km2 der Insel. Jahrzehnte dauerte es, bis die Überlebenden damals das ihnen verbliebene Land durch neue Deiche sichern konnten. Schließlich waren auch die anderen Schäden katastrophal: 30 Mühlen, mehr als 1300 Häuser zerstört. Immerhin hatten 22 Kirchen den Fluten standgehalten, stürzten aber in den folgenden Jahren ein oder wurden abgetragen. Auch wenn er inzwischen deutlich vom knapp 40 m hohen modernen Leuchtturm (Umschlagklappe vorn) von 1907 überragt wird, bleibt der Turmrest der Alten Kirche eines der Wahrzeichen Pellworms; man sieht ihn von Ferne schon über das Wattenmeer, etwa von Hooge aus. Auf das 11./12. Jh. lässt sich die Tradition von St. Salvator zurückführen, ursprünglich diente sie als Hauptkirche der Pellworm-Harde. Der einst wohl mehr als doppelt so hohe Backsteinturm stürzte 1611 ein und beschädigte das Langhaus. In einer einheimischen Werkstatt entstand der mächtige Schnitzaltar der Gotik wohl um 1465, Passionsszenen unter Maßwerkbaldachinen flankieren die aufwändig und figurenreich gestaltete Kreuzigung. Kleinere Flügel im oberen Teil zeigen Anna Selbdritt und St. Andreas. Auf den Rückseiten befinden sich spätgotische Tafelmalereien: Motive aus dem Marienleben und der Passion. Die großartige, von vier Diakonen getragene Bronzetaufe mit Reliefs der Taufe und Kireuzigung Christi zwischen Heiligen goss Hinrick Klinghe 1475. Arp Schnitger baute die berühmte Orgel im breiten Prospekt von 1711 – heute finden während der Saison wöchentlich Orgelkonzerte statt, zu denen bekannte Künstler aus dem In- und Ausland anrei- sen. Als schöne Arbeiten überzeugen noch das Triumphkreuz (16. Jh.), die Renaissancekanzel (1600) und ein Beichtstuhl (1691). – Die neogotische Westfront der Neuen Kirche täuscht darüber hinweg, dass auch dieser Backsteinbau bereits 1622 aufgemauert wurde. Der Nachfolge Claus Bergs darf man den um 1520 geschnitzten spätgotischen Altar zurechnen, den die Gemeinde aus der versunkenen Kirche von Ilgrof übernahm, die friesischen Farben Rot, Blau und Gold bestimmen das Bild. Breite Passionsreliefs und ein Reigen von Aposteln und Heiligen flankieren die tief gestaffelte, figurenreiche Kreuzigung. Gotische Züge weist auch das Kruzifix von 1500 auf. Aus Belgien beschaffte man die Taufe (1587), um 1600 wurde die Kanzel mit schönen Intarsien und geschnitzten Ornamenten hergestellt. Jan van Groningen schnitzte den filigranen Renaissancerahmen für das Epitaph Elersen (um 1570), dessen Kreuzgruppe Dürer nachempfunden ist.

Leuchtturm auf Pellworm

Leuchtturm auf Pellworm

Über die Geschichte der Region informiert das Inselmuseum im Haus der Kurverwaltung. Landwirtschaft und Deichbau stehen dabei natürlich im Vordergrund. Mindestens ebenso interessant sind aber die beiden Wattenmuseen, die privater Sammeltätigkeit ihr Entstehen verdanken (beide am Westerschütting). Fast 50 Jahre wan- derte der Briefträger Heinrich Liermann durch das Watt zur Hallig Süderoog, um die Post zuzustellen. Dabei fand er im Lauf der Jahrzehnte unzählige Spuren des untergegangenen Landes. Der Heimatforscher Helmut Bahnsen hat diese Tradition aufgegriffen. Ihre beiden Sammlungen legen Zeugnis ab von Verlusten an Kulturland und vor allem Menschenleben, die der >Blanke Hans< immer wieder forderte: Keramiktöpfe und Krüge, Holz- und Metallfunde aus dem Zeitraum zwischen 1100 und 1800. Erinnern an die dramatischen Ereignisse sollen auch die Pellzvormer Rungholttage, die seit 1995 jährlich zur Saison das Leben in der sagenhaften Handelsmetropole vergegenwärtigen. Die Nordermühle lugte schon 1777 über den Deich gen Hooge, heute ist im Inneren ein Restaurant untergebracht. Seit 1983 experimentiert die Schleswag AG mit umweltfreundlicher Energie: Über die Hybridanlage des kombinierten Wind- und Solarkraftwerks nahe dem Pellwormer Hafen kann man sich im eigenen Informationszentrum (In de See 10) unterrichten lassen. Der Vorteil, beide Energiequellen zu koppeln, liegt auf der Hand: Wenn im Sommer die Sonneneinstrahlung am ergiebigsten ist, herrscht erfahrungsgemäß häufig Flaute, dagegen ist während des Winters mit seinen Stürmen die Sonne oft hinter Wolken verdeckt. Ziel des Vereins >Ökologisch Wirtschaften« ist, die Versorgung Pellworms mit Strom und Wärme ganz aus regenerativen Energiequellen zu ge-währleisten. Die Schutzstation Wattenmeer organisiert Wattexkursionen oder meeresbiologische Kutterfahrten und informiert in ihrem Anton-Heimreich-Haus umfassend über alle Fragen zur Fauna und Flora der Landschaft zwischen Inseln und Halligen.

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Zwischen Wolken und Wellen: Die Halligen

>Landunter< lautet eine Nachrichtenmeldung von der Küste, die auch im tiefsten Binnenland verstanden wird. Man kennt die Bilder von überfluteten Halligen, aus denen Schiffen gleich die Warften mit ihren Häusern aufragen, oft kaum einen Meter über den heranrollenden Wogen. Charakteristisch ist, dass sie im Gegensatz zu den nordfriesischen Inseln nicht durch 8 m hohe Seedeiche geschützt sind, sieht man einmal von dem Sommerdeich ab, der sich auf Hooge nur 2 m über die Höhe eines normalen Hochwassers erhebt. Steinböschungen sollen verhindern, dass der >Blanke Hans< die Ufer weg-spült. Wie filigran diese Eilande sind, zeigen Luftbilder. Dass die See brutal zuschlagen kann, deutet schon das Wort >Brecher< an, weit gefährlicher als eine hoch auflaufende Flut ist allerdings, was die Wellen mit sich tragen: 1962 strandete ein Fischkutter direkt neben dem Pfarrhaus auf der Hooger Kirchwarft, aber auch Treibgut oder vor allem Eis kann schwere Schäden verursachen. Um 1600 existierten mehr als 25 nachgewiesene Halligen, inzwischen hat sich ihre Zahl auf zehn reduziert. Sie fielen Sturmfluten zum Opfer oder wuchsen zusammen, wie Butwehl und Nordmarsch mit Langeneß.

Langeneß und Oland

Auch Langeneß – mit 9,6 km2 die größte Hallig – und Oland (1 km2) sind wie Sylt über einen Damm mit dem Festland verbunden (seit 1927-29), der allerdings bei Flut überspült wird und von Wanderern nur während der Ebbe passiert werden sollte. Er wurde angelegt, um auf Loren Baumaterial für die Uferbefestigung heranschaffen zu können. Gäste erreichen die Halligen per Fähre von Schlüttsiel aus. Durch die Flut 1362 wurde Oland zur Hallig, seit 1824 besteht der Ziegelbau von St. Petri unter seinem Reetdach. Die Inschrifttafel erinnert an den Vorgänger von 1709 auf einer untergegangenen Warft. Eine romanische Granittaufe und das Kruzifix belegen die lange Kirchentradition aus dem 12. Jh. Gotischen Altären des 15. Jh. entstammt die Figurenreihe. Ein Künstler aus dem Umkreis Heinrich Ringerings gestaltete die Renaissancekanzel (1620). Das schwer bewaffnete Linienschiff wurde 1733 auf den Namen >01andts Wolfar< getauft.

Langeneß

Langeneß

Durch ihre lang gestreckte Form reicht Langeneß 10 km weit ins Wattenmeer vor. Wie die Einwohner auf den 18 Warften traditionell lebten, kann man auf der Ketelswarft im Kapitän-Tadsen-Musewn (mit wieder aufgebauter Bockwindmühle) und im Käte-Gerdsen- Haus oder auf der Honkenswarft in der Friesenstube, ebenfalls einem privaten Museum, anschaulich erleben. Die neugotische Kirche ersetzt seit 1894 ihre Vorgänger, aus denen man die Balkendecke von 1731 und schöne Ausstattung übernahm: einen Gemäldeflügelaltar (1670), die Renaissancekanzel (1696), zwei steinerne Taufen des 13. und 16. Jh. Auf der Peterswarft will das Wattenmeerhaus Wissen über diesen einzigartigen Lebensraum vermitteln.

Als im Zuge der Uferbefestigung zu Beginn des 20. Jh. zwei benachbarte Halligen verbunden wurden, wuchs Gröde-Appelland zusammen. Mit zwei Warften auf rund 275 ha bildet sie die kleinste politische Gemeinde der Bundesrepublik. St. Margarete musste seit 1362 siebenmal den Fluten weichen. Der bestehende Ziegelbau wurde 1799 errichtet und beherbergt unter dem Reetdach auch Schulraum und Lehrerwohnung im früheren Pastorat. Reliefs mit biblischen Szenen umgeben das Kruzifix des Renaissancealtars von 1592 neben der geschnitzten Marienkrönung der Gotik aus dem 15. Jh. mit späterer Farbfassung. Strenge Renaissanceformen zeichnen auch Taufe und Kanzel des 16. Jh. aus, das Segelschiff >Zwei Brüden ist als Brigg getakelt (19. Jh.).

Hooge

Als >Königin der Halligem versteht sich Hooge, hatte doch Dänemarks Friedrich VI. 1825 im >Königshaus< auf Hanswarft der mit 5,6 km2 nach Langeneß zweitgrößten Hallig übernachtet. Nach einem Brand 1996 wurde das private Museum Königspesel originalgetreu wieder hergestellt mit seinen prachtvollen, zu Bildern gefügten Wandkacheln, Bileggerofen, Alkoven und altfriesischem Hausrat. Ebenfalls auf der Hanswarft findet sich das Heimatmuseum. Schlickfunde untergegangener Warften und Halligen lassen die Schicksale ihrer Bewohner ahnen, während alte Möbel, Porzellan und Zeitdokumente belegen, dass man sich trotz der fortwährenden Bedrohung durch die See behaglich einzurichten wusste. Auf der Backenswarft ist in Hooges ältester Gaststätte Friesenpesel eine solche >Gute Stube< zu besichtigen. Die Schutzstation Wattenmeer zeigt in Aquarien und einem Lebendwatt-Modell Fauna und Flora. Auf einer separaten Warft errichtete man 1637-42 Kirche und Pfarrhaus, Material und Ausstattung stammen zum Teil aus der 1634 zerstörten Kirche von Osterwohld auf Nordstrand. Älter als der Altar (1857) ist das barocke Kruzifix. Vier Evangelisten tragen die Holztaufe von 1624. In der Werkstatt Heinrich Ringerings wurde die prachtvolle Kanzel im frühen 17. Jh. geschnitzt. Zusätzlichen Mut, nach der Sturmflut 1825 auf ihrer Hallig zu bleiben, gab den Hoo- gern das gotische Kruzifix aus dem frühen 16. Jh.: Sie fanden es angeschwemmt am Strand. Die Fregatte >Friedrich VI.< erinnert an den königlichen Besuch 1825. – Die weiteren Halligen – Norder- und Süderoog, Nordstrandischmoor, Südfall oder die Hamburger Hallig – sind zum Teil unbewohnt oder, wie Habel, als Naturschutzgebiet gesperrt.

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Ungleiche Schwestern: Amrum und Föhr

Von Dagebüll aus setzen Fähren Gäste und Autos im Liniendienst nach Amrum und Föhr über, während von Schlüttsiel Amrum, Nordmarsch-Langeneß und Hooge angelaufen werden.

Amrum

amrum

Näher zur offenen See, geschützt durch den westlich vorgelagerten bis zu 1,5 km breiten Kniepsand, liegt die rund 20 1cm2 große Insel. Auch hier zeugen Grabkammern und Riesenbetten von der Jahrtausende alten Besiedelung. Zwischen dem Hafenort Wittdün mit dem Naturschutzzentrum der Schutzstation Wattenmeer im Süden und Nebel ragt der höchste Leuchtturm der deutschen Nordseeküste 66 m über der Insel auf und bietet von seiner Plattform aus einen großartigen Rundblick; eine gute Gelegenheit, die Insel fast aus der Vogelperspektive zu erkunden. Nebel ist ein moderner Kurort und – trotz neuzeitlicher Veränderungen – malerisches Friesendorf zugleich. Feld- und Backsteine dienten seit dem frühen 13. Jh. zum Bau der Kirche St. Clemens, die wohl zu Beginn schon mit der spätromanischen Granittaufe ausgestattet war. Zur Spätrenaissance kam der Gemäldeflügelaltar hinzu (1634). Beachtung verdienen die Grabsteine auf dem Kirchhof. Nicht zu übersehen ist das Heimatmuseum: Es ist in der betriebsfähigen Erdholländer-Windmühle von 1771 untergebracht. Das Öömrang-Hüs von 1736 zeigt wechselnde Ausstellungen zur Kultur Nordfrieslands. Durch den reizvollen modernen Kur- und Badeort Norddorf führt der Weg zum Ausgangspunkt der Wattwanderung nach Utersum auf Föhr – die man allerdings keinesfalls ohne ortskundigen Führer wagen sollte.

Föhr

Bäume und ausgedehnte Weide- und Ackerflächen zeichnen die immerhin 82 km2 große Insel mit zahlreichen Ortschaften aus. Als frühgeschichtliches Bodendenkmal überdauerte der Wall der Lembecksburg bei Borgsuni: mit 10 m Höhe und einem Durchmesser von rund 100 m ragt die Anlage weithin sichtbar in der flachen Landschaft auf. Experten rätseln – wie im Fall der Tinnumburg auf Sylt wann und von wem der Wall aufgeschüttet wurde: bereits um 100 n. Chr. oder erst im 9./10. Jh. In Wyk landen die Fähren, der hochwassergeschützte Geestrücken dicht am Watt bot sich als Hafenplatz an. Deshalb gründete man um 1600 >bi de Wyk< – an der Bucht – den jetzigen Hauptort. Bereits 1819 erkannten Wyks Stadtväter die wirtschaftlichen Chancen des Tourismus und eröffneten das Seebad mit seinen weiten Strandflächen. Über die Geschichte informiert das Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseum (Rebbelstieg 34). Das älteste Haus der Insel von 1617 und eine von Langeneß >im- portierte< Bockwindmühle stimmen ein auf Funde zur Kulturgeschichte seit der Steinzeit. Im Ortsteil Boldixum wurde im 13. Jh. mit St. Nikolai die jüngste der drei Kirchen Föhrs gebaut, in romanischen Formen, die bereits die Entwicklung zur Gotik zeigen. Johann Schnitker gestaltete 1643 den prachtvollen Spätrenaissance- Altar mit biblischen Reliefs, Karyatiden-Figuren und Säulen. Die Holzkanzel entstand um 1630. Bemerkenswert sind noch einige gotische Holzfiguren: ein Nikolaus (um 1260) und Christus, ein Apostel und ein Diakon (um 1520). In Oevenum zeigt das Museum Altföhringer Bauernhaus (Buurnstraat 48) Leben auf dem Lande.

Nieblum bedeutet übersetzt >Neues Dorf<. Doch der Ort auf dem Geestrand wuchs, als nach den großen >Mandränken< die überlebenden Halligbewohner wieder sicheren Boden zum Siedeln benötigten. Als bedeutendste Kirche der Insel war schon seit dem 12. Jh. St. Johannis d. T. – auch Friesendom genannt – aus Granitquadern und Tuff mit kreuzförmigem Grundriss entstanden. Zur Granittaufe mit Reliefs von Löwenkämpfen der Erbauungszeit gesellten sich ein gotischer Schnitzaltar (1480) und die Renaissancekanzel aus dem Umkreis des Heinrich Ringering (1618). Familiengeschichten erzählen zahlreiche seit dem 18. Jh. kunstvoll gearbeitete Grabstelen auf dem Kirchhof.

Ähnliche Schicksale von Seefahrern lassen sich auch auf dem Friedhof von St. Laurentius an den Steinen ablesen, der sich etwas abgelegen nahe Süderende befindet. Die Kirche selbst entstand seit dem späten 12. Jh., die Granittaufe gehört noch der Erstausstattung an, den gotischen Schnitzaltar – eine Marienkrönung zwischen Heiligen – brachte das 15. Jh., und die einfache Renaissancekanzel kam im frühen 17. Jh. hinzu.

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Insel mit Landanschluss: Sylt 2

Hinter dem rund 5 km langen Sandstrand hat sich eine lebendige, im Sommer fast zu gut besuchte Flaniermeile entwickelt, insbesondere die Friedrichstraße von der biederen Wilhelmine aus Bronze (Ursula Hensel-Krüger) im Zentrum bis zur Musikmuschel für Kurkonzerte und den stattlichen Hochhäusern an der Promenade.

Beeindruckend bleibt bis heute die Leistung jener jungsteinzeitlichen Siedler, die im 3. Jahrtausend v. Chr. aus gewaltigen Findlingen das begehbare Ganggrab Denghoog im benachbarten Wenningstedt anlegten; der alte Ort versank übrigens 1362 rund 2 km weiter westlich. Der Name dieses am besten erhaltenen Megalithgrabes von Schleswig-Holstein, eines der bedeutendsten Nordeuropas, lässt sich ableiten von Thinghügel, denn in germanischer Zeit wurde hier Recht gesprochen. »Pyramiden des Nordens« hat man die Hügelgräber genannt. – Eine der interessantesten Natur-Schönheiten Sylts bildet das knapp 2 km lange, 25 m hohe Rote Kliff von Kämpen mit der Uwe-Düne in gut 52 m Höhe – ein Rundblick nach Amrum, Föhr und Dänemark der runde Leuchtturm (>Christian<) von 1854 aus Backsteinen überragt es freilich mühelos um 38 m. Auch dieser Ort zeichnet sich durch traditionsbewusste Bauweise aus, gepflegte Reetdachhäuser bestimmen das Bild. Von der reizvollen Atmosphäre schwärmten übrigens schon Gäste, derer man sich heute gern und stolz erinnert. Eine >Sylter Novelle< hinterließ Theodor Storm, und Wilhelm Raabe beschreibt in der Erzählung >Deutscher Mond- schein< die Begegnung mit einem sonderbaren Kauz auf Sylt. Zu Beginn des 20. Jh. verlebten Lovis Corinth, Gerhart Hauptmann, Alfred Kerr, Thomas Mann, Ernst Rowohlt, Carl Zuckmayer oder Stefan Zweig ihre Ferien hier. Spuren ihrer Eindrücke finden sich in Briefen und Werken. Max Frisch und Gottfried Benn zog es nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Insel. Freilich ließen sich nicht nur Literaten vom Flair Sylts inspirieren. Ähnlich wie Worpswede nahe Bremen entwickelte sich speziell Kämpen zu einem Ort der bildenden Künstler. Besonders zu nennen wären hier die Maler Herbert Pohris (1896-1971), Helmut Märksch (1907-1980), Siegward Sprotte (1913-2004), Otto Eglau (1917-1988) und Heide Dahl (geb. 1940 in Rostock) oder in Keitum Karl Holstein (1912-2003), Dieter Röttger (1930-2003) und Karl-Heinz Berndt-Elbing (1934-99). – Naturschutz ist für die Gemeinde schon lange keim Fremdwort, bereits 1925 erließ Kämpen eine Ordnung zum Schutz seiner Heideflächen. Die Vogelkoje von Kämpen geht auf eine 1767 mit königlicher Genehmigung eingerichtete Fanganlage für Wildenten zurück (Lister Straße).

Bei List, dem nördlichsten deutschen Seebad, spannt sich das Naturschutzgebiet Ellenbogen mit seinen beiden Leuchtfeuern um den Königshafen. Listland ist die Heimat in Deutschland einzigartiger Wanderdünen. Lebhaften Schiffsbetrieb von Fähren und Freizeitskippern kann man im Lister Hafen beobachten, zur Stärkung empfiehlt sich Deutschlands nördlichste Fischbude: das Reich von Jürgen Gosch – weit mehr als ein üblicher Stehimbiss, wie Gourmets bezeugen können. – Knapp 40 km misst der Weg bis zur Südspitze Hörnum Odde mit Leuchtturm und einer weißen Düne, vorbei an der schmälsten Stelle bei Rantum und dem Seevogelschutzgebiet.

Keitum

Das älteste Friesenhaus in Keitum/Sylt

Als der frühere Hauptort und Hafen Sylts 1440 erwähnt wurde, muss er bedeutend älter gewesen sein. Traditionell lebten hier Seefahrer, die als Kapitäne Walfänger und Handelsschiffe kommandierten und so zu Wohlstand gelangten. Zahlreiche Friesenhäuser uthländischer Bauweise zwischen hohen Bäumen zeugen von dieser Zeit im 17. bis 19. Jh. St. Severin nördlich außerhalb des Ortes entstand zu Beginn des 13. Jh. als spätromanischer Bau, aus dieser Zeit stammt noch die Sandsteintaufe. Der gotische Schnitzaltar von etwa 1500 zeigt einen Gnadenstuhl zwischen Maria und einem Bischof. Um 1700 entstand die aus dem jetzt dänischen Mogeltonder erworbene Renaissancekanzel. Gleich zwei stattliche Friesenhäuser lassen Besucher die Kultur der Insel und ihre Geschichte eindrucksvoll erleben. Das Altfriesische Haus von 1739 wurde 1907 mit seiner Originaleinrichtung zum Museum Alt-Sylter Wohnkultur hergerichtet. Ein Flur verbindet die Stallungen mit dem Wohntrakt: Kööken (Küche), Piisel (Pesel) und Kelerkaamer (Kellerkammer) sind noch mit wandfestem Mobiliar und altem Hausrat ausgestattet (Am Kliff 13). Breiter angelegt sind die Sammlungen des Sylter Heimatmuseums (Am Kliff 19a). Der Sylter Chronist Christian Peter Hansen hatte damit begonnen, sie zusammenzutragen. – Etwas kleiner als die Keitumer Kirche fiel im frühen 13. Jh. der Mischbau von St. Martin in Morsum aus, den Gnadenstuhl des spätgotischen Schnitzaltars flankieren St. Mauritius und St. Severin (um 1500). Wattwiesen, weite Marschen und Heideflächen umgeben das noch weitgehend ursprüngliche Friesendorf. Morsums über 20 m hohes Kliff am Geestrand besteht aus Kaolinsand, Limonit und Glimmer: für Geologen eine Fundgrube und geradezu ein Nachschlagewerk, das in seinen Ablagerungen mehrerer Jahrmillionen Aufschluss über die Entwicklung Sylts gibt.

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Insel mit Landanschluss: Sylt

Obwohl Schleswig-Holsteins bekannteste Nordseeinsel wohl einem Fisch, dem Hering – im Dänischen Sild – ihren Namen verdankt, spielt der Fischfang hier kaum noch eine nennenswerte Rolle. Vor Helgoland warfen Sylts Fischer im 15. Jh. so erfolgreich ihre Netze aus, dass man diese Tatsache 1425 in der Lübecker Chronik für erwähnenswert hielt, davon hörte der dänische König und führte das >Rudergeld< ein, zusätzliche Steuern für die Fischer vor Helgoland. Allerdings blieben um 1600 die Heringsschwärme aus, und die Sylter mussten ihren König um Steuerermäßigung bitten. Mondän, wie ein verbreitetes Vorurteil wissen will, ist die >Familieninsel< nicht, sieht man einmal von wenigen Brennpunkten ab. Über 600 Grabhügel der Jungstein und Bronzezeit zeugten noch im 18. Jh. von der rund 5000-jährigen Besiedlungstradition, leider wurden viele abgetragen und als Baumaterial verwendet. Von den bekannten Sylter Burgwällen – Archsum, Tinnum und Rantum – überdauerte nur die Tinnumburg; der Wall bei Archsum wurde im 19. Jh. weitgehend abgetragen, der von Rantum fiel der See zum Opfer. Ungeklärt ist auch, ob die verbliebene >Tinnumborig< – rund 5 m hoch und 120 m im Durchmesser – als sächsische Wallanlage um Christi Geburt aufgeschüttet wurde, bevor Angeln und Sachsen nach Großbritannien aufbrachen. Vielleicht entstand sie auch im 9./10. Jh., als Wikinger-Stützpunkt oder aber als Zuflucht der Friesen vor den Nordmännern und ihren Drachenbooten.

Strand in Sylt

Strand in Sylt

Der wirtschaftliche Aufstieg Sylts begann 1855 mit der Gründung des Seebades Westerland. Da Sylt mit dem Hindenburgdamm seit 1927 eine Landverbindung besitzt, streiten Puristen, ob es sich überhaupt noch Insel nennen dürfe … Schon im 19. Jh. gab es Pläne, die Insel durch einen Damm mit dem Festland zu verbinden. Heftig stritten Befürworter und Gegner. Zwar sah man im Landanschluss einen wesentlichen Fortschritt, zumal besonders im Winter der Wasserweg durch Treibeis behindert oder unterbrochen ist, andererseits fürchteten viele Sylter, der Damm würde ihre Lebensbedingungen und die friesische Kultur der Insel stören. Unbestritten bleibt jedoch, dass der Bau eine gewaltige technische Leistung darstellt. Beschlossen wurde das kühne Projekt 1913, schon 1917 wollte man es vollendet haben. Allein, es kam anders, der Erste Weltkrieg verzögerte die Ausführung. Bis zu 1500 Arbeiter bewegten weitgehend in Handarbeit rund drei Millionen Kubikmeter Erde und 120 000 Tonnen Granitblöcke – immer im Wettlauf mit den Gezeiten und möglichen Stürmen. Weder den Untergrund im Schlick noch das Wetter konnte man exakt im voraus kalkulieren, und mehr als einmal spülten Sturmfluten die mühsam herbeigeschafften Erdmassen beiseite.

Reisende haben heute mehrere Möglichkeiten, Sylt zu erreichen: ab Niebüll mit dem Autoreisezug, von Havneby auf Roma per Fähre mit PKW-Beförderung nach List auf Sylt oder dank des Flughafens in Westerland während der Saison im Linienverkehr. Die mit 99 km2 größte nordfriesische Insel besitzt einen fast 40 km langen feinsandigen Brandungsstrand an ihrer Westküste, Heideflächen und Dünen von einer Höhe von über 25 m prägen das Bild. An der schmälsten Stelle ist sie nur etwa 550 m breit.
Sylts nordfriesische Nachbarin unter dänischer Flagge, Rome, ist mit 99 km2 gleich groß und votierte 1920 im Volksentscheid für die Zugehörigkeit zu Kopenhagen. Sandstrände, Heideflächen und Kieferngehölze machen die dänische Insel (durch modernen Straßendamm mit dem Festland verbunden) ebenso zu einem lohnenden Ziel für Ausflüge wie die urtümliche Kirche St. Clemens mit ihren reichen Kunstschätzen in Kirkeby oder das Museum im Kommandeurshof in Toftum.

Westerland

Weil das Dorf Eidum 1436 in den Wogen der Allerheiligen-Flut versank, mussten die Überlebenden weiter östlich ein neues bauen: So begann die Gründung der einzigen Stadt auf der Insel. Die Alte Kirche St. Niels löste 1635-37 als Ziegelbau ihre romanische Vorgängerin ab. Der spätgotische Schnitzaltar zeigt eine Marienkrönung, flankiert von Bischöfen und Aposteln (15. Jh.). Ebenso alt ist das Holzkruzifix, die Holzkanzel stammt aus dem Jahr 1751. In die 1908 von Heinrich Bomhoff erbaute Neue oder Nikolaikirche übernahm man die Granittaufe des 13. Jh. der alten Nikolaikirche von Eidum, schließlich hatte sie nach dem Untergang des Dorfes noch rund 200 Jahre den Fluten getrotzt. Zahlreiche traditionelle Friesenhäuser mit Reetdach machen den Charme von Alt-Westerland aus. Das Seebad erhielt 1896/97 als Ergebnis eines Wettbewerbs sein ehemaliges Kurhaus in Formen des Jugendstil nach Plänen von Vollmer und Jasony. Zwei turmartige Eingangsrisalite, verbunden durch Arkaden, prägen die Front (heute Spielbank).

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Nördliches Tor zu den Inseln: Niebüll

Vielen Gästen Schleswig-Holsteins wird die Stadt als Bahnhof jener Züge ein Begriff sein, die Autos >huckepack< über den Hindenburg- damm nach Sylt transportieren. Ursprünglich stand die Kirche im Ortsteil Langstoft, wurde allerdings bei der >Mandränke< 1362 so schwer beschädigt, dass man sie abriss und einen neuen gotischen Bau in den Dünen von Niebüll errichtete. Das Verzeichnis von 1436 nennt erstmals >Nubul< als Standort eines Gotteshauses. Den bestehenden Saalbau der Christus-Kirche mauerte man 1729 aus Backsteinen auf und stattete ihn zeitgemäß aus. Vom ersten Bau stammt wohl noch die Granittaufe. Die gotische Triumphkreuzgruppe entstand um 1480. Ungewöhnlich ist die Form des Opferkastens: der Armenblock von 1693. Hubert Lütcke bewies 1925 mit dem dreiflügeligen Friedrich-Paulsen-Gymnasium, wie vielseitig Ziegel zu verwenden sind. Im 1928 von Friedrich Stroh und Johannes Lorenzen aus Backsteinen erbauten Alten Rathaus erinnert das Richard- Haizmann-Museum an den vor allem während der 20er-Jahre als Gestalter moderner Tierplastiken geschätzten Bildhauer und Maler (1895-1963), der sich 1934, verfemt als entarteter Künstlern nach Niebüll in die innere Emigration zurückzog und hier bis zu seinem Lebensende wohnte. Außerdem werden wechselnde Ausstellungen gezeigt. Aus dem 13. Jh. stammt die Kirche im Ortsteil Deezbüll, man erweiterte sie 1751 beträchtlich. Den spätgotischen Schnitzaltar mit Marienkrönung und Heiligen (15. Jh.) übergiebelte man im Barock mit Akanthusvoluten und einem Kreuzigungsgemälde. Jens Süncksen schnitzte die prächtige Barockkanzel (1730). Als >uthlandfriesisches Langhaus< wurde um 1700 der Backsteinhof in Ständerbauweise errichtet, in dem das Friesische Museum seit 1929 angemessen seine Räume gefunden hat (Alwin-Lensch-Str. 54). Das Naturkundemuseum gibt in Präparaten und Dioramen einen umfassenden Einblick in Fauna und Flora der Region, fast bis zum Anfassen kann man sich Seehunden oder Füchsen nähern (Hauptstr. 108).

Weit leuchtet der zur frühen Gotik aufgemauerte Backsteinbau der Kirche in Braderup (13. Jh.), Teile der spätgotischen Ausmalung haben sich erhalten. Auch die spätromanische Backsteinkirche zu Humptrup (um 1200) kann noch Reste der Wandmalerei vorweisen, wie ebenfalls St. Maria von Süderlügum aus dem frühen 13. Jh. Die Einrichtung bezog man aus Flensburg: den Altar wohl von Claus Gabriel (1647), die Kanzel aus dem Umkreis Heinrich Ringerings (um 1616). In der mehr als 700 Jahre alten Stadt Tunder (Tondern) verlocken die spätgotische Christuskirche oder das Museum zum Blick ins dänische Nordschleswig. Hart südlich der Grenze liegt Aventoft mit seiner spätromanischen Backsteinkirche (13. Jh.) und deren gotischen Schnitzaltären des frühen 16. Jh. Beeindruckend erhebt sich der spätromanische Backsteinbau der Kirche von Neukirchen seit dem Beginn des 13. Jh. auf seiner Warft. Großartige Schnitzarbeiten zeigt der spätgotische Flügelaltar mit einem Gnadenstuhl zwischen den beiden Johannes (d. T. und d. Ev.); des Täufers Leben stellen die vier Seitenreliefs nach Stichvorlagen aus dem Umkreis Cranachs und Dürers dar (um 1520). Peter Petersen II. schnitzte die Renaissancekanzel (1682).

Hort der Farben und des Lichts: Das Nolde-Haus in Seebüll

Nolde-Haus

Nolde-Haus

Nach eigenen Entwürfen ließ Emil Nolde sich im Geist des Bauhaus- Stils 1927-37 ein von Kuben geprägtes Bauwerk aus Klinkern errichten, gleichermaßen als Wohnung, Atelier und Galerie konzipiert. Dazu hatte er 1926 eine Warft mit Bauernhof erworben. Weitgehend sind die Räume noch in ihrer ursprünglichen Anordnung und Gestalt erhalten, seit 1956 nach seinem Tod die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde< eingerichtet wurde. Im deutsch-dänischen Grenzland wurde Emil Nolde 1867 unter dem Familiennamen Hansen geboren, erst ab 1902 nannte er sich nach seinem Heimatdorf Nolde. Einer Ausbildung als Schnitzer und Zeichner folgten Wanderjahre, die ihn 1888-91 nach München, Karlsruhe und Berlin führten. 1913/14 bereiste er Sibirien, Korea, Japan, China, Neuguinea, Celebes, Java und Birma. Auch wenn dieser Hauptmeister des deutschen Expressionismus kurzfristig der >Brücke< angehörte und sich lebhaft mit der Berliner Secession auseinandersetzte, fällt es schwer, seinen Stil eindeutig zu bestimmen. Leuchtende Farben und kräftige Kontraste blieben ein wichtiges Ausdrucksmittel seiner Ölgemälde und Aquarelle. Aber auch Radierungen und Holzschnitte leben von Gegensätzen. Einen guten Zugang zu >Reisen, Ächtung, Befreiung< – so der Titel des vierten Bandes – bietet die umfangreiche Autobiografie. Im Dritten Reich galt Nolde mit seinem Werk als >ent- artet<, 1057 Arbeiten wurden beschlagnahmt, dem Ausschluss aus der >Reichskunstkammer< folgte Malverbot. Emil Nolde reagierte darauf mit kleinformatigen Aquarellen, den >ungemalten Bilderm. Motive aus Noldes Leben unter dem Malverbot übernahm Siegfried Lenz für seinen Roman >Deutschstunde<.

Den Übergang von der Romanik zur Gotik markiert das nach Westen verlängerte Schiff der Kirche in Rodenäs aus dem 13. Jh., gut zwei Jahrhunderte nach Langhaus, Granittaufe und dem Triumphkreuz entstand der gotische Schnitzaltar. Bemerkenswert aufwändig für eine Landkirche changiert auch der Backsteinbau von Klanx- biill mit seinen Gewölben zwischen romanischen und gotischen Formen (13. Jh.). Um 1520 entstanden die spätgotischen Altarfiguren. Die Holzkanzel des späten 16. Jh. stammt aus der 1634 zerstörten Volgsbüller Kirche auf Alt-Nordstrand. Von bemerkenswerten Dimensionen ist die 1240 erstmals erwähnte und wohl damals in Backsteinen errichtete spätromanische Kirche von Horsbüll, Be- rend Cornelissen schnitzte 1655 die prachtvolle Kanzel des frühen Barock. Auch in Emmelsbüll musste der Standort der bereits 1240 erwähnten Kirche 1768 verlegt werden. Den Backsteinsaal stattete man mit einer Kanzel der späten Renaissance aus (1625), in den Barockaltar (1698) von Peter Petersen III. fügte man ein Gemälde des Carl Ludwig Jessen (1900) ein.

Nirgends erscheint der Himmel so hoch, das Meer so weit und das Land so flach, wie in den Uthlanden der deutschen Nordseeküste. Dass diese Landschaft den Charakter ihrer Bewohner prägt, kann man verstehen. Jemand, der täglich damit rechnen muss, elementaren Kräften zu unterliegen, lebt auch politisch nicht als braver Untertan, gibt keinen biederen deutschen >Michel< ab. »Lieber tot als Sklave« lautet denn auch die Devise der Friesen – man wird sie in mancherlei Mundart-Varianten lesen.

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>Graue Stadt< mit Krokussen: Husum 4

Weil sie von dieser höchsten Erhebung an der Küste – immerhin 44 m – weit aufs Meer, seine Halligen und Inseln sehen konnten, errichteten die Friesen auf dem Stollberg eine Kultstätte. Im 12. Jh. entstand St. Dionys zu Joldelund aus Feldsteinen, den spätgotischen Altar ergänzte man 1601 um ein Gemälde. Die Erdholländer-Windmühle von 1771 zählt zu den älteren Exemplaren. Spätromanischen Ursprungs ist die Backsteinkirche von Bordelum auf dem Geestrand (um 1200). Der Renaissance-Flügelaltar kam aus der untergegangenen Nordstrander Kirche von Röhrbeck. Das gotische Back-steinschiff von St. Laurentius in Langenhorn erweiterte man 1722 um einen breiten Südanbau, zuvor schon hatte die einheimische Werkstatt von Sunke Jenssen gegen Ende des 17. Jh. die Barockausstattung aus Altar, Kanzel und Taufe geliefert. Der Backsteinsaalbau der Kirche in Ockholm von 1647 birgt neben dem geringfügig älteren Gemäldeflügelaltar (1620) noch eine Marmortaufe des 15. Jh. Auch Fahretoft gehörte zu den >Uthlanden< – und das ist wörtlich zu nehmen, bis 1634 handelte es sich um eine Hallig. St. Laurentius wurde zwar 1240 erstmals erwähnt, nach Bränden musste der Backsteinsaal aber schließlich 1703 neu errichtet werden. Aus Tondern kaufte man den hochgotischen Schnitzaltar (um 1500).

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Dagebüll gehört nicht nur seiner Geschichte nach fast zur friesischen Inselwelt, wurde die frühere Hallig doch erst 1704-27 eingedeicht und damit landfest, es bietet auch den Hafen, von dem aus die Fähren nach Amrum und Föhr in See stechen. Vorher sollte man sich aber noch die Zeit nehmen, St. Dionys auf der hohen Kirchenwarft zu besichtigen. Die mittelalterliche Vorgängerin ersetzt seit 1731 ein Backsteinsaal mit Deckenmalerei des Peter Volquard (1750) und schöner Barockausstattung. In den spätgotischen Backsteinbau der Kirche von Bargum (15. Jh.) zog man eine Balkendecke ein und bemalte sie mit Szenen der Bibel (1702), der spätgotische Flügelaltar (16. Jh.) wurde später ergänzt. Hinrich Melcher Sönnich- sen bemalte 1779 die Bretterdecke der Kirche von Enge mit einer Ortsansicht, ein seltenes Motiv, den gotischen Schnitzaltar bereicherte man mit Rokokozutaten. Älter als die Backsteinsaalkirche von Stedesand (1746) sind der Renaissancealtar (1639, seit 1904 mit Abendmahlsgemälde von Carl Ludwig Jessen statt der originalen Reliefs) des Johann Schnitker und seine Kanzel (1647) sowie die romanische Kalksteintaufe des 13. Jh. Außer dem spätgotischen Schnitzaltar (15. Jh.) besitzt der ins 13. Jh. zurückreichende Backsteinbau von St. Sebastian in Risum-Lindholm noch einen barocken Altaraufsatz (1657) und die Renaissancekanzel von 1620. Dem 18. Jh. entstammt der Ziegelbreitbau des Herrenhauses Fresenhagen von Stadum.

Als Hafen an der Mündung der Lecker Au in die Nordsee gelangte Leck im Mittelalter zu Wohlstand, verarmte aber im 15. Jh. Heute bildet der Ort zwischen Marsch und Geest den Mittelpunkt der Naturlandschaft Karrharde. Die Wände und Granittaufe von St. Wille- hard entstammen zum Teil noch dem romanischen Gründungsbau um 1200. Den Schnitzaltar mit figurenreicher Kreuzigung schufen Künstler aus dem Umkreis von Claus Berg (um 1520), Renaissanceformen zeichnen die Kanzel von 1599 aus. Die Apotheke von 1797 mit Zwerchgiebel und Reetdach zählt zu den schönsten Gebäuden am Markt. Das Herrenhaus Lütjenhorn bei Achtrup entstand als Ziegelbreitbau 1762. Auch im nahen Ladelund befand sich eine Außenstelle des KZ Neuengamme; die KZ-Gedenkstätte Ladelund soll das Andenken an die 300 Opfer wachhalten. Um 1200 wurde die Backsteinkirche in Karlum errichtet, das frühgotische Kruzifix (um 1250), der Gemäldealtar (1661) und die schlichte Kanzel (1578) geben dem Raum eine stille Würde. Auf das 13. Jh. geht der Backsteinbau von St. Nikolaus in Klixbüll zurück, dieser Zeit gehört auch die Granittaufe an, während Altar, Kanzel und Taufdeckel der Renaissance die Nähe zu Flensburg und damit zum Kreis Heinrich Ringerings spürbar werden lassen (um 1620).

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>Graue Stadt< mit Krokussen: Husum 3

Das Schloss vor Husum

Krokusse, ein Meer aus Blüten, bilden Ende März/Anfang April eine der Attraktionen Husums. Sie umgeben im Park das 1577-82 in Formen der niederländischen Renaissance erbaute Schloss, eine Nebenresidenz der gottorfischen Herzoge. Wer den Weg vom Markt durch das Alte Rathaus und den Schlossgang genommen hat, erkennt spätestens beim Überqueren der Schlossstraße, dass es vor der historischen Altstadt von Husum liegt, auf früherem Klostergelände. Unverkennbar ist architektonische Verwandtschaft mit dem kurz zuvor errichteten Schloss in Reinbek. Vom reichen Renaissancedekor der Giebel, Treppentürme und Dacherker blieb wenig, als man das Schloss 1752 zum Amtshaus umbaute und barock modernisierte; damals wurden die Obergeschosse der Seitenflügel wie auch die Nebengebäude abgetragen. Vom alten Glanz künden noch prunkvolle Kamine, drei von ihnen gestaltete Henning Heidtrider (1616), und einige alte Möbel. Die ehemalige Schlosskapelle wurde 1982 wieder hergestellt, der Silberaltar des A. von Horn (1620) befindet sich in Kopenhagen. Eine Ahnung von der einstigen Renaissance-Pracht vermittelt noch das äußere Torhaus an der Südseite, ein geweißter Backsteinbau mit geschweiften Volutengiebeln, Gesimsen und Dekor aus Sandstein, wohl von Henning Heidtrider (1612). Doppelpilaster flankieren die Durchfahrt, tragen Athene und Venus über vollplastischen Kriegerköpfen. Heute dient das Schloss als Kulturzentrum des Kreises vielfältigen Zwecken. Im Schloss wurde 1871 die Schriftstellerin Franziska Gräfin von Reventlow geboren, sie starb 1918 bei Locarno. Die bronzene Storm-Büste von Adolf Brütt im Schlosspark erinnert seit 1898 an den Dichter.

Schloss vor Husum

Schloss vor Husum

Einheimische Künstler, wie der in Husum geborene Bildhauer Adolf Brütt (1855-1939), finden sich natürlich auch im Nord-friesischen Museum Nissenhaus vertreten, einem expressionistischen Klinkerbau mit Eingangsrisalit unter drei hohen Halbrundgiebeln von Georg Rieve, zu dem Alwin Blaue die Baukeramik beisteuerte (1935-37, Herzog-Adolf-Str. 25). Den bronzenen Klabautermann davor schuf Walter Rössler. Dokumente und alte Karten, Fotos und Modelle veranschaulichen das jahrhundertealte Miteinander von Mensch und Natur, bei dem die See oft genug Oberhand behielt, von der so genannten >großen Kimbrischen Flut< um 340 v. Chr. über die Flut, die 1287 zur Entstehung des Dollarts bei Emden führte, oder die >Mandränken< von 1362 und 1634 bis zu den Sturmfluten 1961, 1962 und 1976. Die Entwickung des Deichbaus steht dabei natürlich im Vordergrund, vom mittelalterlichen >Stackdeich< aus Eichenstämmen, der aus Originalfunden rekonstruiert wurde, bis zum modernen, maschinell errichteten Schutzwall oder dem Eidersperrwerk von 1973. Immer wieder haben die hiesigen Maler eindrucksvoll den Kampf der Menschen mit den Elementen dargestellt, wie etwa Alex Eckener eine >Halligwarft in der Sturmflut^ Am Ende des Binnenhafens liegt das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland (Zingel 15). Die Kunst, Holz- und Stahlschiffe zu bauen, bildete eine der Lebensgrundlagen an der Nordseeküste.

Von weitem schon erkennt man die kleine Feldsteinkirche in Schwesing auf ihrem Hügel, der romanische Bau entstand wohl gegen 1200, aus dieser Zeit stammt noch die Granittaufe. Der gotische Schnitzaltar birgt eine figurenreiche Kreuzigung (um 1470). Als Außenlager des KZ Neuengamme wurde das Lager Schwesing eingerichtet. Die KZ-Gedenkstätte Schwesing erinnert daran, dass von 2500 Menschen aus 14 Ländern mehr als 300 an Misshandlungen und Unterernährung starben. Hoch über dem Geestrand liegt die Backsteinkirche von Viöl aus dem 13. Jh., der Feldsteinbau der Kirche von Olderup entstand bereits im 12. Jh. Schiffern diente der gedrungene, frühgotische Backsteinbau des Kirchleins von Schobüll wegen seiner erhöhten Lage auf dem Geestrand als Seezeichen.

Nachdem Alt-Nordstrand bereits in der >Mandränke< 1362 weite Teile und den Haupthafen Rungholt verloren hatte, wurde der Rest 1634 in die größeren Inseln Nordstrand und Pellworm sowie mehrere Halligen zerrissen. Heute erreicht man Nordstrand problemlos über einen 4 km langen Damm. Außer der Alten und der Neuen Kirche auf Pellworm überstand nur St. Vinzenz von Odenbüll als mittelalterlicher Backsteinbau (im Kern aus dem 13. Jh.) die Flutkatastrophen. Die figurenreiche Kreuzigung des gotischen Schnitzaltars, ein Triumphkreuz und die Marmortaufe gehören zur Ausstattung des 14. Jh. Mitte des 17. Jh. kamen Deichbauer aus Holland und Brabant, um Nordstrand nach der Sturmflut wieder zu befestigen. Für sie errichtete man 1662 die Altkatholische Theresien- kirche in Süden mit angebautem reetgedecktem Pfarrhaus. Das Altargemälde aus der Erbauungszeit zeigt den Gekreuzigten. Seit 1891 besteht die Windmühle. Vom Hafen Strucklahnungshörn aus verkehren regelmäßige Autofähren nach Pellworm.

Ab etwa 1200 entstand der dreifach gestaffelte spätromanische Backsteinbau von St. Marien in Hattstedt. Dominant leuchtendes Gold hebt die figurenreiche Kreuzigung des gotischen Schnitzaltars unter Maßwerkbaldachinen und einem breiten Laubwerkkamm hervor (15. Jh.). Die Bronzetaufe goss L. Karsten nach der Form des Hu- sumer Vorbilds (1647). In prachtvollem Knorpelbarock gestaltete Claus Heim die Kanzel (1641), während das gotische Triumphkreuz noch dem 15. Jh. angehört. An den friesischen Brauch des Ringreitens erinnert die moderne Plastik von Günther Skrodzki im Ort. Als >KeIlerhoIländer< errichtete man 1806 die Windmühle Fortuna in Strukkum. Feldsteine dienten der Gemeinde von Dreisdorf um 1200 dazu, ihre spätromanische Kirche zu erbauen, in reich verzierten Renaissanceformen entstanden gegen 1600 Altar und Kanzel. Aufwändig mauerte man als stattlichste spätromanische Backsteinkirche im Landesteil Schleswig zu Beginn des 13. Jh. den einschiffigen Bau von Breklum. Dem 14. Jh. verdankt er die gotländische Kalksteintaufe, Triumphkreuz und Kruzifix sowie einen sitzenden St. Olaf über dem besiegten heidnischen König (15. Jh.), während Claus Gabriel die prunkvolle Barockkanzel schnitzte (1646), und Wilhelm Buchholtz rund 100 Jahre später den Altar schuf. Zur späten Gotik weihte man in Bredstedt den Backsteinbau St. Maria und St. Nikolaus. Der frühere Altaraufsatz und eine schöne Holztaufe des Ringering-Umkreises entstanden im späten 16. Jh., Claus Gabriel gestaltete die aufwändige Kanzel in frühbarocken Formen. Über charakteristische Landschaftsformen der Region, Geest, Marsch und Moor, Wattenmeer oder Halligen, informiert das Naturzentrum Nordfriesland in Bredstedt (Bahnhofstr. 23).

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