Im Bannkreis des Hamburger Michel 2


Aumühle-Friedrichsruh im Sachsenwald

Mit rund 7000 ha bildet dieses größte Waldgebiet in Schleswig-Holstein eine >Grüne Lunge< zur Naherholung direkt vor den Toren Hamburgs. Frühe Siedler hinterließen bis zur Eisenzeit Reste vorgeschichtlicher Kulturen: zahlreiche Hünengräber der jüngeren Steinzeit (3000 bis 1800 v. Chr.) und Schalensteine, deren Vertiefungen wohl Opferzwecken dienten. Ausgeschildert ist an der Straße von Aumühle kurz vor dem Ortseingang nach Dassendorf der Weg zu einem Langbett mit weitgehend erhaltenen Umfassungssteinen. Weil Preußens König den Sachsenwald 1871 seinem Kanzler zum Geschenk machte, finden sich hier auch noch eine ganze Reihe von Bismarck-Gedenkstätten, zumal der Fürst sich nach dem Sturz 1890 schmollend auf sein Schloss zurückzog. Noch zu seinen Lebzeiten und erst recht nach dem Tod des Reichsgründers 1898 pilger- ten seine Anhänger nach Friedrichsruh wie in einen Wallfahrtsort. Seit 1951 floriert der Devotionalien-Verkauf im Bismarck-Museum, einem Fachwerkbau von 1887. Zu besichtigen ist neben Erinnerungsstücken, Fotos und Dokumenten die Originaleinrichtung des Arbeitszimmers. In der Gruftkapelle befinden sich die Sarkophage Bismarcks und einiger Familienangehöriger. Der >Eiserne Kanzler< zählt zu den umstrittenen Figuren der jüngeren Geschichte. Der preußische Junker und Monarchist war ein erbitterter Gegner der Arbeiterbewegung, deren Presse und Organisation das Sozialistenge-setz 1878 zerschlagen sollte, und vor allem ihrer Forderung nach demokratischen Reformen. Die pompöse Historienmalerei des Anton von Werner über die >Kaiserproklamation zu Versailles< (1877) glorifiziert Bismarcks wohl größten Erfolg. Verschwiegen wird allerdings gern, wie diese Sternstunde deutscher Nationalisten zustande kam: Bismarck hatte eine diplomatische Note, die >Emser Depesche<, in verfälschter Form veröffentlicht, die französischen Gesprächspartner absichtlich brüskiert und deren Kriegserklärung provoziert, ln Bezug auf die Bereitschaft, fremdes Leben zu opfern, lässt sich hier eine Tradition der Menschenverachtung konstatieren mit den historischen Stationen 1870, 1914 und 1939, drei vom preußisch dominierten Deutschland vorsätzlich herbeigeführten Kriegen, ganz nach dem späteren Motto der Nazis: »Du bist nichts, Dein Volk ist alles.« Wohin preußischer Kadavergehorsam – Kritik-resistent und immun gegen Argumente der Humanität wie Vernunft – führen kann, ist im nahen Neuengamme zu besichtigen. Wie Ironie der Geschichte klingt, dass Bismarcks Schloss, 1874 errichtet, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. – Das nahe Bismarck-Mausoleum in neoromanischen Formen (1899), ein Tuffbau über dem Sockel aus Granit, ist nach dem Vorbild des Grabmals Theoderichs des Großen in Ravenna entworfen – und zeugt damit nicht eben von Mangel an Selbstbe-wusstsein.

Der Ortsteil Aumühle geht auf eine Kornmühle an der Schwarzen Aue aus dem 14. Jh. zurück. Im ehemaligen Lokschuppen der Bundesbahn pflegt der Verein der Verkehrsamateure alte Eisenbahnfahrzeuge. Außer der Bismarck-Gedächtnis-Kirche, einem expressiven Backsteinrundbau von Heinrich Bomhoff und H. Schöne am Rand des Waldfriedhofs (1930), gibt es noch den zinnenbekränzten Bismarck-Turm mit Büste (heute Gemeindebibliothek) und die kleinere Bismarck-Säule des Wilhelm Kreis aus Granitquadern auf dem Hammelsberg (1903) bei Reinbek-Schönningstedt, wo die Holländer-Windmühle mit Windrose 1886 errichtet wurde. Die Fürst-Bis- marck-Quelle sprudelt unter dem verkaufsfördernden Namen des >Alten vom Sachsenwald<. – Auf einen gotischen Bau geht die innen 1871 im Tudor-Stil neu gestaltete Kirche von Kuddewörde zurück, während die Fachwerkkapelle St. Georg in Fuhlenhagen ihren spät-gotischen Charakter bewahrt hat.

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