LAND UND GESCHICHTE 3


Mittelalterliches Machtkartell: die Hanse

Als Genossenschaft von Handelspartnern könnte man die Hanse modern umschreiben. Seit dem 11. Jh. schlossen sich nach dem Vorbild der >Hanseurs< von Valenciennes Kaufleute zusammen und leiteten ihren Verbandsnamen von >hansa< ab, was im gotisch-althochdeutschen soviel wie Bewaffnete oder Kriegsschar bedeutet und ein bezeichnendes Licht auf die Sicherheit der damaligen Transportwege wirft. In den nach Städten organisierten Hansen zu London vollzog sich gegen Ende des 13. Jh. der entscheidende Schritt von der kaufmännischen Interessenvertretung zum politischen Städtebund, als sich die >Deutsche Hanse< herausbildete. Ihr gehörten mit Lübeck als unbestrittenem Zentrum die Handelsmetropolen des Nord- und Ostseeraums und im Rahmen der Ostkolonisation gebildete Neugründungen an. Auch zahlreiche Städte des Binnenlandes, wie das reiche Köln, erkannten bald die Vorzüge einer Mitgliedschaft in dem schlagkräftigen Kartell. Genaue Zahlen der Mitgliedsstädte liegen nicht vor, rund 75 bildeten wohl einen festen Kern, dem um die 100 Städte in lockerem Verhältnis assoziiert waren. Danzig, Dorpat, Elbing, Reval, Riga, Rostock, Wisby oder Wismar zählten im Ostseeraum dazu, Bremen, Hamburg oder Emden an der Nordsee oder Braunschweig, Breslau, Dortmund, Göttingen, Hildesheim, Krakau und Münster weit hinter den Küsten. Die Hanse unterhielt Kontore in Bergen, Brügge, London und Nowgorod.

Gegen Bedrohungen ihrer Handelsinteressen setzten die Hanseaten sich gemeinsam zur Wehr. Als Dänemarks König Waldemar IV. Atterdag 1361 Gotland erobert und das reiche Wisby geplündert hatte, kam es 1367 zur >Kölner Konföderation< gegen den Aggressor. Außer den Mitgliedsstädten schloss sich der Flotte auch das nicht zur Hanse gehörende Amsterdam an – die Freiheit des Handels betraf schließlich alle Hafenstädte. Der Seekrieg unter dem Kommando des lübischen Bürgermeisters Brun Warendorp endete 1370 mit dem Frieden von Stralsund, Dänemark musste die Vorrangstellung der Hanse im Ostseeraum anerkennen und Sicherheitsgarantien geben, seine Seefestungen auf 15 Jahre dem Bündnis überlassen. Verschiedene Entwicklungen leiteten den Niedergang der Hanse ein. So gewannen die Niederländer als eigene Handelsgruppe auch im Ostseeraum immer mehr an Bedeutung. Der Dreißigjährige Krieg zerstörte die deutsche Infrastruktur, legte die Handelswege lahm, die Nerven des kontinentalen Warenumschlags. Als 1669 in Lübeck der letzte allgemeine Hansetag stattfand, waren nur noch neun Mitglieder vertreten.

Die Vitalienbrüder

Der Reichtum der Handelsherren – als Pfeffersäcke verspottet, handelten sie doch auch mit Gewürzen – weckte nicht nur Begehrlichkeiten bei Dänemarks König. Deutschlands wohl bekanntester Seeräuber Claas Störtebeker und seine Spießgesellen Godeke Michels und ein gewisser Magister Wigbold – er soll in Oxford studiert haben – stammten aus den Reihen jener Freibeuter, die mit Duldung oder Billigung mancher Hansestädte und eines Teils des holsteinischen, mecklenburgischen und pommernschen Adels während des 14. Jh. in die Kämpfe zwischen Dänemark und Schweden eingegriffen hatten. Weil sie das belagerte Stockholm mit Lebensmitteln – Viktualien oder schwedisch: Vitalien – versorgten, hießen sie Vitalienbrüder. Weniger glücklich als ihr britischer Kollege Francis Drake, den seine Königin knapp 200 Jahre später adelte, endeten Störtebeker und Mi-chels 1402 in Hamburg unter dem Schwert des Scharfrichters. Dass sie nach Friedensschluss auf eigene Rechnung weiter plünderten, hatte man ihnen verübelt, gerade weil sie unter friesischen und hol-steinischen Fürsten diskrete Abnehmer für ihre Beute fanden. Gerecht teilten sie die mit den Mannschaften – >to lieke Deel< – zu gleichen Teilen und nannten sich >Liekedeeler<. Das ist ein Grund, warum man sie in Legenden und Liedern verklärte. In Verden an der Aller stifteten sie Fenster für den Dom und begründeten eine Stiftung, nach der heute noch Brot und Heringe im Frühjahr an die Armen verteilt werden – und auch Hamburg hat Störtebeker auf dem ehemaligen Hinrichtungsplatz ein Denkmal gesetzt…

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