Eidersledts Mittelpunkt: Garding


Fast im Zentrum Eiderstedts liegt auf schmalem Geesthügel der einstige Hauptort des Landes Everschopp, eine von drei Inseln (außer Utholm und eben Eiderstedt), aus denen seit dem Jahr 1000 durch Eindeichen die jetzige Halbinsel gebildet wurde. Gottorfs Herzoge förderten den Ort 1575 mit dem Waageprivileg, 1590 erhielt er Stadtrechte. Gleich drei Patronen, St. Christian, Bartholomäus und Maria Magdalena, widmete man die stattliche Backsteinkirche des 12. Jh., eine seltene Form aus zwei Schiffen, mit erkennbaren Bauteilen romanischer und gotischer Zeit. Malereien der Gotik und Renaissance zieren die Wände. Auf die Anfänge verweisen die älteste erhaltene Renaissance-Kanzel des Eiderstädter Typs (1563), der go-tische Orgelprospekt aus Lübeck von 1512 mit bezaubernden Details wie Jägern mit Blasrohr oder Armbrust und einer Eule – er zählt zu den ältesten des norddeutschen Raums – und das eiserne Uhrwerk von 1512. Besonders kostbar ist aber der Renaissancealtar, dessen Flügel Marten van Achten 1596 bemalte und signierte. In Lübeck wurde das hölzerne Uhrenmännlein geschnitzt (um 1512). Nicht nur lokalgeschichtliches Interesse darf das prachtvolle Renaissance-Epitaph des Bürgermeister Nisz Schmidt dank seiner hervorragenden Ausführung beanspruchen (1630).

Als Sohn des Pfarrers wurde 1817 in Garding der Jurist und Historiker Theodor Mommsen (1817-1903) geboren. Die Theodor- Mommsen-Gedächtnisstätte (Norderring 15) erinnert unter anderem daran, dass der Gelehrte wegen seiner Haltung und Veröffentlichungen zur deutschen Erhebung 1848 zwei Jahre später seinen Lehrauftrag als Professor der Rechte in Leipzig verlor und erst 1852 im Züricher Exil wieder arbeiten konnte, bevor er als Abgeordneter des Reichstags erbitterter Gegner Bismarcks und des Antisemitismus von Heinrich von Treitschkes wurde, und schließlich 1902 für sein Hauptwerk, die >Römische Geschichte^ den Nobelpreis für Literatur erhielt, als erster Deutscher übrigens.

Garding
Garding

Den Stadtpark zieren außer der Mommsen-Büste von Heinrich Splieth (1911) moderne Kunstwerke wie die Bronzenen Vögel der Ruth Nossenheim (1987) oder eine Bodenplastik Naturkreislauf von Lothar Frieling. Schon 1857 ließ die Holländer-Windmühle Emanuel ihre Flügel rotieren.

Seit 1617 zeigt das Zifferblatt der Kirchenuhr, was die Stunde in Katharinenheerd geschlagen hat. Den Renaissanceflügelaltar bemalte wohl Govert van Achten (1617). Experten vermuten Hans Peper oder seinen Umkreis als Künstler der großartigen Spätrenaissance- Kanzel. Spätgotische Arbeiten sind dagegen die Triumphkreuzgruppe (1615), ein Christus im Elend und der berittene St. Georg (15. Jh.). Das üppig dekorierte Epitaph Schnei schuf wohl Claus Heim (1658) und ließ wahrscheinlich auch seiner Phantasie beim Epitaph Dresscher (1654) für St. Anna im benachbarten Tetenbüll freien Raum. Der spätgotische Backsteinbau ist natürlich älter als die charakteristische, lang hochgezogene Turmhaube mit Laterne (1841). Apostelgeschichte und Leben Christi lieferten genug Szenen für die eindrucksvolle Ausmalung der Balkendecke 1741. Spätgotische Formen verbindet der beeindruckende Schnitzaltar (1523) elegant mit Darstellungs- und Dekormotiven des frühen Barock. Das mächtige Triumphkreuz (um 1450) sowie Maria und Johannes (gegen 1620) grenzen den Chorraum vom Langhaus ab. Die Eiderstädter Renaissancekanzel wurde 1575 gefertigt. Löwen, Engelsköpfe und Evangelisten zieren die prachtvolle Sandsteintaufe (1596) aus Westfalen.

Über den vielleicht beeindruckendsten gotischen Schnitzaltar der Halbinsel verfügt St. Nikolai in Kotzenbüll. Unter niederländischem Einfluss schnitzte 1506 ein unbekannter Meister die pointiert, detailreich und individuelle Züge hervorhebend gestaltete vielfigurige Kreuzigung voll plastischen Lebens, flankiert von Passionsreliefs sowie einer Madonna im Strahlenkranz und einer Marienkrönung, umspielt von Kielbogenbaldachinen und reichem Rankenwerk. Um 1500 entstanden das gotische Chorgestühl, Sängerpult und Chorgitter mit gotischer Triumphgruppe, damals gelangte auch die Namurer Importtaufe aus Marmor in die Kirche. Nur wenig neueren Datums sind die Eiderstedter Kanzel und zwei Gemäldeepitaphien der von Achten-Werkstatt (Ende des 16. Jh.). Das neugotische Portal und die Modernisierung in neo-gotischem Stil 1857-59 durch Johann Friedrich Holm sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass mindestens die nördliche Tür seit der späten Gotik überdauert hat, als man 1488-95 das Langhaus errichtete und den Turm des 14. Jh. übernahm.

Nur wenige Herrensitze gibt es an der Westküste Schleswig-Holsteins. Gut Hoyerswort wurde im Stil der Renaissance in Oldenswort erbaut (16. Jh.). Wassergräben mit Sandsteinlöwen sichern den zweiflügeligen Bau mit polygonalem Treppenturm und Schweifgiebeln. In den Ferienwohnungen kann man sich als >Schlossherr auf Zeit< fühlen, die Scheune in Haubargform wurde behutsam modernisiert. Eine interessante Interpretation der Christophorus-Legende bildet das spätgotische Fresko an der Nordwand der Kirche zu Oldenswort. Wie die anderen Wandgemälde wurde es Ende des 15. Jh. in den noch feuchten Putz gemalt, als man die Kirche des 13. Jh. verschönte. Bedeutender ist freilich der Flügelaltar der Renaissance mit seinen Gemälden des Marten van Achten (1592). Auch die übrigen Kunstwerke gehören dem 16. Jh. an: die Sandsteintaufe mit ihrem feinen Maßwerk, die Kanzel mit Kastengestühl, das Rückpositiv der Orgel. An den 1855 in Riep, das heute zu Oldenswort gehört, geborenen Begründer der Soziologie und Philosophen Ferdinand Tönnies, seit 1909 Professor in Kiel, bevor er 1933 entlassen wurde und 1936 verstarb, erinnert heute das Denkmal in der kleinen Anlage, ein weiteres an Tusnelda Kühl (1872-1935), hier als >Dichterin der Marschen< geschätzt.

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