Insel mit Landanschluss: Sylt


Obwohl Schleswig-Holsteins bekannteste Nordseeinsel wohl einem Fisch, dem Hering – im Dänischen Sild – ihren Namen verdankt, spielt der Fischfang hier kaum noch eine nennenswerte Rolle. Vor Helgoland warfen Sylts Fischer im 15. Jh. so erfolgreich ihre Netze aus, dass man diese Tatsache 1425 in der Lübecker Chronik für erwähnenswert hielt, davon hörte der dänische König und führte das >Rudergeld< ein, zusätzliche Steuern für die Fischer vor Helgoland. Allerdings blieben um 1600 die Heringsschwärme aus, und die Sylter mussten ihren König um Steuerermäßigung bitten. Mondän, wie ein verbreitetes Vorurteil wissen will, ist die >Familieninsel< nicht, sieht man einmal von wenigen Brennpunkten ab. Über 600 Grabhügel der Jungstein und Bronzezeit zeugten noch im 18. Jh. von der rund 5000-jährigen Besiedlungstradition, leider wurden viele abgetragen und als Baumaterial verwendet. Von den bekannten Sylter Burgwällen – Archsum, Tinnum und Rantum – überdauerte nur die Tinnumburg; der Wall bei Archsum wurde im 19. Jh. weitgehend abgetragen, der von Rantum fiel der See zum Opfer. Ungeklärt ist auch, ob die verbliebene >Tinnumborig< – rund 5 m hoch und 120 m im Durchmesser – als sächsische Wallanlage um Christi Geburt aufgeschüttet wurde, bevor Angeln und Sachsen nach Großbritannien aufbrachen. Vielleicht entstand sie auch im 9./10. Jh., als Wikinger-Stützpunkt oder aber als Zuflucht der Friesen vor den Nordmännern und ihren Drachenbooten.

Strand in Sylt
Strand in Sylt

Der wirtschaftliche Aufstieg Sylts begann 1855 mit der Gründung des Seebades Westerland. Da Sylt mit dem Hindenburgdamm seit 1927 eine Landverbindung besitzt, streiten Puristen, ob es sich überhaupt noch Insel nennen dürfe … Schon im 19. Jh. gab es Pläne, die Insel durch einen Damm mit dem Festland zu verbinden. Heftig stritten Befürworter und Gegner. Zwar sah man im Landanschluss einen wesentlichen Fortschritt, zumal besonders im Winter der Wasserweg durch Treibeis behindert oder unterbrochen ist, andererseits fürchteten viele Sylter, der Damm würde ihre Lebensbedingungen und die friesische Kultur der Insel stören. Unbestritten bleibt jedoch, dass der Bau eine gewaltige technische Leistung darstellt. Beschlossen wurde das kühne Projekt 1913, schon 1917 wollte man es vollendet haben. Allein, es kam anders, der Erste Weltkrieg verzögerte die Ausführung. Bis zu 1500 Arbeiter bewegten weitgehend in Handarbeit rund drei Millionen Kubikmeter Erde und 120 000 Tonnen Granitblöcke – immer im Wettlauf mit den Gezeiten und möglichen Stürmen. Weder den Untergrund im Schlick noch das Wetter konnte man exakt im voraus kalkulieren, und mehr als einmal spülten Sturmfluten die mühsam herbeigeschafften Erdmassen beiseite.

Reisende haben heute mehrere Möglichkeiten, Sylt zu erreichen: ab Niebüll mit dem Autoreisezug, von Havneby auf Roma per Fähre mit PKW-Beförderung nach List auf Sylt oder dank des Flughafens in Westerland während der Saison im Linienverkehr. Die mit 99 km2 größte nordfriesische Insel besitzt einen fast 40 km langen feinsandigen Brandungsstrand an ihrer Westküste, Heideflächen und Dünen von einer Höhe von über 25 m prägen das Bild. An der schmälsten Stelle ist sie nur etwa 550 m breit.
Sylts nordfriesische Nachbarin unter dänischer Flagge, Rome, ist mit 99 km2 gleich groß und votierte 1920 im Volksentscheid für die Zugehörigkeit zu Kopenhagen. Sandstrände, Heideflächen und Kieferngehölze machen die dänische Insel (durch modernen Straßendamm mit dem Festland verbunden) ebenso zu einem lohnenden Ziel für Ausflüge wie die urtümliche Kirche St. Clemens mit ihren reichen Kunstschätzen in Kirkeby oder das Museum im Kommandeurshof in Toftum.

Westerland

Weil das Dorf Eidum 1436 in den Wogen der Allerheiligen-Flut versank, mussten die Überlebenden weiter östlich ein neues bauen: So begann die Gründung der einzigen Stadt auf der Insel. Die Alte Kirche St. Niels löste 1635-37 als Ziegelbau ihre romanische Vorgängerin ab. Der spätgotische Schnitzaltar zeigt eine Marienkrönung, flankiert von Bischöfen und Aposteln (15. Jh.). Ebenso alt ist das Holzkruzifix, die Holzkanzel stammt aus dem Jahr 1751. In die 1908 von Heinrich Bomhoff erbaute Neue oder Nikolaikirche übernahm man die Granittaufe des 13. Jh. der alten Nikolaikirche von Eidum, schließlich hatte sie nach dem Untergang des Dorfes noch rund 200 Jahre den Fluten getrotzt. Zahlreiche traditionelle Friesenhäuser mit Reetdach machen den Charme von Alt-Westerland aus. Das Seebad erhielt 1896/97 als Ergebnis eines Wettbewerbs sein ehemaliges Kurhaus in Formen des Jugendstil nach Plänen von Vollmer und Jasony. Zwei turmartige Eingangsrisalite, verbunden durch Arkaden, prägen die Front (heute Spielbank).

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