LAND UND GESCHICHTE 4


Der Nord-Ostsee-Kanal und seine Vorgänger

Seit Schiffe die gefährliche Passage um Kap Skagen bewältigen müssen, wollen sie Jütland und Schleswig-Holstein umrunden, gibt es Pläne, den Landrücken für einen Kanal zu durchstechen. Dem standen lange schier unüberwindbare technische Probleme gegenüber. Eine Pionierleistung auf diesem Gebiet bildete der 1390 als älteste künstliche Wasserstraße Nordeuropas eröffnete Stecknitzkanal. Auf ihm konnte man Lüneburger Salz nach Lübeck verschiffen, noch heute erinnern an diese bedeutende Bauleistung des Mittelalters die Salzspeicher an der Obertrave oder die Palmschleuse nahe Lauenburg. Als der Salzhandel an Bedeutung verlor, schwand mit ihm auch das Interesse am Kanal entlang der Delvenau und Stecknitz, um 1880 stellte man die Transporte ein. Eine wesentlich kürzere Lebensdauer war dem Alster-Trave-Kanal beschieden. Mit ihm wollten die Hanse-Partner Lübeck und Hamburg ihre Handelsbeziehungen verbessern und vereinbarten 1448 vertraglich den Bau; erste Lastensegler trafen 1529 von Lübeck an der Elbe ein, doch schon 1550 erwies sich dieser Weg als unrentabel. Außer einigen trockenen Teilstücken hat sich wenig davon erhalten. Mehr Erfolg war erst dem Schleswig-Holsteinischen oder Eiderkanal beschieden, der 1777-84 mit den damals noch bescheidenen technischen Mitteln gegraben wurde. Die imponierenden Packhäuser in Kiel-Holtenau, Rendsburg und Tönning markieren seinen Verlauf ebenso wie Schleusen oder deren Reste in Rathmannsdorf, Klein-Königsförde oder Kluvensiek.

Nord-Ostsee-Kanal
Nord-Ostsee-Kanal

Den entscheidenden Durchbruch brachte erst der 1895 nach achtjähriger Bauzeit eröffnete Nord-Ostsee-Kanal. Schiffen verkürzt er den Seeweg um rund 250 sm und ermöglicht ihnen, die gefürchtete Fahrt durch den Schiffsfriedhof rund um Kap Skagen zu vermeiden. Strategen der kaiserlichen Marine setzten damals den Bau durch, heute dient er friedlichem Warenaustausch. Jeweils vier Schleusen schotten die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt auf den knapp 100 km zwischen Kiel und Brunsbüttel gegen wechselnde Wasserstände von Ostsee und Elbe ab. Hochbrücken, Fähren und Tunnel ersetzen die unterbrochenen Landverbindungen. Beeindruckend ist der Anblick, wenn einem im Binnenland plötzlich Hochseeschiffe begegnen, die sich langsam, wie auf Zehenspitzen durch die Felder bewegen: Immerhin dürfen schwere Pötte bis zu einer Höhe von 40 m und einem Tiefgang von 9,5 m den Kanal benutzen. Schiffe von mehr als 3,1 m Tiefgang müssen sich lotsen lassen und ab einer Breite von mehr als 15 m oder über 2500 BRT zusätzlich einen Kanalsteurer annehmen. Sportboote dürfen den Kanal nur tagsüber passieren. Wie gewaltig die Dimensionen dieser Wasserstraße sind, erkennt man am besten von einer der Brücken, rührend nimmt sich westlich von Rendsburg nahe der Weiche Schülp auch die schmale Eider aus, die hier eine kurze Wegstrecke parallel zum Kanal verläuft.

ßuii- und Lebensformen im Lauf der Geschichte

Wegen der Existenz relativ weniger Spuren frühzeitlicher Besiedlung hat man lange angenommen, dass der Bereich des heutigen Schleswig-Holstein erst in oder nach der Eiszeit von Menschen erobert wurde. Andererseits ist bekannt, dass Gletscher das Land wie überdimensionale Hobel formten und dabei auch Relikte älterer Siedler vernichtet haben können. Mit verfeinerten Methoden der modernen Archäologie sind der Wissenschaft in den letzten Jahren Entdeckungen gelungen, die Schleswig-Holsteins Vorgeschichte erheblich weiter ausleuchten. Bei Dreisdorf in Nordfriesland grub man einen Faustkeil aus Feuerstein aus, er wurde bereits zur mittleren Altsteinzeit, etwa in dem Zeitraum zwischen 200 000 bis 120 000 v. Chr. geschlagen. Doch nicht nur frühe Werkzeuge haben überdauert, sondern ebenfalls Zeugnisse vorzeitlicher Kunst. In Ahrensburg im Kreis Stormarn hinterließen Rentierjäger der späten Altsteinzeit (um 10 500 v. Chr.) beispielsweise ein Ziehmesser, in das sie einen stilisierten Vogelkopf geritzt hatten oder ein kleines Stäbchen mit einem geschnitztem Gesicht in Form einer Maske. Ebenso fanden sich dort rund 2000 Jahre jüngere Harpunenspitzen für die Rentierjagd und Pfeilspitzen aus Feuerstein für einen Bogen. Etwa 9000 Jahre alt ist die älteste Beilschäftung aus Wurzelholz, die bislang in Schleswig- Holstein entdeckt wurde, und zwar im Duvenseer Moor im Kreis Herzogtum Lauenburg – um nur einige Beispiele zu nennen. Aus unscheinbaren Funden können Archäologen oft weitreichende Schlüsse ziehen, so beweist der Schädel eines Mannes aus der Mittleren Jungsteinzeit (um 2500 v. Chr.), dass damals im Bereich des heutigen Nebel in Nordfriesland schon Schädeloperationen durchgeführt wurden, wie man sie als Trepanation seit der Altsteinzeit kannte. Gut 200 Jahre jünger wird wohl die schnurkeramische Amphore sein, die Ausgräber bei Wittenborn im Kreis Segeberg bargen – offenbar kam sie aus Mitteldeutschland und belegt, wie weit jungsteinzeitliche Handelswege sein konnten.

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