Insel mit Landanschluss: Sylt 2


Hinter dem rund 5 km langen Sandstrand hat sich eine lebendige, im Sommer fast zu gut besuchte Flaniermeile entwickelt, insbesondere die Friedrichstraße von der biederen Wilhelmine aus Bronze (Ursula Hensel-Krüger) im Zentrum bis zur Musikmuschel für Kurkonzerte und den stattlichen Hochhäusern an der Promenade.

Beeindruckend bleibt bis heute die Leistung jener jungsteinzeitlichen Siedler, die im 3. Jahrtausend v. Chr. aus gewaltigen Findlingen das begehbare Ganggrab Denghoog im benachbarten Wenningstedt anlegten; der alte Ort versank übrigens 1362 rund 2 km weiter westlich. Der Name dieses am besten erhaltenen Megalithgrabes von Schleswig-Holstein, eines der bedeutendsten Nordeuropas, lässt sich ableiten von Thinghügel, denn in germanischer Zeit wurde hier Recht gesprochen. »Pyramiden des Nordens« hat man die Hügelgräber genannt. – Eine der interessantesten Natur-Schönheiten Sylts bildet das knapp 2 km lange, 25 m hohe Rote Kliff von Kämpen mit der Uwe-Düne in gut 52 m Höhe – ein Rundblick nach Amrum, Föhr und Dänemark der runde Leuchtturm (>Christian<) von 1854 aus Backsteinen überragt es freilich mühelos um 38 m. Auch dieser Ort zeichnet sich durch traditionsbewusste Bauweise aus, gepflegte Reetdachhäuser bestimmen das Bild. Von der reizvollen Atmosphäre schwärmten übrigens schon Gäste, derer man sich heute gern und stolz erinnert. Eine >Sylter Novelle< hinterließ Theodor Storm, und Wilhelm Raabe beschreibt in der Erzählung >Deutscher Mond- schein< die Begegnung mit einem sonderbaren Kauz auf Sylt. Zu Beginn des 20. Jh. verlebten Lovis Corinth, Gerhart Hauptmann, Alfred Kerr, Thomas Mann, Ernst Rowohlt, Carl Zuckmayer oder Stefan Zweig ihre Ferien hier. Spuren ihrer Eindrücke finden sich in Briefen und Werken. Max Frisch und Gottfried Benn zog es nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Insel. Freilich ließen sich nicht nur Literaten vom Flair Sylts inspirieren. Ähnlich wie Worpswede nahe Bremen entwickelte sich speziell Kämpen zu einem Ort der bildenden Künstler. Besonders zu nennen wären hier die Maler Herbert Pohris (1896-1971), Helmut Märksch (1907-1980), Siegward Sprotte (1913-2004), Otto Eglau (1917-1988) und Heide Dahl (geb. 1940 in Rostock) oder in Keitum Karl Holstein (1912-2003), Dieter Röttger (1930-2003) und Karl-Heinz Berndt-Elbing (1934-99). – Naturschutz ist für die Gemeinde schon lange keim Fremdwort, bereits 1925 erließ Kämpen eine Ordnung zum Schutz seiner Heideflächen. Die Vogelkoje von Kämpen geht auf eine 1767 mit königlicher Genehmigung eingerichtete Fanganlage für Wildenten zurück (Lister Straße).

Bei List, dem nördlichsten deutschen Seebad, spannt sich das Naturschutzgebiet Ellenbogen mit seinen beiden Leuchtfeuern um den Königshafen. Listland ist die Heimat in Deutschland einzigartiger Wanderdünen. Lebhaften Schiffsbetrieb von Fähren und Freizeitskippern kann man im Lister Hafen beobachten, zur Stärkung empfiehlt sich Deutschlands nördlichste Fischbude: das Reich von Jürgen Gosch – weit mehr als ein üblicher Stehimbiss, wie Gourmets bezeugen können. – Knapp 40 km misst der Weg bis zur Südspitze Hörnum Odde mit Leuchtturm und einer weißen Düne, vorbei an der schmälsten Stelle bei Rantum und dem Seevogelschutzgebiet.

Keitum

Das älteste Friesenhaus in Keitum/Sylt

Als der frühere Hauptort und Hafen Sylts 1440 erwähnt wurde, muss er bedeutend älter gewesen sein. Traditionell lebten hier Seefahrer, die als Kapitäne Walfänger und Handelsschiffe kommandierten und so zu Wohlstand gelangten. Zahlreiche Friesenhäuser uthländischer Bauweise zwischen hohen Bäumen zeugen von dieser Zeit im 17. bis 19. Jh. St. Severin nördlich außerhalb des Ortes entstand zu Beginn des 13. Jh. als spätromanischer Bau, aus dieser Zeit stammt noch die Sandsteintaufe. Der gotische Schnitzaltar von etwa 1500 zeigt einen Gnadenstuhl zwischen Maria und einem Bischof. Um 1700 entstand die aus dem jetzt dänischen Mogeltonder erworbene Renaissancekanzel. Gleich zwei stattliche Friesenhäuser lassen Besucher die Kultur der Insel und ihre Geschichte eindrucksvoll erleben. Das Altfriesische Haus von 1739 wurde 1907 mit seiner Originaleinrichtung zum Museum Alt-Sylter Wohnkultur hergerichtet. Ein Flur verbindet die Stallungen mit dem Wohntrakt: Kööken (Küche), Piisel (Pesel) und Kelerkaamer (Kellerkammer) sind noch mit wandfestem Mobiliar und altem Hausrat ausgestattet (Am Kliff 13). Breiter angelegt sind die Sammlungen des Sylter Heimatmuseums (Am Kliff 19a). Der Sylter Chronist Christian Peter Hansen hatte damit begonnen, sie zusammenzutragen. – Etwas kleiner als die Keitumer Kirche fiel im frühen 13. Jh. der Mischbau von St. Martin in Morsum aus, den Gnadenstuhl des spätgotischen Schnitzaltars flankieren St. Mauritius und St. Severin (um 1500). Wattwiesen, weite Marschen und Heideflächen umgeben das noch weitgehend ursprüngliche Friesendorf. Morsums über 20 m hohes Kliff am Geestrand besteht aus Kaolinsand, Limonit und Glimmer: für Geologen eine Fundgrube und geradezu ein Nachschlagewerk, das in seinen Ablagerungen mehrerer Jahrmillionen Aufschluss über die Entwicklung Sylts gibt.

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