Knapp unter dem Meeresspiegel: Pellworm


Als 1634 Alt-Nordstrand zerrissen wurde, entstand Pellworm. Ein 8 m hoher Seedeich schützt mittlerweile die in weiten Bereichen knapp unter dem Meeresspiegel liegenden 34 km2 der Insel. Jahrzehnte dauerte es, bis die Überlebenden damals das ihnen verbliebene Land durch neue Deiche sichern konnten. Schließlich waren auch die anderen Schäden katastrophal: 30 Mühlen, mehr als 1300 Häuser zerstört. Immerhin hatten 22 Kirchen den Fluten standgehalten, stürzten aber in den folgenden Jahren ein oder wurden abgetragen. Auch wenn er inzwischen deutlich vom knapp 40 m hohen modernen Leuchtturm (Umschlagklappe vorn) von 1907 überragt wird, bleibt der Turmrest der Alten Kirche eines der Wahrzeichen Pellworms; man sieht ihn von Ferne schon über das Wattenmeer, etwa von Hooge aus. Auf das 11./12. Jh. lässt sich die Tradition von St. Salvator zurückführen, ursprünglich diente sie als Hauptkirche der Pellworm-Harde. Der einst wohl mehr als doppelt so hohe Backsteinturm stürzte 1611 ein und beschädigte das Langhaus. In einer einheimischen Werkstatt entstand der mächtige Schnitzaltar der Gotik wohl um 1465, Passionsszenen unter Maßwerkbaldachinen flankieren die aufwändig und figurenreich gestaltete Kreuzigung. Kleinere Flügel im oberen Teil zeigen Anna Selbdritt und St. Andreas. Auf den Rückseiten befinden sich spätgotische Tafelmalereien: Motive aus dem Marienleben und der Passion. Die großartige, von vier Diakonen getragene Bronzetaufe mit Reliefs der Taufe und Kireuzigung Christi zwischen Heiligen goss Hinrick Klinghe 1475. Arp Schnitger baute die berühmte Orgel im breiten Prospekt von 1711 – heute finden während der Saison wöchentlich Orgelkonzerte statt, zu denen bekannte Künstler aus dem In- und Ausland anrei- sen. Als schöne Arbeiten überzeugen noch das Triumphkreuz (16. Jh.), die Renaissancekanzel (1600) und ein Beichtstuhl (1691). – Die neogotische Westfront der Neuen Kirche täuscht darüber hinweg, dass auch dieser Backsteinbau bereits 1622 aufgemauert wurde. Der Nachfolge Claus Bergs darf man den um 1520 geschnitzten spätgotischen Altar zurechnen, den die Gemeinde aus der versunkenen Kirche von Ilgrof übernahm, die friesischen Farben Rot, Blau und Gold bestimmen das Bild. Breite Passionsreliefs und ein Reigen von Aposteln und Heiligen flankieren die tief gestaffelte, figurenreiche Kreuzigung. Gotische Züge weist auch das Kruzifix von 1500 auf. Aus Belgien beschaffte man die Taufe (1587), um 1600 wurde die Kanzel mit schönen Intarsien und geschnitzten Ornamenten hergestellt. Jan van Groningen schnitzte den filigranen Renaissancerahmen für das Epitaph Elersen (um 1570), dessen Kreuzgruppe Dürer nachempfunden ist.

Leuchtturm auf Pellworm
Leuchtturm auf Pellworm

Über die Geschichte der Region informiert das Inselmuseum im Haus der Kurverwaltung. Landwirtschaft und Deichbau stehen dabei natürlich im Vordergrund. Mindestens ebenso interessant sind aber die beiden Wattenmuseen, die privater Sammeltätigkeit ihr Entstehen verdanken (beide am Westerschütting). Fast 50 Jahre wan- derte der Briefträger Heinrich Liermann durch das Watt zur Hallig Süderoog, um die Post zuzustellen. Dabei fand er im Lauf der Jahrzehnte unzählige Spuren des untergegangenen Landes. Der Heimatforscher Helmut Bahnsen hat diese Tradition aufgegriffen. Ihre beiden Sammlungen legen Zeugnis ab von Verlusten an Kulturland und vor allem Menschenleben, die der >Blanke Hans< immer wieder forderte: Keramiktöpfe und Krüge, Holz- und Metallfunde aus dem Zeitraum zwischen 1100 und 1800. Erinnern an die dramatischen Ereignisse sollen auch die Pellzvormer Rungholttage, die seit 1995 jährlich zur Saison das Leben in der sagenhaften Handelsmetropole vergegenwärtigen. Die Nordermühle lugte schon 1777 über den Deich gen Hooge, heute ist im Inneren ein Restaurant untergebracht. Seit 1983 experimentiert die Schleswag AG mit umweltfreundlicher Energie: Über die Hybridanlage des kombinierten Wind- und Solarkraftwerks nahe dem Pellwormer Hafen kann man sich im eigenen Informationszentrum (In de See 10) unterrichten lassen. Der Vorteil, beide Energiequellen zu koppeln, liegt auf der Hand: Wenn im Sommer die Sonneneinstrahlung am ergiebigsten ist, herrscht erfahrungsgemäß häufig Flaute, dagegen ist während des Winters mit seinen Stürmen die Sonne oft hinter Wolken verdeckt. Ziel des Vereins >Ökologisch Wirtschaften« ist, die Versorgung Pellworms mit Strom und Wärme ganz aus regenerativen Energiequellen zu ge-währleisten. Die Schutzstation Wattenmeer organisiert Wattexkursionen oder meeresbiologische Kutterfahrten und informiert in ihrem Anton-Heimreich-Haus umfassend über alle Fragen zur Fauna und Flora der Landschaft zwischen Inseln und Halligen.

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