Fast ein Kontinent zwischen Belt und Sund: Fehmarn


»Wi föhrt na Europa« – so hieß es früher, wenn die Fehmaraner aufs Festland übersetzten, man fühlte wie auf einem anderen Kontinent. Dank ihrer Fläche von 185 km2 ist Fehmarn zwar die größte Insel Schleswig-Holsteins (zum Vergleich: Sylt weist 99 km2 auf, Föhr 82 km2), aber deutlich kleiner als die östliche >Nachbarin< Rügen (926 km2) oder das dänische Lolland (1241 km2), wo die Fähre aus Puttgarden nach 19 km und etwa einer Stunde Fahrzeit in Rodby Havn anlegt. Bis zu 29 m ragt die Insel Fehmarn über dem Meeresspiegel auf und erreicht ihre größte Ausdehnung zwischen Süd- und Nordseite mit 13 km, während die Ost-West-Achse immerhin 16,5 km misst. Obwohl die reine Küstenlinie nur 78 km beträgt, muss 90 km zurücklegen, wer die Insel per pedes oder auf dem Stahlross umrunden will. Außer der reizvollen >Inselhauptstadt< Burg gibt es 42 (!) Dörfer. Fehmarn zählt zu den sonnenreichsten (gut 1920 Sonnenstunden pro Jahr) und zugleich regenärmsten (511 mm Jahresniederschlag) Regionen der Bundesrepublik – das können Meteorologen aufgrund jahrzehntelanger Messungen nachweisen.

Südstrand von Fehmarn
Südstrand von Fehmarn

Stolz sind die Fehmaraner darauf, dass sie über Jahrhunderte ihre Freiheit zu bewahren vermochten, der schleswig-holsteinische Adel konnte sich hier nie richtig festsetzen. Deshalb gibt es hier auch keine prächtigen Herrenhäuser neben armseligen Landarbeiterkaten, sondern stattliche Bauernhöfe. Bewirtschaftet wurden die mit Hilfe wandernder Landarbeiter. Haupterwerbszweige sind heute nach dem Fremdenverkehr Landwirtschaft und Fischerei, Handwerk und Handel. Im Mittelalter prägte die Grenzlage, die Konkurrenz zwischen Lübeck und Dänemark, das Leben auf Fehmarn. Während Burg lübisches Stadtrecht genoss, galt ringsum dänisches Landrecht. Daher trat die Landesversammlung der Insel bis 1867 in Landkirchen zusammen, erst mit der Eingliederung Schleswig-Holsteins als preußische Provinz entwickelte sich Burg zum Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum.

Schon zur Jungsteinzeit vor 5000 Jahren muss es auf Fehmarn eine relativ dichte Besiedlung gegeben haben, darauf deuten zahlreiche Funde und auch Hünengräber hin. Um 700 kamen Polaben, ein slawischer Stamm, auf die Insel und nannte sie >Vermorje< – im Meer gelegen. Kreuzzugartig wurde Fehmarn im 12. Jh. aus zwei Richtungen christianisiert, wurden die Bewohner vertrieben, erschlagen oder getauft: aus dem Bistum Odense von dänischer Seite und durch deutsche Kolonisten vom Festland her. Fehmarn wurde dänisches Krongut, bis auf Burg und Lemkenhafen, die als Hafenstädte unter lübischem Einfluss blieben. Ganz geklärt waren die Besitzverhältnisse offenbar nicht, deshalb eroberte der dänische König Erich von Pommern 1420 die Insel und richtete ein Blutbad an, nur drei Fehmaraner sollen damals überlebt haben. Doch schon 1435 sah sich die dänische Krone wirtschaftlich in Bedrängnis und verpfändete die gesamte Insel an Lübeck.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg kehrte damit Ruhe ein, bevor die Schweden in der Schlacht bei Marienleuchte 1644 Fehmarn für kurze Zeit eroberten und dann wieder von den Dänen besiegt wurden. Gemütlichere Tage verlebten die Fehmaraner ab der 2. Hälfte des 18. Jh., eine volksmündliche Überlieferung hat dafür den schönen Namen >Vollbukstied< – Vollbauchzeit – gefunden. Die reichen Bauern blieben unter sich und sorgten dafür, dass frei werdende Ländereien von Einheimischen gekauft wurden, Fehmarn wurde zur Kornkammer Schleswig-Holsteins – eine >Bauernrepublik< mit weitgehender Selbstständigkeit, jedenfalls bis Preußen die Insel 1867 dem Kreis Oldenburg eingliederte.

Vom Reichtum der Bauern zeugen die vier großartigen alten Kirchen. »Burg hat die größte, Petersdorf die höchste, Landkirchen die feinste und Bannesdorf die kleinste«, sagen die Fehmaraner nicht ohne Stolz. Der 64 m hohe Turm von St. Johannis in Petersdorf war bis zu 20 Meilen weit über See zu erkennen und diente Schiffen als Tagesmarke zur Orientierung, während eine Reihe von Leuchtfeuern auch nachts vor der Küste warnte, meist auf den >Huk< genannten Landzungen: bei Strukkamp, Flügge, Westermarkelsdorf, der Turm Marienleuchte und der von Staberhuk.