Deutschlands Hochseeinsel: Helgoland


Dass die Natur als Baumeister großartige Architektur hervorbringen kann, beweist Helgoland. Wer sich dem mehr als 50 m aus der Nordsee aufragenden, nur knapp 1 km2 großen Buntsandsteinfelsen mit der Langen Anna auf dem Seeweg nähert, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Helgoland beherrscht die Deutsche Bucht, mehr als 70 km vom Festland entfernt. Deutschlands bekanntester Seeräuber, Claas Störtebeker, hatte hier seinen Schlupfwinkel, bevor ihn Hamburgs Flotte besiegte und 1402 auf dem Grasbrook der Henker »kurzen Prozess« machte. Friesen besiedelten den »kolossalen steinernen Würfel« – wie Friedrich Hebbel befand mit der Landesteilung 1490 verfügten Gottorfs Herzoge über ihn, 1714 eroberte Dänemark den Felsen, 1807 Großbritannien, und 1890 tauschte das Deutsche Reich Sansibar gegen Helgoland. Ein idealer Marinestützpunkt dank seiner exponierten Lage – und diese Tatsache sollte auch beinahe das Schicksal der Insel besiegeln. Zur Vorbereitung der Weltkriege wurden sowohl im Kaiserreich als auch während der Nazi-Zeit stark be-waffnete Festungsanlagen erbaut, seit 1936 mit einem riesigen U- Bootbunker. Nach dem Krieg versuchte Großbritannien 1947 die Insel samt der unterirdischen Werke durch 6700 Tonnen Sprengstoff zu zerstören und missbrauchte sie als Übungsziel für die Bomber der Royal Air Force. Allein, der weiche Buntsandstein erwies sich als stärker und verlor nur einen Teil seiner Fläche.

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Vor rund 65 Millionen Jahren hob aus der Tiefe aufsteigendes Zechsteinsalz im Bereich der jetzigen Insel Buntsandstein, Muschelkalk und Kreide an der Oberfläche. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung seit der Stein- und Bronzezeit. Grabhügel sind noch auf alten Karten vermerkt, sie registrieren bis ins 18. Jh. die Insel als >Heiligland<, was wohl auf eine Kultstätte des nordischen Gottes >Fosete< mit heiligen Quellen um 700 hinweist. Der Genuese Petrus Veskonte verzeichnete als Erster 1325 Helgoland auf einer Seekarte, nachdem das Erdbuch – eine Art Steuerverzeichnis – des dänischen Königs Waldemar 1231 >Haelghaelandhus< erwähnte. Seefahrern zeigte Helgoland sich hilfreich und feindlich zugleich: Während die Insel bei Stürmen Schutz bieten konnte, wurden ihre Hippen und Untiefen zahllosen Schiffen zum Verhängnis. Treibgut gehörte jedenfalls dem Finder, und so betete man auch hier um einen »gesegneten Strande Deshalb werden kaum alle Insulaner 1630 die >Feuerblüse< begrüßt haben: Als offenes Kohlenfeuer über einem Steinsockel strahlte der Vorläufer des britischen Leuchtturms von 1810. Den Flak-Leitstand der Wehrmacht widmete man 1952 friedlichen Zwecken: Auf ihm leuchtet das Helgoländer Feuer, das stärkste der Deutschen Bucht.

In der Silvesternacht 1720/21 zerstörte ein schwerer Sturm den >Woal< (Wall), die Landverbindung zwischen Insel und der kleineren Düne (heute rund 0,7 km2), und trennte die jetzige Badeinsel vom Felsen. Schafzucht und Milchwirtschaft bildeten noch Mitte des 18. Jh. eine Lebensgrundlage der Insel, Fischfang kam hinzu und natürlich half den Bewohnern ihre gute Kenntnis des Seegebiets: Sie stellten um 1800 einen Großteil der Küstenlotsen und führten Schiffe sicher in Weser, Elbe und Eider. Den absoluten Höhepunkt seiner Wirtschaftsmacht erreichte Helgoland 1806-13 dank der Kontinen-talsperre, als der Schmuggel fast amtlich gefördert oder doch zumindest wohlwollend geduldet wurde. Mit der Gründung des Seebades leitete Jacob Andresen Siemens 1826 ein neues Kapitel der Inselgeschichte ein. Die Meeresbiologische Forschungsanstalt wurde 1892 gegründet, und seit 1910 untersucht die Vogelwarte Helgoland Routen der Zugvögel.

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