Handelsknotenpunkt mit Tradition: Neumünster 2


Als barocker Backstein-Zentralbau in Form eines Oktogons besticht die 1769-71 in Großenaspe von Johann Adam Richter erbaute Katharinenkirche, eine Inschrift über dem Portal des Turms mit Haube und hohem Spitzhelm weist auf die Stifterin hin: Katharina II. von Russland. Offenbar hat die wenig ältere Rellinger Kirche von Cai Dose die Gestalt beeinflusst. Den kargen Innenraum zieren der spätbarocke Kanzelaltar mit seitlichen Logen und ein Kruzifix der frühen Gotik (um 1260). – Seit 1533 erhebt Ritter Roland als Symbolfigur freien und gerechten Handels sein Schwert auf dem langen Markt von Bad Bramstedt. Nach ersten Standbildern aus Holz errichtete man 1693 den steinernen, im Kostüm eines römischen Kriegers. Am Zusammenfluss mehrerer Auen wuchsen die Siedlungskerne zusammen: der ältere um die Kirche im Norden aus der Zeit der sächsischen Landnahme des 4./5. Jh. und der südliche aus dem 15. Jh. am alten Ochsenmarkt Bleek. Auch hier trafen sich Handelswege: Zwischen Lübeck und der Elbe via Itzehoe sowie zwischen Hamburg und Flensburg. Von der stattlichen Hofanlage mit Herrenhaus, die König Christian IV. von Dänemark 1635 seiner Frau >zur linken Hand<, der im Nachbarort geborenen Wäscherin Wiebke Kruse, schenkte, existiert nur mehr das Torhaus, aber auch das ist ansehnlich genug. Zwölf Fensterachsen misst der zweigeschossige Backsteinbreitbau – und wird daher mit einigem Recht >Schloss< genannt. Zeitweilig residierte hier der Amtmann, heute dient es dem Magistrat und als Kulturzentrum. – St. Maria-Magdalena entstand als Backsteinsaalbau im 14. Jh. über Fundamenten einer romanischen Wehrkirche. Drei Jünglinge tragen die frühgotische Bronzetaufe des 13. Jh. Den gotischen Schnitzaltar der Erbauungszeit veränderte man 1625, als die Predella mit Abendmahlsdarstellung, gemalte Passionsszenen und ein Aufsatz der späten Renaissance hinzugefügt wurden und die Renaissancekanzel entstand. Die Triumphkreuzgruppe des 15. Jh. und die wenig jüngere Maria Magdalena weisen Merkmale gotischer Kunst auf. Biblische Motive behandeln die Emporenbilder des 17. und 18. Jh. In Bad Bramstedt wurde 1750 übrigens der Lyriker, Erzähler und Homer-Übersetzer Friedrich Leopold Graf zu Stolberg geboren.

Kirche von Stellau
Kirche von Stellau

Gegen Ende des 12. Jh. entstand die schlichte romanische Feldsteinkirche von Stellau nahe Wrist, spätgotisch sind noch die Sandsteintaufe, Weihwasserbecken, Kanzel (mit jüngerer Bemalung), Kreuzgruppe und Bischofsfiguren (16. Jh.). – Mitte des 11. Jh. wird Kellinghusen genannt, damals wohl eine Handwerkersiedlung mit Kirche. Sicher bekunden Dokumente, dass der dänische König Christian VI. dem Ort in der Störniederung 1740 die »Fleckengerech- tigkeit< zubilligte, die Preußen 1870 zum Stadtrecht erweiterte. Der große einschiffige Feldsteinbau des 13. Jh. von St. Cyriakus be-herrscht von seinem Geesthang aus das Bild und musste nach einem Brand (1929) weitgehend erneuert werden. Berühmt wurde Kellinghusen seit der Mitte des 18. Jh. wegen seiner sechs Fayencemanufakturen, die reiche Tonvorkommen begünstigten. Indem man Keramik mit einer weißen Glasur versah, stellte man ein Produkt her, das mit feinem Porzellan nach chinesischem Vorbild konkurrieren konnte. Eine vorzügliche Auswahl davon mit elegantem Dekor und in filigranen Formen zeigt das Museum Kellinghusen (Hauptstraße 18). Vom Aussichtsturm auf dem Louisenberg (1858) kann den Blick weit schweifen lassen, über die Störniederung bis zur Elbe, wer den Schlüssel leiht: unterhalb in der Gaststätte >Louisenberge Wesentlich älter als das neugotische Backsteinschiff (1880) von St. Michael zu Kaltenkirchen ist der mit Ziegeln verblendete spätromanische Rundturm des ursprünglichen Feldsteinbaus. In schmuckem Fachwerk dient das reetgedeckte Bürgerhaus mit holzverkleidetem Giebel zu kulturellen Veranstaltungen aller Art (Friedenstr./Ecke Hamburger Str.). Als eines der bedeutendsten Herrenhäuser des Rokoko entstand der schlossartige Ziegelbreitbau von Börstel 1751, die Hofseite liegt zwischen polygonalen Eckpavillons, während ein schrägseitiger Mittelrisalit die Gartenfront auflockert. Der rechteckige Backsteinsaalbau des 16. Jh. der Kirche zu Sülfeld lässt deutlich ältere Mauerpartien erkennen, reich mit Schnitzwerk verziert prangen die Gestühlskästen und Gutslogen im Inneren (17. und 18. Jh.). Die oktogonale Backsteinkirche von Brande-Hör- nerkirchen des Cai Dose von 1752 wurde nach einem Brand 1936 vereinfacht erneuert. Johann Gottfried Rosenberg konzipierte den Backsteinsaalbau von St. Nikolaus in Hohenfelde mit Ausstattung der Erbauungszeit (1767) und war auch am Bau von St. Jürgen in Horst durch Wilhelm Bardewiek beteiligt (1768-71), mit Deckengemälden des Hans Heinrich Morthorst; beides Kirchen in Formen moderaten Barocks.

Als ein gewisser Henricus, advocatus de Barmizstide, 1148 seinen Namen für eine Urkunde zu Pergament gab, bezeugte er damit zugleich der Nachwelt die Existenz des Ortes der Ritter von Barmstedt. Den ehemaligen Burgplatz Barmstedt-Rantzau bildet in der aufgestauten Krückau die durch einen Ringwall gesicherte Insel. Malerisch fügt sich das Ensemble aus dem ehemaligen >Schloss< – 1806 für den königlich dänischen Verwalter anstelle einer Wasserburg errichtet Amtsgericht (1863, inzwischen Museum der Grafschaft Rantzau), Gerichtsschreiberhaus (1826), Gerichtsdienerhaus (1836) und Wassermühle in die reizvolle Landschaft. Das Museum widmet sich der Vor- und Regionalgeschichte. Den barocken Back-steinsaal der Heilig-Geist-Kirche errichtete Johann Lorenz Nerger 1718, der ummantelte Rundturm stammt noch vom romanischen Feldsteinbau. Die Deckenmalerei des Hans Heinrich Morthorst und die Ausstattung entstanden zur Erbauungszeit, hübsch ist die von Putten getragene Taufe, der Altar variiert mit ländlichen Mitteln jenen Typ, den Thomas Quellinus für Lübecks Marienkirche schuf. Als Sohn des Pastors wurde 1815 in Barmstedt Matthäus Friedrich Chemnitz geboren. Ihm verdankt das Land die recht vaterländischen Verse des >Schleswig-Holstein-Liedes<:
»Schleswig-Holstein, meerumschlungen/ deutscher Sitte hohe Wacht,/ wahre treu, was schwer errungen/ bis ein schön’rer Morgen tagt./ Schleswig-Holstein, stammverwandt,/ wanke nicht, mein Vaterland…«

Man stimmte die insgesamt sieben Strophen nach der Melodie von Carl Gottlieb Bellmann erstmals 1844 auf dem Sängerfest zu Schleswig an, das Lied avancierte rasch zur >Nationalhymne des Nordensc An der Stelle eines Fachwerkbaus des 16. Jh. errichtete Christian Friedrich Hansen 1809 die klassizistische Backsteinsaalkirche von Quickborn, gleich einem antiken Tempel umrahmen übergiebelte Säulen den Kanzelaltar. Großzügig umgibt die Außenanlage mit Wasserspielen den 1978 errichteten Rathauskomplex.