Im Bannkreis des Hamburger Michel


Geesthacht

Von weitem sieht man die gigantische Halle und den riesigen Schornstein am Elbufer aufragen, doch nicht erst das Kernkraftwerk Krümmel verkörpert beides: technische Möglichkeiten und kaum absehbare Gefahren für die Bevölkerung. Schon 1958 nahm ein Forschungsreaktor den Betrieb auf, 1984 ging das Atomkraftwerk Krümmel ans Netz. Im idyllisch auf dem Steilufer gelegenen eigenen Informationszentrum stellt die Betreibergesellschaft aus ihrer Sicht Risiken der Kernkraft dar. In die Schlagzeilen geriet Krümmel, als bekannt wurde, dass in seiner näheren Umgebung deutlich mehr Kinder und Erwachsene an Leukämie erkranken als in vergleichbaren Regionen. Das Pumpspeicherwerk Geesthacht – zu Forschungs-zwecken mit Solar- und Windenergieanlage gekoppelt – arbeitet nach einem simplen Prinzip: In Zeiten geringen Stromverbrauchs wird Wasser in das Becken auf dem Geestrücken gepumpt, das während der Verbrauchsspitzen abgelassen wird, Turbinen antreibt und zusätzliche Energie liefert.

Geesthacht
Geesthacht

Die Bürger von Geesthacht mussten 1685 den Fachwerksaal von St. Salvatoris neu aus Steinen der Vorgängerkirche errichten, die sie – wie das Inventar – vor den Fluten der Elbe gerettet hatten. Der Kanzelaltar bildet eine originelle Kombination beider Ausstattungsstücke der Renaissancezeit (1674 und 1678). Schon 1230 versank ein Kirchenbau im Wasser, deshalb verlegte man das 1216 erwähnte Dorf Hachede schließlich auf den Geestrand. Im Krügerschen Haus, dank der Doppelgiebel eine zur bäuerlichen Dreiflügelanlage erweiterte Fachwerkkate des 17. Jh., informieren Heimatmuseum und Stadtarchiv über die Entwicklung Geesthachts vom Dorf zum modernen Industriestandort (Bergedorfer Str. 28). Ohne Mühe zu scheuen, hält die Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn die Tradition der Kleinbahn nach Bergedorf aufrecht. Als besonderes Schmuckstück faucht seit 1981 wieder eine Dampflok der Reihe Q mit historischen Waggons nach Fahrplan über die Strecke. Um den Auswirkungen von Ebbe und Flut der Nordsee, die bis Lauenburg spürbar waren, begegnen zu können, wurde 1960 die Staustufe von Geesthacht mit Zweikammerschleuse gebaut.

Die Marsch- und Vierlande

Im Südosten Hamburgs liegt eine durch Getreide-, Obst- und Gemüseanbau wohlhabende Region, die aus vier Marschdörfern zusam- nenwuchs: Altengamme, Curslack, Neuengamme und Kirchwerder und seit dem 16. Jh. Vierlande genannt wird. Als Heinrich der Löwe dieses Marschgebiet zwischen Elbe und Bille eindeichen und besiedeln ließ, wurde auch Bergedorf 1162 erstmals erwähnt, das Städtchen um die Wasserburg an der Bille, mittlerweile ein Stadtteil Ham-burgs. Stadt und Burg der Herzoge von Sachsen-Lauenburg eroberten Lübeck und Hamburg 1420 bei einer Fehde, seitdem verwalteten beide Hansepartner gemeinschaftlich Bergedorf und das Umland, bis Hamburg 1868 Lübecks Rechte ablöste. Sehenswert ist das vier- flügelige Wasserschloss der Renaissance, dessen Anfänge auf das 13. Jh. zurückreichen. Inzwischen ist statt des Amtmanns als beider- städtischem Verwalter das Museum für Bergedorf und die Vierlande Hausherr. Auf die Zeit als Verwaltungssitz verweisen Gerichtsräume und das Landherrenzimmer. Die St. Petri-und-Pauli-Kirche wurde zwar schon 1162 erwähnt, doch der jetzige Bau entstand in mehreren Abschnitten im 16.-17. Jh. mit zeitgemäßer Ausstattung, ln dem Fachwerk-Gebäude neben der Kirche – einst das Organistenhaus und deshalb Dienstwohnung seines Vaters – wurde einer der einflussreichsten deutschen Komponisten des Rokoko geboren: Johann Adolf Hasse (1699-1783). Mit seinen Opern feierte er Erfolge in Dresden, Wien und London, ebenso auf zahlreichen Bühnen Italiens.

Als >Gamma< wurde Altengamme im 12. Jh. erwähnt, Mitte des folgenden schon St. Nikolai. Doch dem einschiffigen Feldsteinbau des frühen 13. Jh. sieht man nicht an, dass er im Inneren unter der bemalten Holztonne eine der schönsten geschlossenen Rokoko- Ausstattungen (Altar und Kanzel vom einheimischen Künstler Harm Oelerich, um 1750) im norddeutschen Raum birgt. Älter ist die Bronzetaufe (14. Jh.), bizarr mutet die Vielzahl schmiedeeiserner Hutständer an (18. Jh.). – Bekundet ist Neuengamme schon seit 1212 als >nova insula< oder 1228 >nova Gamma<. St. Johannis wurde 1261 erstmals erwähnt, später überformt und erweitert, ebenso passte man die Ausstattung wechselndem Zeitgeschmack an. Phantasievolle Intarsien mit Blumenmotiven zieren das Gemeindegestühl seit dem 17. Jh. Unrühmlich bekannt wurde das idyllische Marschhufendorf mit einer ganzen Reihe stattlicher Fachhallenhäuser und Katen aus dem 16. bis 19. Jh. aber erst während der Nazi-Zeit als Standort eines Konzentrationslagers. Bürger aus allen Teilen Europas, die von der deutschen Wehrmacht besetzt waren, wurden hierher verschleppt. Unter unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen fertigten sie in Rüstungsbetrieben Waffen und im Klinkerwerk Material für den Ausbau Hamburgs zur >Führerstadt<. Von den etwa 106 000 Inhaftierten wurden über 55 000 von der SS ermordet oder fielen den mörderischen Verhältnissen zum Opfer. Die >Evakuierung< durch die SS vor der bevorstehenden Befreiung durch die Alliierten führte zur Katastrophe auf den Schiffen in der Neustädter Bucht. Heute erinnert eine im Mai 1995 in den früheren Walther- Werken neu eingerichtete Ausstellung an die Leiden der Häftlinge, die hilflos den Verbrechen der SS ausgeliefert waren (Jean-Doldier- Weg). Ein Güterwagen der Reichsbahn lässt die Bedingungen ahnen, unter denen der Transport zur berüchtigten Rampe stattfand. Fran- goise Salmon – eine Überlebende des Lagers Auschwitz – schuf die eindrucksvolle Bronzeplastik des sich im Todeskampf windenden, ausgemergelten Häftlings (1965). Das Mahnmal im Bereich der ehemaligen Lagergärtnerei symbolisiert den Kamin des Krematoriums, die Asche ihrer Opfer ließ die SS als Dünger verstreuen.

Nahe von St. Johannis in Curslack hat sich der schöne historische Ortskern erhalten. Die Fachwerksaalkirche (um 1600) ziert eine Renaissancekanzel der Erbauungszeit, getragen von Atlas. Den Altar setzte man in barocken Formen aus Teilen des im Krieg zerstörten Schnitzaltars (1698) aus Hamburgs Dreifaltigkeitskirche neu zusammen. Auch hier prangt ein Wald von Hutständern des 18. und 19. Jh. Nicht am Weg übersehen sollte man das Rieck-Haus (Curs- lacker Deich 284), das als Vierländer Freilichtmuseum eine geschlossene Hofanlage des 16. bis 19. Jh. zeigt. Mit seinem Schmuckgiebel bildet es trotz nachträglicher Veränderungen das älteste erhaltene Vierländer Bauernhaus mit ungeteiltem Flettdielenraum und Wohntrakt aus Grootdöns mit Wandbetten sowie Lüttdöns als Altenteil. Zeitgleich entstand die Scheune. Bockwindmühlen wie das Exemplar aus Ochsenwerder dienten zum Entwässern der Marschen. Von der Riepenburg in Kirchwerder blieb nichts, seit die bei- derstädtischen Amtmänner in Bergedorf residierten; der Zollspieker geht auf eine wohl allen Landesherren liebe Einnahmequelle seit dem 13. Jh. zurück und diente zugleich als Fährhaus. St. Severin wurde ursprünglich im 13. Jh. aus Feldsteinen errichtet und mehrfach vergrößert.

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