Die Karpfenstadt Reinfeld


Reinfeld von oben
Reinfeld von oben

Selten wird eine Kirche nach einem Schriftsteller benannt, doch in Reinfeld wählte man als Namenspatron den großen Sohn, der als Herausgeber des >Wandsbeker Boten< und Autor des Volksliedes >Der Mond ist aufgegangen< Berühmtheit erlangte: Matthias Claudius. Den Backsteinbau >seiner< Kirche – ausgestattet mit tief hängendem Altarkruzifix aus Alabaster (1739), Fürstenloge (1737) und barockem Orgel-Rückpositiv von Hinrich Hurdelmann (1636) – musste die Stadt 1636 als Ersatz für die ehemalige Zisterzienserkirche errichten, die der Gemeinde seit der Reformation für Gottes-dienste gedient hatte. Ende des 12. Jh. war das Zisterzienserkloster >Reinvelde< gegründet worden, die Fischteiche der Mönche prägen bis heute das Bild. Doch als der Damm des Herrensees brach, zerstörte die Wasserwelle außer der Klosterkirche auch Teile des Ortes. Das Pfarrhaus, in dem Matthias Claudius am 15. 8. 1740 das Licht der Welt erblickte, ist seit 1782 durch einen Neubau ersetzt. Dafür informiert das Heimatmuseum – im früheren Amtsgericht (Neuer Garten 9, 1881) – mit Löwen vom ehemaligen Schloss vor dem Mittelrisalit heute an Hand alter Erstausgaben und Handschriften über den Schriftsteller und die Geschichte von Kloster und Schloss. Johann Adam Soherr baute 1775 das ehemalige Forsthaus, neben dem sich Reste der mittelalterlichen Klostermauer erhalten haben. Das Rathaus entstand 1907 in neo-barocken Formen mit Laternentürmchen über dem geschweiften Giebel und der Friedenspumpe (1842). Die klassizistische Apotheke samt übergiebelten jonischen Säulen war 1817 als Schulhaus errichtet worden (Klosterstr. 5).