Im Herzen des Landes


Das Wappen des Kreises Stormarn zeigt einen schreitenden Schwan, den Kopf angriffsbereit vorgestreckt mit erhobenen Schwingen, ein stolzes Tier – allein, am Hals trägt er eine Krone, allerdings nicht als Zier, sondern wie eine Fessel. Der Chronist Adam von Bremen berichtete vor rund 900 Jahren, dass es drei nordelbische Sachsengaue gebe, die Dithmarscher, die Holsten sowie: der »dritte und edelste Stamm heißt Stormarn, weil dieser Gau häufig von Stürmen der Unruhe ergriffen wird«. Offenbar hielten es die Landesherren für ratsam, ihren Untertanen die Machtverhältnisse plastisch vor Augen zu führen. Der sächsische Gau Stormarn des 12. Jh. war freilich weit größer als der heutige Landkreis. Dass der Name über Jahrhunderte bestehen blieb, zeugt von Traditionsbewusstsein und historischer Sensibilität.

Kleinod der Renaissance: Schloss Reinbek

Schloss Reinbek
Schloss Reinbek

Nahe dem zum Mühlenteich aufgestauten Flüsschen Bille errichtete Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf 1571-76 auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters, ganz im Stil der niederländischen Renaissance, eine prachtvolle zweigeschossige Dreiflügelanlage, die erste ihrer Art im Land. Das Schloss, weit entfernt vom Herrschaftszentrum bei Schleswig, sollte der Jagd dienen und dazu, auch hier herzoglichen Machtanspruch zu dokumentieren. Trotz wechselnder Bewohner und Nutzung blieb der Bau lange weitgehend unverändert, bis er 1867 in preußische Hände fiel, 1874 versteigert und ohne Rücksicht auf seine kunsthistorische Bedeutung zum Hotel umgebaut wurde. Spätere Verwendungen, wie im Zweiten Weltkrieg für die Wehrmacht, schädigten die Substanz weiter, bis 1977-86 der Zustand der Erbauungszeit weitgehend rekonstruiert wurde, als man das Schloss zum Kulturzentrum herrichtete. Eine sparsame Verwendung von Haustein für Kreuzfenster, Horizontalbänder und Gesimse gibt dem freundlichen Rot der Backsteinflächen zusätzlich helle Akzente. Den klaren Grundriss mit Arkadengang beleben der Treppenturm unter mehr-stöckiger Laterne und zwei gekuppelte halbrunde Abtrittpfeiler vor dem Kopfbau des Südflügels. Im Inneren haben sich außer der wieder hergestellten Raumaufteilung Reste alter Malerei, vor allem an den originalen Balkendecken, Kamine sowie die Kniestockkonstruktionen der Dachstühle erhalten, hervorragende Zimmermannsarbeiten nach niederländischen Vorbildern.

Gegenüber dem Schloss beherbergt das Museum Rade in einer Villa der Gründerzeit die Sammlung volkstümlicher Künste aus Europa, Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien der Stiftung Rolf Italiaander und Hans Spegg. Als Weltbürger im besten Sinn trug der Ethnologe, Kunsterzieher und Schriftsteller Rolf Italiaander gemeinsam mit seinem Partner Bilder und Plastiken zusammen, mit denen er den Blick auf kulturelle Eigenarten in aller Welt richten wollte, immer in dem Bewusstsein, dass naive Kunst völkerverbindende Kommunikation anregen kann. Der neogotische Ziegelbau der Maria-Magdalenen-Kirche (1902) wurde mit Teilen der Ausstattung – Holzfiguren des Henning Heidtrider – aus der Reinbeker Schlosskapelle (1620) bestückt; nach dem Umbau zum Hotel stand sic der Gemeinde nicht mehr zur Verfügung.

Im Kern geht die Feldsteinkirche von Trittau auf das 13. Jh. zurück, wie im nahen Kuddewörde wurde das Innere 1880 in Tudor- Formen modernisiert. Feldstein diente ursprünglich zum Bau der Kirche von Siek im 13. Jh., die Bronzetaufe gestaltete Gherard Cra- neman (14. Jh.). Die hübsche Fachwerksaalkirche von Eichede (um 1760) birgt einen lübischen Barockaltar (1640). Reste der spätgotischen Ausmalung in Chor und Apsis der Backsteinkirche von Zar- pen (13. Jh.) wurden im 17. Jh. und 1940 ergänzt.