Deutschlands Hochseeinsel: Helgoland 2


Gäste erreichen Helgolands Reede nach einer mehrstündigen Schiffsfahrt oder per Flugzeug auf dem Landeplatz der Düne, anschließend werden sie mit Börtebooten zum Anleger auf dem Unterland gebracht. >KUMM WEER< grüßt die Landungsbrücke. Wer einmal hier war, wird leicht zum Wiederholungstäter, hat er es doch selbst erfahren, dass sich die Palette der friesischen Farben Rot, Blau und Gold vorzüglich verbindet mit denen der Insel auf hoher See:

»Grün ist das Land
Rot ist die Kant
Weiß ist der Sand
Das sind die Farben von Helgoland.«

Das Ausbooten bildet ein amüsantes, nicht ganz ungefährliches Abenteuer. Böse Zungen behaupten, diese kleine Zusatzeinnahme sei ein Relikt aus Störtebekers Tagen. Wenn aber in der Saison bis zu sieben Schiffe die Insel täglich anlaufen, ist der Hafen zu klein, deshalb müssen die Schiffe auf Reede vor Anker liegen. Außerhalb der Saison im Winter reicht er lediglich für das Versorgungsschiff oder Notfälle. Börteboote bringen die Gäste zur Bade-Düne und zum Törn rund um den Felsen. Nach der Räumung zahlreicher Blindgänger auch aus mehreren Metern Tiefe musste die Insel ab 1952 völlig neu bewohnbar gemacht werden. Die einheitliche Bebauung der 50er-Jahre gilt heute manchen als architektonisches Gesamtkunstwerk – und daher unbedingt erhaltenswert -, anderen als Kompromiss der Nachkriegszeit. Zumindest gelang es damals, Bettenburgen zu vermeiden und statt dessen kleinere Häuser zu errichten, die dem Charakter Helgolands zur Vorkriegszeit entsprechen. Das Bild des Hafens prägen bunte Hummerbuden, hölzerne Geräteschuppen der Fischer. In einer betreibt der Verein Jordsand sein Informationszentrum zum Schutz der Seevögel und der Natur. Am Südstrand erin-nert die Bronzebüste von Fritz Schaper (1892) daran, dass August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) auf der Insel 1841 sein >Lied der Deutschem verfasste, in Verbindung mit Joseph Haydns österreichischer Kaiserhymne seit 1922 Nationalhymne der Republik von Weimar; wegen ihrer großdeutschen Untertöne wird in der Bundesrepublik freilich nur noch in >kleindeutscher< Form Gebrauch davon gemacht. Dem auf Helgoland aufgewachsenen Schriftsteller James Krüss gelang es, mit seinen Romanen die Insel nicht nur Kindern nahe zu bringen. >Mein Urgroßvater und ich< erzählt vom Leben der Hummerfischer. Das Aquarium der Biologischen Anstalt zeigt in seinen Becken neben Seehunden so ziemlich alles, was den Meeresboden bevölkert.

helgoland-hafenunterlandMit ihrem kupferverkleideten Pyramidenhelm bildet die 1956-59 errichtete Nikolaikirche wieder das Zentrum des Oberlandes. Außer Grabsteinen vom alten Kirchhof erinnern einige Stollen und Gänge des alten Bunkersystems an das alte Helgoland. In der Vogelwarte finden regelmäßig Führungen statt. Zu den eindrucksvollsten Promenaden Deutschlands zählt der Klippenrandweg. Vom südlichen Teil Am Falm hart an der Kante des Oberlandes bietet sich ein großartiges Panorama über Hafen und Reede zur Düne. Rund fünfzig Meter über dem Meeresspiegel blickt man von der Westseite auf zerklüftete Einschnitte der Sandsteinwand mit ihren horizontalen Schichten, den Lummenfelsen – Deutschlands kleinstes Naturschutzgebiet, benannt nach der Trottel-Lumme, einer Alken-Art – und die Lange Anna, einen durch die Witterung freigelegten Steinturm. Der Sonnenuntergang lässt sich besonders eindringlich erleben, vielleicht mit einem Großsegler wie der »Alexander von Humboldt< samt ihren grünen Segeln am Horizont, und ein außergewöhnlich beeindruckendes Schauspiel findet auch statt, wenn Nebel über den Meeresspiegel wabern, während man sich oben von milder Sonne wärmen lässt und weit über die weißen Schwaden sehen kann; Nebelhörner tuten tief unten im Dunst. Vorbei an diesen Klippen ruderten Flotten der Angeln und Sachsen nach England, segelten Drachenboote der Wikinger zum Rhein und ins Mittelmeer.

Heinrich Heine ließ sich 1830 hier zu Gedichten seines Nordsee- Zyklus inspirieren. In den »Briefen aus Helgoland< wird er fast sentimental: »Ich wandelte einsam am Strand in der Abenddämmerung. Ringsum herrschte feierliche Stille. Der hoch gewölbte Himmel glich einer gotischen Kirche. Wie unzählige Lampen hingen darin die Sterne; aber sie brannten düster und zitternd. Wie eine Wasserorgel rauschten die Meereswellen; stürmische Choräle, schmerzlich ver- zweifelungsvoll, jedoch mitunter auch triumphierend. Über mir ein luftiger Zug von weißen Wolkenbildern, die wie Mönche aussahen, alle gebeugten Hauptes und kummervollen Blickes dahinziehend, eine traurige Prozession …«

Bilder wie diese prägen die Menschen hier. Recht gut gibt ihre Mentalität der Wahlspruch am 1961 fertig gestellten Rathaus wieder: »Rüm hart, kloar kimmen« – ein großes weltoffenes Herz vor weitem, aufgeklärtem Horizont.

See more: circuit 15 jours au vietnam | croisiere privee delta mekong | séjour ninh binh | visa vietnam en ligne | voyage cambodge 15 jours | voyage vietnam cambodge