Heringsfang mit Tradition: Kappeln


Als Wahrzeichen von Kappeln erhebt sich die 1888 erbaute mehr als 30 m hohe Holländer-Windmühle Amanda auf einem Hügel, mit neun Stockwerken die höchste des Landes (Schleswiger Str. 1). Ihr Flügelkreuz hat einen Durchmesser von 23 m. Früher sah man vom Rundgang, dem Zwickstell, nicht weniger als 15 Windmühlen in der Umgebung, leider existieren viele nicht mehr. Herrlich ist der Panoramablick aber noch immer, ein kleines Museum, die Tourist-Infor¬mation und das städtische Trauzimmer sind in der Mühle untergebracht.

Im 14. Jh. erstmals urkundlich erwähnt, verdankt die Stadt ihren Namen einer Schifferkapelle, an deren Stelle St. Nikolai (nach dem Schutzheiligen der Fischer und Seeleute) oberhalb des steilen Abhangs zur Schlei getreten ist. Der spätbarocke Backstein-Saalbau wurde 1793 nach Entwürfen von Johann Adam Richter (einem Schüler von Ernst Georg Sonnin) ausgeführt, daran erinnert die Wetterfahne mit der Figur des Christophorus als Patron der Fährleute und Furtengänger. Das Äußere ist elegant gegliedert: An den Enden dreiseitig geschlossen, Pilaster betonen die Horizontale, dreiachsige Risalite treten aus den Längswänden hervor. Den Turm mit gerundeten Ecken schließt eine schlanke Laterne auf der vierseitigen Kuppelhaube ab – berechnet auf die Fernwirkung über die Schlei. Im Innenraum manifestiert sich der Übergang von spätem Barock zu klassizistischen Formen, unter dem Muldengewölbe schaffen Emporen Platz und richten den Kirchenraum auf den Chor hin aus: An den Mittelrisalit erinnert die Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel. Hans Gudewerdt d. J. hatte seinen Altar 1641 für den Vorgängerbau geschaffen, für die neue Kirche wurde das Werk zerlegt und farbig übermalt. Seit 1793 dient die Abendmahlsszene als Altarbild, Moses und Johannes d. T. fanden ihren Platz auf dem Schalldeckel der Kanzel; neu arrangiert steht der Rest nun an der Nordwand. Der Meister des Ahrenstorfschen Gruftportals (Schleswiger Dom) gestaltete auch das Epitaph für Detlef von Rumohr (f 1678).

Amanda Windmühle- Wahrzeichen von Kappeln
Amanda Windmühle – Wahrzeichen von Kappeln

Auf schöne Bürgerhäuser aus Fachwerk und Ziegeln trifft man beim Rundgang durch die Fußgängerzone der Altstadt. An der Reeperbahn – nach den Werkstätten der Reepschläger, die Taue und Seile für Segler fertigten – Nr. 2 liegt das Rathaus; Johannes Otzen errichtete den eingeschossigen Breitbau samt Zwerchhaus 1869/70 als Realschule, Gunnar Seidel gab ihm 1986 ein modernes Pendant. Von der 1767 aus Backsteinen gemauerten Friedhofskapelle blieb nach der Erweiterung 1965 vor allem der Giebel an der Straßenfront mit rustizierten Pilastern und Fensterblenden. Als technisches Denkmal von Interesse führt die Drehbrücke (1927) in den Stadtteil Ellenberg, verbindet Angeln mit Schwansen. Von der Straße Fähr- berg aus verkehrten einst Boote über die Schlei, bevor 1867 eine Pontonbrücke eingerichtet wurde, nach dem Vorbild preußischer Truppen 1864. Von der Brücke aus kann man eine besondere Sehenswürdigkeit hervorragend erkennen: die Heringszäune. Durch enormen Fischreichtum begünstigt, war es seit dem Mittelalter möglich, Heringe mit fest installierten Gattern zu fangen: Meterlange, in den Boden gerammte Pfähle mit Weidengeflecht; im Grunde handelt es sich um überdimensionale Reusen. Erwähnung fand der Ellenber-ger Heringszaun erstmals 1482, nicht weniger als 38 Fischereizäune zählte man 1648 in der Schlei. Als letztes in Europa erhaltenes Kulturdokument dieser Art wurde die Anlage in den 1980er-Jahren restauriert.

Wie bedeutend Fischveredelung und Konservierung durch Räuchern, nicht nur von Heringen, sondern auch von Makrelen, Sprotten, Schillerlocken und Heilbutt, für die Wirtschaft der Stadt sind, kann man an drei Ziegelschornsteinen erkennen, die mit drei Buchstaben verziert sind. Kein modisches Firmenkürzel, hier dient ein Fischname der Werbung: A – A – L.

Apropos Rauch: Direkt am Hafen liegt der Bahnhof der Museumseisenbahn. Seltene alte Loks – mit wie ohne Schlepptender, einige aus Skandinavien -, Triebwagen und historische Waggons lassen auf der Kreisbahnstrecke nach Süderbrarup Schienenromantik wieder lebendig werden. Vom Anleger des Hafens stechen zur Saison >Butterdampfer< in die Ostsee, oder man kann Schiffe zu Schlei-Rundfahrten entern. Dass die Geschichte der Stadt stets eng mit Fischerei und Seefahrt verbunden war, belegen eindrucksvoll die maritimen Sammlungen im Schlei-Museum (Mittelstr. 7-8). – Im Hafen des lieblich auf einer Halbinsel am Ufer der Schlei gelegenen Fischerortes Maasholm mit seinen gut erhaltenen Häusern und Katen machen Freizeitkapitäne ihre Boote fest. Durch Ellenberg, vorbei an der Auferstehungskirche – 1968 in der klaren und kantigen Formensprache der Moderne von Otto Andresen entworfen -, führt der Weg zum Gut Olpenitz am Südufer der Schlei, schon 1285 wurde eine Burg >Ulpenaes< genannt. Dem breiten, zweigeschossigen Herrenhaus (Anfang 18. Jh.) aus Backsteinen mit angedeutetem Mittelrisalit sieht man dank der zum Teil erhaltenen Wasserzüge diese Vergangenheit noch an. Herren der Stadt Kappeln waren aber die Besitzer des Gutes Roest, im 16. bis 18. Jh. die Familie von Rumohr. Schon 1231 erwähnt, heute eine ländliche Idylle, entstand das Herrenhaus im 16./17. Jh. aus zwei Backsteinbauten auf einer Insel. Ende des 18. Jh. erwarb Prinz Carl zu Hessen-Kassel den Besitz und hob die Leibeigenschaft der Landarbeiter auf.

Frühe Quellen erwähnen bereits ein Gut >Gyaelthing<, Spuren wesentlich älterer Besiedlung lassen sich in jungsteinzeitlichen Grabanlagen wie dem Pinkhyberg bei Lehbek nachweisen. Doch erst der jetzige Name Gelting erinnert an ein märchenhaftes Lebensschicksal. Als Abenteurer und Kaufmann hatte der Barbierlehrling Sönke Ingwersen, ein Bauernsohn aus Langenhorn in Nordfriesland, im Dienst der Ostindienkompagnie zu Batavia gut verdient und es schließlich bis in den Rang eines Gouverneurs auf Java gebracht. Reich geworden, plagte ihn Heimweh. Deshalb kehrte er zurück und erwarb 1758 das (1231 erstmals genannte) Gut Gelting. Im folgenden Jahr adelte ihn der dänische König zum Baron von Gelting, der deutsche Kaiser nahm ihn 1777 in den Reichsfreiherrnstand auf. Seinen Vornahmen hat Ingwersen selbst zu Seneca veredelt; Adel verpflichtet … Die mit Wasserzügen, Wällen und Bastionen noch recht wehrhafte Hofanlage des Mittelalters erneuerte er, ganz standesge-mäß, zum repräsentativen Herrensitz: als stattlichen Dreiflügelbau um einen Ehrenhof. Im Kern ist der östliche Flügel mit rundem Turm noch spätmittelalterlich, der westliche entstand um 1680. Ingwersen konzentrierte sich darauf, den Mitteltrakt zu vergrößern und von Michel A. Tadei aus Lugano mit kostbaren filigranen Stuckaturen im Stil des Rokoko und frühen Klassizismus verzieren zu lassen.

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