Itzehoe – karolingisches Kastell an der Stör


Als Karl der Große um 810 oberhalb der Stör die Grenzfestung Eses- feld – Reste fanden Archäologen im Westen der Stadt an der Oldenburgskuhle – errichten ließ, ein fränkisches Militärkastell als Brückenkopf, um Dänemarks König Göttrik in Schach zu halten, legte er damit ungewollt auch den Grundstein von Itzehoe. Außerdem wurde bereits 1032 ein >praesidium Echehoe< genannt. Auch dieser sächsische Ringwall konnte durch Grabungen nachgewiesen werden, Namen wie Burg und Wallstraße markieren noch den einstigen Standort in der alten Störschleife. Am anderen Ufer bildete sich in dessen Schutz um die Breite Straße auf der Geest die Altstadt mit der späteren Laurentius-Kirche, eine Handelsniederlassung im Schnittpunkt dreier Heerstraßen nach Jütland, Dithmarschen und Ostholstein. Als die Schauenburger den sächsischen Ringwall gegen 1180 zum Stützpunkt ihrer Herrschaft ausbauten, unmittelbar daneben die Neustadt rings um den Markt gründeten und 1238 mit lübischem Recht versahen, wuchs sie langsam mit der gegenüberliegenden älteren Siedlung zusammen. Auftrieb brachte 1260 das Stapelrecht. Es verpflichtete durchreisende Kaufleute und Schiffer, ihre Waren zu stapeln und den Bürgern zum Kauf anzubieten oder >Stapelgeld< zu entrichten. Schließlich wurde 1303 das Stadtrecht auf die alte Geestsiedlung ausgedehnt. Den Dreißigjährigen Krieg überstand Itzehoe noch recht unbeschädigt, weil der Rat sich 1627 Wallenstein ergab, mit seinen Soldaten richtete er dafür in Breitenburg ein Blutbad an. Um so härter traf es Itzehoe im Schwedisch-polnischen Krieg, als Schwedens Truppen die Stadt 1657 fast komplett einäscherten.

Itzehoe
Itzehoe

Am Markt der Neustadt liegt das 1695 errichtete Alte Rathaus, der zunächst einstöckige Barockbau mit prächtigen Pilasterportal – Löwen halten das Wappen – wurde 1893 aufgestockt. Nach rechts schließt sich das spätklassizistische Ständehaus des Friedrich Christian Heylmann d. J. an (1834/35), bis 1863 Tagungsort der Holsteinischen Ständeversammlung. In diesem frühen Parlament, heute einem Landtag vergleichbar, meldete sich der Abgeordnete Georg Löck zu Wort, an ihn erinnert die Säule. In der nahen Krämer- (Nr. 5 und 10) und Kapellenstraße (Nr. 5 und 18) haben sich, wenn auch erneuert, Häuser aus der Zeit nach der Beschießung 1657 erhalten. Im Wenzel-Hablik-Museum zeigt die Stadt wechselnde Ausstellungen und Gemälde, Architekturentwürfe und kunsthandwerkliche Arbeiten des 1881 in Böhmen geborenen Expressionisten, der bis zu seinem Tod 1934 in Itzehoe lebte. Das stattliche Bürgerhaus mit Wandstreifengliederung entstand im 18. Jh. (Reichenstr. 21). Torfbrandziegel in freundlichem Braun und moderne Säulen als gliedernde Elemente nehmen dem Neuen Rathaus (mit Verkehrsverein) von Hans Mensinga und Dieter Rogalla (1978-82) nebenan seine Wucht. Im Innenhof wird der burgartige Charakter der Anlage deutlich, durch ihn gelangt man zur Grünanlage und dem Störewer Hermann. Als spätklassizistischen Breitbau mit übergiebeltem Mittelrisalit errichtete man unter Verwendung älterer Teile 1826 das repräsentative Stadtpalais (Reichenstr. 41). Ein weiteres Baudenkmal der Moderne ragt an der alten Störschleife auf: das helle Dach des ovalen Rundbaus vom Theater Itzehoe (1992). Gottfried Böhm entwarf die säulenbetonte Glaskonstruktion als Mehrzweckbühne für Schauspiel, Oper, Konzerte und Gastspiele aller Art. Um den Klosterhof entwickelte sich die frühere Altstadt wie um eine ruhige Oase mitten in geschäftigem Trubel. Noch dem großen Wiederaufbau entstammt das breite Putzgebäude samt zweigeschossigen übergiebelten Mittelrisalit (1709, Kirchenstraße 5). Der alte Grenzstein davor markierte einst die Trennlinie zwischen Itzehoe und der ICremper Heide. Am Stil der italienischen Renaissance orientierten sich die Erbauer des Pastorats mit Türrisalit (1885, Nr. 6).