Dänischer Wohld: Herrenhäuser, Parks und Strände


Nur noch spärlich sind die Reste jener ausgedehnten Forstflächen, denen die Halbinsel zwischen Eckernförder Bucht und Kieler Förde ihre verschiedenen Namen verdankt: >Isarnho< – Eiserner Wald im Mittelalter ist ein >Danica Silva< – Dänischer Wald – bezeugt, jetzt kennt man die Region als >Dänischer Wohld<. Gut Rosenkranz auf dem Nordufer des Kanals, bereits 1284 als Burg erwähnt, nannte sich bis 1828 wie der Ort Schinkel. Durch das extravagante Torhaus mit seiner von steinernen Pferdeköpfen geschmückten Säulenloggia gelangt man zum Herrenhaus von 1889/90 im Stil der (sehr späten) italienischen Renaissance. Risalite gliedern den elfachsigen Putzbau.

Zu Tüttendorf gehört die geschlossene axiale Hofanlage mit barockem Herrenhaus von Gut Wulfshagen aus dem 17./18. Jh. In Rathmannsdorf nahe Felm wurde eine Schleuse des alten Eiderkanals wieder hergerichtet, 1779-88 entstand sie als Zweikammeranlage nach niederländischem Muster aus massivem Mauerwerk. Schiffe schleuste man durch die große Kammer, die kleinere >Frei- schleuse< diente – wie in Kleinkönigsförde – der Wasserregulierung.

Herrenhaus Knoop

»Übel beraten« sei der Graf gewesen, bedauerten Zeitgenossen, sein »ganz neu aufgeführtes Haus« schlicht »verunglückt« – heute gilt Gut Knoop bei Altenholz am nördlichen Ufer des Kanals als bestes in Schleswig-Holstein erhaltenes Beispiel des vollendeten Klassizismus und Hauptwerk seines Architekten, des Dänen Axel Bundsen. Der hatte vom Bauherrn Heinrich Friedrich von Baudissin den Auftrag erhalten, die durch den Eiderkanal seit 1782 veränderte, landschaftlich ausgesprochen reizvolle Lage – inzwischen am Nord-Ost- see-Kanal – zu nutzen. Schon 1322 wurde der Adelssitz genannt, der als mittelalterliche Wasserburg und dänische Festung >Christians- pries< von Wasserläufen umgeben ist. In seiner Strenge entspricht das 1792-98 errichtete Herrenhaus der französischen Revolutionsarchitektur und ihrem kühlen Rationalismus. Weit vorspringende Mittelrisalite, an der Hofseite mit kolossalem tempelähnlichen Portikus aus vier jonischen Säulen und wandgebundenen Kolossalpilastern zum Kanal hin, teilen die dreizehnachsigen, zweigeschossigen Fronten unter einem niedrigen Dach.

Herrenhaus Knoop
Herrenhaus Knoop

Ganz im Gegensatz zum nüchternen Äußeren steht die Pracht, die der Stuckateur Francesco Antonio Tadei und der Maler Giuseppe Anselmo Pellicia vorwiegend mit Motiven, angeregt durch die Ausgrabungen in Pompeji, oder der Eutiner Hofmaler Ludwig Philipp Strack mit großformatigen idealisierten Landschaften vor allem im Vestibül, dem großen Speisesaal, Musiksalon und im Gartensaal entfaltet haben (eine Besichtigung der privat bewohnten Räume ist für Gruppen ab 15 Personen möglich, Auskunft: 04 31-36 10 12).

Klassizistisch gibt sich auch die Ausstattung der Feldsteinkirche in Dänischenhagen aus dem 13. Jh.; der bedeutende Schnitzaltar des nordischen Knorpelbarock und anderes Inventar von Hans Gu- dewerdt d. J. von 1656 wurde schon 1843 an die Klosterkirche in Preetz verkauft. Am Übergang von der Kieler Förde in die offene Kieler Bucht der Ostsee weist der Bülker Leuchtturm Schiffen den Weg. Weit sieht man über die Eckernförder Bucht von der rund 30 m hohen Steilküste bei Schwedeneck. Im Dreißigjährigen Krieg diente der östliche Teil der erst 1928 gegründeten Gemeinde schwedischen Truppen als eine Art Brückenkopf, eine ganze Reihe gut erhaltener Hünengräber – allein bei Birkenmoor gibt es noch 48 dieser vorge-schichtlichen Anlagen, weitere finden sich bei Grönwohld, Hohenhain, Dänisch Nienhof, Sprenge und Kuhholzberg – bezeugen eine weit ältere Besiedlung. In Krusendorf errichtete man als Ersatz für die an der Abbruchkante in Jellenbek aufgegebene gotische Kirche den Backstein-Saalbau von 1733-37, die Entstehungszeit des Neubaus prägt auch die barocke Einrichtung. Das barocke dreiflügelige Backstein-Herrenhaus (1708-11) in Noer wurde nach einem Brand 1933 weitgehend wiederhergestellt; der Prinz von Noer büßte seine Rolle bei der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848 mit der Verbannung nach Beirut. Einziger Schmuck des wie noch im Mittelalter durch Wasserzüge gesicherten zweigeschossigen Backsteinbreitbaus (1742) über 13 Achsen von Gut Borghorst bei Osdorf ist das barocke Eingangsportal des Mittelrisalits.

Fast im Zentrum der Halbinsel, am westlichen Rand des Dänischen Wohlds, liegt Gettorf. St. Georg wurde um 1250 als Wehrkir-che der Siedlung >Geetdorpe< errichtet. Davon zeugen noch die mächtigen, mehr als 2 m breiten Mauern. Ende des 15. Jh. fügte man dem inzwischen neu erbauten Langhaus den mächtigen, weit sichtbaren Westturm (64 m Höhe) mit seiner schönen Blendengliederung unterhalb des verschindelten Rhombendachs hinzu. Im Mittelalter hatte der >Gettorfer Dom< als Wallfahrtsziel nicht nur regionale Bedeutung. Innen birgt die Kirche eine spätgotische Bronzetaufe (1424) mit schönen Reliefs der Jugend Christi, getragen von vier Jünglingsfiguren, den Deckel ergänzte man in barockem Stil (1712). Ein unbekannter, wohl an lübischen Werken geschulter Meister schnitzte zu Beginn des 16. Jh. den vorzüglich gestalteten Marienaltar mit seiner eindrucksvollen Darstellung. Ein Hauptwerk von Hans Gudewerdt d. Ä. bildet die kunstvoll geschnitzte Kanzel der Renaissance, eine der reichsten im Land mit prachtvollen Szenen in zwei Reihen aus dem Alten und Neuen Testament zwischen Apostelfiguren (1598). – Als >01denhave< wurde Gut Altenhof 1410 erstmals erwähnt, auf einen zweigeschossigen Breitbau von elf Achsen (1722-28) geht der Mitteltrakt zurück, der 1904-10 neubarock umgestaltet und um Wappengiebel und Säulenportikus sowie Seitenflügel um einen Ehrenhof erweitert wurde. Erhalten ist das großartige Rokoko-Interieur des Herrenhauses, Mobiliar, Stuckaturen und von Guiseppe Anselmo Pellicia gemalte Tapeten. Besichtigungen der privaten und bewohnten Räume sind nach Voranmeldung möglich (0 43 51/4 13 34). Aus dem 18./19. Jh. stammen die umfangreichen Wirtschaftsgebäude.

Das klassizistische Gutshaus Osterrade (1829) liegt in einer reizvollen Eiderniederung. Um das spätklassizistische Obergeschoss wurde Herrenhaus Kluvensiek 1777 erweitert. Hier existiert noch das längste Stück des alten Eiderkanals samt Treidelpfad, Ausweich- und Anlegestelle nahe der dem Straßenbau geopferten Schleuse, von der aber die eindrucksvollen gusseisernen Träger der Zugbrücke mit ihrem reichen Ornamentwerk und Teile der Treidelstation erhalten blieben; in das Schleusenwärterhaus mauerte man eine Kanonenkugel. Wie eine komplette Schleusenanlage 1782/84 ausgesehen hat, kann man im benachbarten Kleinkönigsförde bei Krummwisch erkennen. Zwei Kammern gab es (wie in Rathmannsdorf): Eine diente Schiffen zur Bewältigung des Höhenunterschiedes, die kleinere zum Wasserausgleich, für den Straßenverkehr baute man eine Zugbrücke nach holländischem Vorbild aus Holz; das ganze Ensemble mit Wärterhaus wurde 1988 instandgesetzt und rekonstruiert. – Alt ist auf Gut Quarnbek nur das Backstein-Torhaus von 1671. Der Feldsteinsaalbau der Kirche von Flemhude aus der Mitte des 13. Jh. birgt einen guten Barockaltar von Theodor Allers, die Kanzel entwarf Axel Bundsen (1828/29), ältestes Stück ist die Taufe aus gotländischem Kalkstein (nach 1250). Gut Klein-Nordsee mit seinem schlichten Herrenhaus (1701) liegt nahe dem Westensee.

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