>Graue Stadt< mit Krokussen: Husum 3


Das Schloss vor Husum

Krokusse, ein Meer aus Blüten, bilden Ende März/Anfang April eine der Attraktionen Husums. Sie umgeben im Park das 1577-82 in Formen der niederländischen Renaissance erbaute Schloss, eine Nebenresidenz der gottorfischen Herzoge. Wer den Weg vom Markt durch das Alte Rathaus und den Schlossgang genommen hat, erkennt spätestens beim Überqueren der Schlossstraße, dass es vor der historischen Altstadt von Husum liegt, auf früherem Klostergelände. Unverkennbar ist architektonische Verwandtschaft mit dem kurz zuvor errichteten Schloss in Reinbek. Vom reichen Renaissancedekor der Giebel, Treppentürme und Dacherker blieb wenig, als man das Schloss 1752 zum Amtshaus umbaute und barock modernisierte; damals wurden die Obergeschosse der Seitenflügel wie auch die Nebengebäude abgetragen. Vom alten Glanz künden noch prunkvolle Kamine, drei von ihnen gestaltete Henning Heidtrider (1616), und einige alte Möbel. Die ehemalige Schlosskapelle wurde 1982 wieder hergestellt, der Silberaltar des A. von Horn (1620) befindet sich in Kopenhagen. Eine Ahnung von der einstigen Renaissance-Pracht vermittelt noch das äußere Torhaus an der Südseite, ein geweißter Backsteinbau mit geschweiften Volutengiebeln, Gesimsen und Dekor aus Sandstein, wohl von Henning Heidtrider (1612). Doppelpilaster flankieren die Durchfahrt, tragen Athene und Venus über vollplastischen Kriegerköpfen. Heute dient das Schloss als Kulturzentrum des Kreises vielfältigen Zwecken. Im Schloss wurde 1871 die Schriftstellerin Franziska Gräfin von Reventlow geboren, sie starb 1918 bei Locarno. Die bronzene Storm-Büste von Adolf Brütt im Schlosspark erinnert seit 1898 an den Dichter.

Schloss vor Husum
Schloss vor Husum

Einheimische Künstler, wie der in Husum geborene Bildhauer Adolf Brütt (1855-1939), finden sich natürlich auch im Nord-friesischen Museum Nissenhaus vertreten, einem expressionistischen Klinkerbau mit Eingangsrisalit unter drei hohen Halbrundgiebeln von Georg Rieve, zu dem Alwin Blaue die Baukeramik beisteuerte (1935-37, Herzog-Adolf-Str. 25). Den bronzenen Klabautermann davor schuf Walter Rössler. Dokumente und alte Karten, Fotos und Modelle veranschaulichen das jahrhundertealte Miteinander von Mensch und Natur, bei dem die See oft genug Oberhand behielt, von der so genannten >großen Kimbrischen Flut< um 340 v. Chr. über die Flut, die 1287 zur Entstehung des Dollarts bei Emden führte, oder die >Mandränken< von 1362 und 1634 bis zu den Sturmfluten 1961, 1962 und 1976. Die Entwickung des Deichbaus steht dabei natürlich im Vordergrund, vom mittelalterlichen >Stackdeich< aus Eichenstämmen, der aus Originalfunden rekonstruiert wurde, bis zum modernen, maschinell errichteten Schutzwall oder dem Eidersperrwerk von 1973. Immer wieder haben die hiesigen Maler eindrucksvoll den Kampf der Menschen mit den Elementen dargestellt, wie etwa Alex Eckener eine >Halligwarft in der Sturmflut^ Am Ende des Binnenhafens liegt das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland (Zingel 15). Die Kunst, Holz- und Stahlschiffe zu bauen, bildete eine der Lebensgrundlagen an der Nordseeküste.

Von weitem schon erkennt man die kleine Feldsteinkirche in Schwesing auf ihrem Hügel, der romanische Bau entstand wohl gegen 1200, aus dieser Zeit stammt noch die Granittaufe. Der gotische Schnitzaltar birgt eine figurenreiche Kreuzigung (um 1470). Als Außenlager des KZ Neuengamme wurde das Lager Schwesing eingerichtet. Die KZ-Gedenkstätte Schwesing erinnert daran, dass von 2500 Menschen aus 14 Ländern mehr als 300 an Misshandlungen und Unterernährung starben. Hoch über dem Geestrand liegt die Backsteinkirche von Viöl aus dem 13. Jh., der Feldsteinbau der Kirche von Olderup entstand bereits im 12. Jh. Schiffern diente der gedrungene, frühgotische Backsteinbau des Kirchleins von Schobüll wegen seiner erhöhten Lage auf dem Geestrand als Seezeichen.

Nachdem Alt-Nordstrand bereits in der >Mandränke< 1362 weite Teile und den Haupthafen Rungholt verloren hatte, wurde der Rest 1634 in die größeren Inseln Nordstrand und Pellworm sowie mehrere Halligen zerrissen. Heute erreicht man Nordstrand problemlos über einen 4 km langen Damm. Außer der Alten und der Neuen Kirche auf Pellworm überstand nur St. Vinzenz von Odenbüll als mittelalterlicher Backsteinbau (im Kern aus dem 13. Jh.) die Flutkatastrophen. Die figurenreiche Kreuzigung des gotischen Schnitzaltars, ein Triumphkreuz und die Marmortaufe gehören zur Ausstattung des 14. Jh. Mitte des 17. Jh. kamen Deichbauer aus Holland und Brabant, um Nordstrand nach der Sturmflut wieder zu befestigen. Für sie errichtete man 1662 die Altkatholische Theresien- kirche in Süden mit angebautem reetgedecktem Pfarrhaus. Das Altargemälde aus der Erbauungszeit zeigt den Gekreuzigten. Seit 1891 besteht die Windmühle. Vom Hafen Strucklahnungshörn aus verkehren regelmäßige Autofähren nach Pellworm.

Ab etwa 1200 entstand der dreifach gestaffelte spätromanische Backsteinbau von St. Marien in Hattstedt. Dominant leuchtendes Gold hebt die figurenreiche Kreuzigung des gotischen Schnitzaltars unter Maßwerkbaldachinen und einem breiten Laubwerkkamm hervor (15. Jh.). Die Bronzetaufe goss L. Karsten nach der Form des Hu- sumer Vorbilds (1647). In prachtvollem Knorpelbarock gestaltete Claus Heim die Kanzel (1641), während das gotische Triumphkreuz noch dem 15. Jh. angehört. An den friesischen Brauch des Ringreitens erinnert die moderne Plastik von Günther Skrodzki im Ort. Als >KeIlerhoIländer< errichtete man 1806 die Windmühle Fortuna in Strukkum. Feldsteine dienten der Gemeinde von Dreisdorf um 1200 dazu, ihre spätromanische Kirche zu erbauen, in reich verzierten Renaissanceformen entstanden gegen 1600 Altar und Kanzel. Aufwändig mauerte man als stattlichste spätromanische Backsteinkirche im Landesteil Schleswig zu Beginn des 13. Jh. den einschiffigen Bau von Breklum. Dem 14. Jh. verdankt er die gotländische Kalksteintaufe, Triumphkreuz und Kruzifix sowie einen sitzenden St. Olaf über dem besiegten heidnischen König (15. Jh.), während Claus Gabriel die prunkvolle Barockkanzel schnitzte (1646), und Wilhelm Buchholtz rund 100 Jahre später den Altar schuf. Zur späten Gotik weihte man in Bredstedt den Backsteinbau St. Maria und St. Nikolaus. Der frühere Altaraufsatz und eine schöne Holztaufe des Ringering-Umkreises entstanden im späten 16. Jh., Claus Gabriel gestaltete die aufwändige Kanzel in frühbarocken Formen. Über charakteristische Landschaftsformen der Region, Geest, Marsch und Moor, Wattenmeer oder Halligen, informiert das Naturzentrum Nordfriesland in Bredstedt (Bahnhofstr. 23).

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