Missionsstützpunkt an der Westküste: Meldorf


Als zu Beginn des 9. Jh. Bremens Bischof hier die erste Kirche errichten ließ, lag der alte Mittelpunktsort noch recht nahe am Wasser: auf einem Geestrücken vor dem Wattenmeer. Damals gab es im Gau >Thetmarsgoi< hier in >Melindorp< einen Thingplatz und den Hafen. Im 13. Jh. vertrieb die selbstbewusste Dithmarscher Landbevölkerung Adel und Fürsten, in ihrer >Bauernrepublik< gab es seit der Zeit keine Schlösser und Gutshöfe. Bereits 1265 wurde Meldorf in einem Vertrag mit Hamburg als Stadt genannt, bis zum mittleren 15. Jh. tagte hier die Landesversammlung. Das Ende der Dithmarscher Republik kam erst 1559, nachdem die Bauern ihre Freiheit mehrfach erfolgreich verteidigt hatten, in Gestalt eines vereinigten Fürstenheeres unter der Führung von Johann Rantzau: Östlich von Heide erlag die Bauernrepublik der adligen Übermacht. Meldorf büßte 1598 das Stadtrecht ein und erlangte es erst 1869 wieder.

Der Dithmarscher Dom

Dithmarscher Dom
Der Dithmarscher Dom

Gegen Ende des 13. Jh. errichtete man die gotische Gewölbebasilika aus Backsteinen, das prächtige Gotteshaus sollte das Selbstbewusstsein der Bauernrepublik und ihrer politischen Führung dokumentieren. Einmalig in ihrer Art in Norddeutschland sind die um 1300 entstandenen Gemäldezyklen der Querhausgewölbe; die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament im nördlichen Querbau zeigen recht anschaulich mittelalterliche Bauern oder Ritter, Vierung und Südquerschiff sind mit Heiligenlegenden ausgemalt. Als prachtvolles Werk im Stil der niederländischen Spätrenaissance grenzt die hölzerne Chorschranke des Hans Peper den Altarraum vom Kirchenschiff ab, Engelreliefs und Tugenden, Apostel sowie Eva und Adam unter dem Kreuz zieren die aufwändige Arbeit (1603). Der spätgotische Schnitzaltar verrät einen in Süddeutschland geschulten Künstler, sein Mittelschrein zeigt eine figurenreiche Kreuzigung (um 1520). Lebensgroß ist die spätgotische Kreuzgruppe des 15. Jh. dargestellt. Den barocken Klotziusaltar – benannt nach dem Stifter – mit Kreuzgruppe und Salvator versetzte man ins Nebenschiff (1695-98). Fast modern wirkt die Bronzetaufe in ihrer schlichten, gediegenen Eleganz, aufrecht stehende Träger halten das Becken (13. Jh.). Deutlich jünger ist der barocke Taufdeckel, Putten mit den Leidenswerkzeugen und Johannes d. T. zieren ihn (1688). Die Emporenkanzel der späten Renaissance weist Reliefs aus dem Leben Christi zwischen Freisäulen auf (1601/02).

Die frühere Gelehrtenschule errichtete Gustav Ludolf Martens 1854-59 aus Ziegeln in Formen der Neogotik (Bütjestr. 4), inzwischen hat hier das Dithmarscher Landesmuseum seine Heimstatt gefunden. Schon 1872 gegründet, ist es das älteste der Region. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Entwicklung der alten Bauernrepublik. Reichtum und Freiheit der Landwirte haben in einer großbäuerlichen Wohnkultur ihren Niederschlag gefunden, die dem Vergleich mit Stadtpalais des Bürgertums standhalten kann. Fürstlich ausgestattet diente der Renaissance-Pesel von 1568 Marcus Swyn und seiner Frau als Wohn- und Schlafraum. Deichbau und Landgewinnung, Entwässerung und Schiffahrt an der Nordseeküste werden in Bildern, Dokumenten und Modellen vor Augen geführt. Wie dieser Wohlstand erarbeitet wurde, darüber gibt Meldorfs Landwirtschaftsmuseum Auskunft (Jungfernstieg 4). Leben und Arbeit seit dem Beginn des Industriezeitalters kann man hier studieren: Maschinen, wie sie in den letzten 150 Jahren aufkamen und die Produktionsbedingungen auf dem Land revolutionierten. Im benachbarten Dithmarscher Bauernhaus des 17. Jh. kann sich der Besucher von den Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Lande vor der Industrialisierung überzeugen. Die Dithmarscher Museumswerkstätten im Alten Pastorat von 1601 – einem für die Marsch typischen Bürgerhaus (Papenstr. 2) – stellen die traditionelle Beiderwand- oder Gobelinweberei vor. Schon im 17. Jh. kamen Weber auf die Idee, ihre Muster über ein Lochkartensystem steuern zu lassen – und entwickelten so einen frühen Computer. – Überall in der alten Stadt trifft man auf liebevoll gepflegte historisch wie architektonisch interessante Bauten. Deshalb seien hier nur zwei herausgegriffen: das prachtvolle Backsteingiebelhaus von 1720, dessen Abtreppungen originell mit Sandsteinskulpturen verziert sind (Zingelstr. 8) und das Haus Süderstraße 18, das seinen kleinstädtischen Charakter seit 1588 wahren konnte. Während vielfach Windmühlen abgerissen wurden, kann Meldorf gleich mit zwei Exemplaren aufwarten: der Nordermühle Fortuna (1863) und der Südermühle Christel (1892).

Erbittert mussten Dithmarschens Bauern wiederholt die Freiheit ihrer Republik verteidigen. Unter dem Anführer Wulf Isebrand gelang ihnen 1500 bei Hemmingstedt der größte (und letzte) Sieg gegen die Machtgelüste der benachbarten Feudalherren. Zahlenmäßig waren sie der berüchtigten >Schwarzen Garde< des dänischen Königs zwar weit unterlegen, schafften es aber doch, dessen Invasionsarmee vernichtend zu schlagen. Daran erinnert das Dithmarscher Landes-denkmal auf der Dusenddüwelswarf, das zur 400-Jahrfeier 1900 aufgestellt wurde. Um 1300 entstand die im Kern noch gotische Feldsteinkirche, aus der Mitte des 16. Jh. stammen der ungewöhnliche Gemälde-Flügelaltar der Renaissance und die Kanzel. Als Galerieholländer wurde die Windmühle 1858 errichtet.