Markt nahe der Hohwachter Bucht: Lütjenburg


Um die Mitte des 12. Jh. gründeten Graf Adolf II. von Schauenburg und Bischof Gerold die Stadt. Es galt, wegen der Kolonisation Wagriens die Straße von Plön nach Oldenburg am Übergang über die Kossau zu sichern – in ihren Anfängen hatte die Siedlung also die Funktion eines Stützpunktes. Dass die Region schon weit früher besiedelt war, belegen frühgeschichtliche Burgwälle und >Langbetten< – Megalithgräber der jüngeren Steinzeit. Erhalten haben sich zwei Motten, mittelalterliche Burghügel und Reste von Hünengräbern bei Futterkamp (Gemeinde Bleekendorf, ausgeschildert) und Hünengräber bei Buschkate. Diese frühen bäuerlichen Siedler der Steinzeit waren sesshaft, in ihren Gräbern fand man Keramik der Trichter-becherkultur, Schmuck aus Bernstein und steinerne Dolche. Schon 1275 wurde >Lutkenborg< lübisches Stadtrecht verliehen, seitdem konnte regelmäßig ein ordentlicher Markt abgehalten werden. Nachdem die Stadt noch im frühen 15. Jh. als Sitz der Vitalienbrüder eher unangenehm aufgefallen war, was aber immerhin einen direkten Zugang über den Großen Binnensee (im Mittelalter eine Bucht) zur offenen Ostsee beweist, kam der Handel, auch per Schiff, gegen Ende des 15. Jh. völlig zum Erliegen, als Lütjenburg dem Adel untertänig wurde. Die Herren von Rantzau auf Gut Neuhaus kauften 1497 dem dänischen König die Stadt ab, wodurch deren Bürger faktisch auf den Status von Leibeigenen absanken. Der Nachbau der mittel-alterlichen Motte oder Turmhügelburg in Lütjenburg gibt Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse.

St. Michaelis Kirche
St. Michaelis Kirche

St. Michaelis

Im wesentlichen geht die jetzt bestehende Bausubstanz der Kirche auf Erweiterungen des 13. Jh. zurück. Noch der ersten, rund 100 Jahre älteren Kirche dürfte die in ihrer wuchtigen Schlichtheit eindrucksvolle romanische Granittaufe mit ihrer zylinderförmigen Kuppa entstammen. Den figurenreich geschnitzten spätgotischen Dreiflügelaltar bezog man 1467 von einem unbekannten Lübecker Meister, jüngere Übermalungen wurden bei einer Restauration 1866 entfernt. Mit vielen Details zeigt das Werk im Mittelschrein, gerahmt von Heiligen, eine Kreuzigung über drei Prophetenbüsten, auf den Seiten Szenen der Marienlegende, aus dem Leben Christi und Gottvater. Üppige Maßwerkschleier mit Kielbogen bekrönen die Darstellungen. Spätgotisch ist auch das Triumphkreuz (Ende 15. Jh.) mit Johannes und Maria. Motive der Weihnachtsgeschichte sind auf den Korb-Reliefs der Renaissancekanzel (1608) liebevoll dargestellt, Schalldeckel und Treppe ergänzte man im 19. Jh. In beschwingtem Spätbarock trägt der geschnitzte Taufengel seit 1745 das Taufwasser heran. Distanz zum Volk wahrten die Herrschaften in ihren reich verzierten emporenartigen Gutslogen (17.-18. Jh.). Bevor elektrische Beleuchtung existierte, spendeten schön gearbeitete Messingleuchter Licht: verziert mit Wildem Mann (1645) oder einem Doppeladler (1674). Nördlich des vorderen Schiffsjochs steht in der Re- ventlowschen Gruftkapelle das wohl wichtigste Kunstwerk der Kirche: Robert Coppens meißelte in seiner Lübecker Werkstatt 1608 das überaus prächtige, architektonisch gestaltete Renaissance-Grabmal für Otto von Reventlow-Wittenberg, eines der bedeutendsten im Land. Auf der Sandsteintumba mit Säulenädikulen knien überlebensgroß der Graf und seine Frau beiderseits eines Kruzifixes, ihre Kinder hinter sich.

Um den viereckigen Markt haben sich eine Reihe schöner älterer Bürgerhäuser des 17.-19. Jh. erhalten. Im vielleicht schönsten zweigeschossigen Fachwerkbau, dem Färberhaus (Am Markt 12) mit doppelt vorkragendem Giebel von 1576, logieren heute das Verkehrs- und Standesamt. Was die Stunde geschlagen habe, verkündet am Marktbrunnen mit der Glocke in der Hand vom Blatt der Ausrufer mit seiner Pickelhaube des Karlheinz Goedtke (1994). Die Markttwiete führt zum Rathaus (Oberstraße 7): Auf den beschaulichen Platz an der Straßengabelung ist der eingeschossige Backsteinbreitbau (1790) mit vorkragendem Mittelrisalit, Uhr im Schweifgiebel und Eckrustika ausgerichtet. An die traditionelle Herberge für wandernde Handwerksgesellen von 1786 im Kaisersaal nahe dem ehemaligen Stadttor (Oberstraße) erinnern noch Zunftzeichen: Maurer, Schlachter, Schlosser, Schuhmacher und Zimmerleute rasteten hier. In der Einmündung zum >Amakermarkt< – der Straße der Ofenmacher – liegt das Bäckerhaus (Oberstr. 15), ein Ziegelbreitbau von 1790 mit abgewalmtem Mansarddach und zwei schönen spätbarocken Türen. Von der Allee im Alten Posthof (17. Jh.) ging bis ins 19. Jh. wirklich »die Post ab«, der Liniendienst per Kutsche (Neu- werkstr. 15). Lütjenburgs Wahrzeichen ist der knapp 20 m hohe Bismarckturm (1898, geöffnet täglich wie das Restaurant mit Terrasse) auf dem Vogelberg. Bis weit ins Landesinnere reicht der Ausblick, über die Ostsee und natürlich zum Ostsee-Heilbad Hohwacht, dessen Ursprünge als Fischerort an den gepflegten alten Häusern zu erkennen sind, mit seinem weiten Strand unterhalb der Steilküste.

Als Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst auf dem nahen Gut Neudorf häufig in den Ferien zu Gast war, konnte sie noch nicht ahnen, dass sie später als Zarin Katharina II. (1762-96) Weltpolitik machen und unter dem Namen >die Große< in die Geschichtsschreibung ein- gehen würde – freilich erst, nachdem ihr Mann, Zar Peter III., unter mysteriösen Umständen und wohl mit ihrer Billigung ums Leben gekommen war. Das Herrenhaus ging aus einer Burg des 15. Jh. im Kossautal hervor, die 1703 erweitert und später 1856 in spätklassizistischer Manier überformt wurde.

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