Kanalschleusen vor der Nordsee: Brunsbüttel


Im Fahrwasser der Elbe liegt die Stelle des historischen Ortes, seit der Fluss um 1674 seinen Lauf änderte, 1680 war die Umsiedlung abgeschlossen. Den Naturgewalten konnte auch die Festung Brunsbüttel nicht trotzen, die noch 1627^-8 angelegt worden war. Weil die Mündung der Elbe unterhalb von Brunsbüttel bis zu ihrem Übergang in die Nordsee bei der Kugelbake von Cuxhaven eine erhebliche Breite erreicht, meint man, auf die offene See zu blicken. Weite Teile sind extrem flach und fallen bei Ebbe trocken, wie das Wattenmeer vor dem Nordufer: Neufelder Watt und Medemsand. Schon 1300-10 errichtete Hamburg aus Backsteinen den Leucht- und Wehrturm Nige Wark – Neues Werk – vor Cuxhaven auf der nach ihm benannten Insel, geschützt durch eine hohe Warft: das älteste Seezeichen der Deutschen Bucht. Erwähnung fand Brunsbüttel schon 1286, als die Bewohner sich in einer Urkunde verpflichten mussten, künftig keine Hamburger Schiffe mehr anzugreifen und alle Seeräuber aus ihren Mauern zu verbannen. Heute ist Brunsbüttel Seeleuten vor allem deshalb ein Begriff, weil hier die Doppelschleuse Schiffen das Tor zum Nord-Ostsee-Kanal öffnet – ein unbedingt sehenswertes Schauspiel. Über Vorgeschichte und Bau, Häfen, Brücken und Fähren, Schleusen – nötig wegen Ebbe und Flut in der Nordsee – und Lotsen informiert die Ausstellung Nord-Ostsee-Ka- nal im Atrium an der Nordseite des Kanals beim Eingang zu den neuen Schleusen. Einweihen konnte man die knapp 99 km lange Wasserstraße schon 1895. Doch bereits 1907-14 musste sie vergrößert werden auf ihre heutigen Maße, die Ozeanriesen von bis zu 315 m Länge, 40 m Breite und 9,5 m Tiefgang die Passage im meist- befahrenen Seeschiffskanal der Welt erlauben. Vom Kanal profitieren übrigens nicht nur Kiel, Rendsburg und Brunsbüttel: Ebenfalls wichtig ist er für Hamburg, bietet er doch der Hansestadt einen fast direkten Zugang zur Ostsee. In die Schlagzeilen geriet die Stadt, weil das Kernkraftwerk wegen Sicherheitsmängeln abgeschaltet werden musste, vorübergehend jedenfalls. Kritiker empfahlen, den »maroden Strahlemann ganz zu Grabe zu tragen«. Nach einem Blitzschlag brannte der 1677/78 von Daniel Sommer errichtete Backsteinsaalbau von St. Jakobus d. Ä. aus und wurde 1723-26 erneuert. Der Barockaltar mit Reliefmedaillons stammt aus der Schlosskapelle von Glückstadt (17. Jh.). Kanzel und Königsloge schufen H. Eckermann und Hans Reyer (1725). Um den weiten Platz haben sich schöne Gebäude erhalten, das Alte Pastorat von 1772 (Markt 14), der Fachwerkbau des Diakonats oder das Matthias-Boie-Haus (1779), das ehemalige Bauernhaus Piel von 1801 (Reichenstr. 1) und das Heimatmuseum in einem stattlichen klassizistischen Gebäude, dem früheren Rathaus (Markt 4).

Brunsbüttel
Brunsbüttel

Schon 1140 nennt eine Urkunde >Myrne<, das heutige Marne. Den Ortskern errichtete man im fruchtbaren, aber feuchten Marschland auf einer Wurt. Durch spätere Eindeichungen erst wuchs der Abstand zur Küste. Formen der Neo-Romanik inspirierten Wilhelm Voigt, als er 1904—06 St. Maria-Magdalena über älteren Vorgängerkirchen errichtete. Aus einer stammt die Bronzetaufe mit Trägerfiguren auf einem Standring (um 1325). Die Spätrenaissancekanzel ist offenbar von Arbeiten Hans Pepers beeinflusst (1603). Als geschwungener Monumentalbau aus Ziegeln beeindruckt das Rathaus mit vorgewölbtem Mittelrisalit, das Carl Mannhardt 1914/15 errichtete. Adolf Möllenhoff entwarf das gotisierende Kriegerdenkmal mit seinen Löwen (1874). Das Heimatmuseum geht auf Sammlungen zurück, die der Marner Skatklub von 1873 zusammengetragen und im 1905 erbauten Skathaus ausgestellt hatte (Museumsstr. 2). – Das alte Fischerdorf mit Kutterhafen und schöne Nordseebad Friedrichskoog verdankt der Landgewinnung durch Polder sein Entstehen. Im Sommer läuft die Fischereiflotte zur originellen Kutterregatta aus. In der Windmühle Vergissmeinnicht, einem Holländer mit Windrose (1860), finden Trauungen statt. Als Backsteinsaal wurde St. Marien in Barlt um 1600 über einem älteren Feldsteinsockel aufgemauert. Der Galerieholländer Ursula von 1870 erfüllt als Windmühle noch seine Funktion. Als Backsteinsaal wurde St. Michael 1610 in St. Michaelisdonn errichtet, um 1700 entstand die Ausstattung. Als Erdwallholländer errichtete man die Windmühle Edda 1842. Auf eine Gründung von 1200 reicht die Kirchentradition von Eddelak zurück, bevor Johann Georg Schott 1740 den Neubau des spätbarocken Backsteinsaals von St. Maria übernahm. Daher haben sich hervorragende ältere Ausstattungsstücke erhalten: die Bronzetaufe (um 1200), das Triumphkreuz (um 1515). Den Kanzelaltar gestaltete Albert Hinrich Burmeister für die neue Kirche. >Gott mit uns< heißt die Holländer-Windmühle von 1865.

Der Aussichtsturm des Waldmuseums (Obere Waldstraße) auf dem 65 m hohen Hamberg in Burg bietet einen vorzüglichen Rundblick über große Teile von Dithmarschen. Die Sammlungen sind der Geschichte der regionalen Tier- und Pflanzenwelt gewidmet, der benachbarte Waldlehrpfad ergänzt die Darstellung um lebende Beispiele von Flora und Fauna. Direkt am schroffen Geesthang wurde wohl schon im 12. Jh. ein erster romanischer Kirchenbau von St. Peter errichtet. Ein gotisches Holzkreuz (14. Jh.), die Kanzel der späten Renaissance (1621) und das Votivschiff »Detlef und Marie< von 1922 bilden den Schmuck der urtümlichen Kirche. Auf das 9. Jh. geht die sächsische Befestigungsanlage Bökelnburg von rund 100 m Durchmesser mit gut erhaltenem Wall zurück, an dessen Innenseite frühmittelalterliche Häuser ergraben wurden. Wie ihr Pendant in Rendsburg gehört die Eisenbahnhochbrücke des Friedrich Voß bei Hoch- donn zu den unbedingt sehenswerten Zeugnissen des technischen Zeitalters (1915-20); aus dem Zug bietet sich Reisenden ein interessantes Panorama der flachen Region mit der Windmühle Aurora von 1883. Auf eine Wallfahrtskapelle des 15. Jh. geht die Heilig- Kreuz-Kirche in Windbergen zurück, die 1742 als Backsteinsaal gebaut wurde. Damals errichtete man auch den Kanzelaltar unter Verwendung älterer Teile. Das seltene romanische Bronzekreuz wurde zu Beginn des 12. Jh. gegossen, der späten Gotik entstammt die Sandsteintaufe. Um 1140 schon gab es Nachricht von St. Laurentius in Süderhastedt; der gotische Feldsteinbau birgt wohl noch einen romanischen Kern. Um 1470 entstand die vielfigurige Kreuzigung des Schnitzaltars in spätgotischen Formen, ebenso wie das Kruzifix.