Fast ein Kontinent zwischen Belt und Sund: Fehmarn 3


Mitte des 13. Jh. schichtete man behauene Feldsteine zum Langhaus von St. Johannis in Bannesdorf auf. Aufwändig ist der eingezo- gene Kastenchor aus Backsteinen außen mit architektonischen Details wie Ecklisenen, Rundbogenfries, Stromband und Kreuzblende gestaltet; in seinem Inneren haben sich Reste spätgotischer Wandbilder (Gregorsmesse, hl. Hieronymus und Bischof) erhalten. Aus der Erstausstattung stammt noch die gotländische Kalksteintaufe. Den ehemaligen Rokokoaltar (1777) von Johann Heinrich Mittelhäuser mit Säulen und Putten rückte man an die Südwand; jüngeren Datums ist die Kreuzigung, sie wurde erst 1890 gemalt. Wohlhabende Bauern taten es dem Adel gleich und ließen sich reich verzierte Logen an die Schiffsnordwand montieren. Der rechteckige Glockenturm wurde 1701 aus Holz gezimmert.

Unweit des Seezeichens Marienleuchte auf dem Ohlenborgs Huk pendeln vom Fährbahnhof Puttgarden die Schiffe im Stundentakt nach Rödby Havn auf Lolland – auch wenn man keine Überfahrt buchen will, ist der Anblick schon beeindruckend, wie Eisenbahnzüge, Lastwagen und Autos mühelos hinter den weit geöffneten Klappen im Rumpf der Fähren verschwinden. – Bei Gammendorf erinnern ein Findling und ein Schiffsmast an den tragischen Untergang des Segelschulschiffs >Niobe< 1932, damals fanden 69 Besatzungsmitglieder den Tod.

St. Johannis Kirche in Petersdorf
St. Johannis Kirche in Petersdorf

St. Johannis in Petersdorf ist ein stattlicher, gewölbter Backsteinbau; die zweischiffige, frühgotische Halle des 13. Jh. hatte man im 15. Jh. nach Süden erweitert. Schon seit der Anfangszeit steht die gotländische Kalksteintaufe hier, ab 1779 unter einem hölzernen Deckel mit triumphierendem Christus. Das besondere Schmuckstück der Kirche ist aber ein kostbarer Dreiflügel-Schnitzaltar der späten Gotik um 1390 lübischer Herkunft, Stil und Technik verraten ungeklärte Einflüsse von Meister Bertram, der den ehemaligen Hauptaltar von St. Petri in Hamburg gestaltete; es handelt sich um eines der bedeutendsten Werke gotischer Altarkunst Schleswig-Holsteins. In der oberen Reihe steht Maria mit Kind inmitten der Apostel, jeweils unter Maßwerkbaldachinen, unterhalb dieser – bis auf die Muttergottes – reinen Männerreihe finden sich 13 Frauenbüsten. Prunkvoll ist die goldbetonte, weitgehend ursprüngliche Farbfassung. Einmalig hierzulande ist auch das hohe, spätgotische Sakramentshaus in Gestalt eines Turms. Relieffiguren Christi, der Muttergottes und Heiliger, sowie eines vollplastischen, segnendes Bischofs zieren die Geschosse.

An der Westküste bietet das Wasservogelreservat Wallnau die seltene Gelegenheit von Beobachtungsständen aus, ohne die Vögel zu stören oder von ihnen überhaupt wahrgenommen zu werden, quasi an ihrem Familienleben teilzunehmen. Rund 250 Vogelarten sind in Deutschland bekannt, etwa 240 davon wurden bislang innerhalb dieses Schutzgebietes angetroffen. – Einem Fehmarner Kornhändler und Schiffsreeder verdankt die Insel eine weitere Sehenswürdigkeit. Joachim Rahleff ließ 1787 in Lemkenhafen eine Segelwindmühle errichten, einen Galerieholländer mit Zwickstell; die Segel kann man je nach Windstärke setzen oder reffen. In Betrieb war die Mühle bis 1953, wurde restauriert und dient seit 1961 als voll funktionstaugliches Mühlenmuseum.

Als eigentümlich gedrungene Backsteinhalle dreier Schiffe aus dem Übergang von der Spätromanik zur frühen Gotik entstand Mitte des 13. Jh. St. Petri in Landkirchen. Dass der Chor nachträglich im 14. Jh. um schmalere Seitenschiffe erweitert wurde, lässt sich außen an der Ostwand gut erkennen. Auf die Bedeutung der Kirche weist schon der Ortsname hin. Bis 1867 tagten hier die Landesversammlungen der Insel, die zentrale Kirche diente zugleich als Verwaltungszentrum. Das dokumentiert noch heute der Landesblock, eine Archivtruhe aus Eiche mit Eisenbändern und drei Schlössern, die nur von den drei Kirchspielkämmerern gemeinschaftlich zur Mittagsstunde geöffnet werden durfte. Wichtige Unterlagen bewahrte man seit dem 1326 bestätigten Fehmarner Landrecht darin auf. Von den vier Kirchen Fehmarns ist diese am reichsten ausgestattet. Offenbar ließ sich der lübische Meister Georg Friedrich Brusewind 1715 von dem im Krieg stark beschädigten Marmoraltar (1696/97) des Thomas Quellinus in der Lübecker Marienkirche anregen, als er den hölzernen Architekturaufbau des spätbarocken Altars für St. Petri entwarf. Korinthische Doppelsäulen mit Tugenden (Glaube und Hoffnung) und Allegorien (Vergänglichkeit und Ewigkeit) sowie ein bekrönender Salvator, Putten, Engel und allerlei Zierrat flankieren eine gemalte Maria Magdalena unter dem Kreuz, hinter einem zierlichen gotischen Altarkreuz aus dem 14. Jh. Etwa zu dieser Zeit wird ein unbekannter Meister die gotische Kreuzgruppe des kleinen Flügelaltars geschnitzt haben, dessen Flügelgemälde Legenden des Wahren Kreuzes und des hl. Cosmas wiedergeben. In prunkvollem Spätbarock prangt die Kanzel (1727). Die Kardinaltugenden der Antike: Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung an der Treppe führen zu den christlichen Tugenden rings um den Korb: Hoffnung, Nächstenliebe, Glaube und Unterwerfung, mit dem Schmerzensmann in der Mitte. Reiche und vielfältige Dekorationselemente, Putten und Engel an Tür, Aufgang, Emporenkorb und Deckel heben die Bedeutung der Predigt zusätzlich hervor. Fünf thematisch verwandte Reliefs zieren die Schranke der pokalförmigen barocken Sandstein taufe (1735) unter dem Deckel mit Engelsfigur. Noch aus dem 15. Jh. stammt das früher 12-sitzige Chorgestühl für die Landvögte, Kämmerer und Geistlichen. Zur Barockzeit fasste man die lebensgroße Kreuzgruppe des 15. Jh. in neuen Farben. Im 15. Jh. entstand die spätgotische Doppelmadonna im Strahlenkranz in einer mandorla- förmigen Bügelkrone als Leuchter. Stattlich sind auch Bauernlogen aus der Mitte des 18. Jh. durch Malereien und Schnitzwerk gestaltet. Das Gestühl der Mackeprang-Wittschen Vetternschaft von 1580 durfte bis 1926 von anderen Kirchenbesuchern nicht betreten werden. Eine Besonderheit stellen die zahlreichen beschnitzten Betschemel des 16. bis 18. Jh. dar. Von den beiden Dreimastern gilt der > Adler von Lübeck< mit seinen zwei Batteriedecks aus dem Jahr 1618 als ältestes deutsches Schiffsmodell in einer Kirche, die >Einigkeit< wurde 1841/42 von Lemkenhafener Schiffern und Fischern auf ihren kleinen Kiel gelegt. Eindrucksvoll zeigen die modernen Buntglasfenster von Klaus Bönninghausen Petri Fischzug und ein Symbol der Taufe (1974).