Nahe der Ostsee: Wagrien, die Probstei


Eine Scheune als Konzertsaal: Salzau

Ungleich bedeutender als Kulturzentrum des Landes und Zentrum des Schleswig-Holstein Musik Festival denn als Bauwerk ist das ehemalige Gut Salzau nahe Fargau. Als Rittersitz wurde die Anlage bereits im späten 13. Jh. genannt, im 18. Jh. zum Barockschloss umgebaut und nach einem Brand 1881-84 neu errichtet. Joseph Eduard Mose entwarf den monumentalen Putzbau, dessen Gliederung Elemente des Barock und der Renaissance aufnimmt. Während sich die Gartenseite mächtig über dem Teich erhebt, ist die Front zum Hof hin stärker aufgelockert. Ähnlich einer Dreiflügelanlage samt Mittelrisalit über der breiten Freitreppe öffnet sich die Fassade des Hauptbaus zwischen niedrigeren Seitentrakten und begrenzenden polygonalen Türmen. Erhalten sind auch ehemalige Seitengebäude, wie ein barockes Kavaliershaus, und der mächtige Torbau mit breitem, turmartigem Risalit über der Einfahrt. Ein Teil der Anlage dient nach wie vor der ausgedehnten Landwirtschaft. Zur Konzertscheune mit erstaunlich guter Akustik baute man einen ehemaligen Stallkomplex aus. Heute ist das Schloss Arbeits- und Tagungsstätte, dient Künstlern, aber auch anderen Interessenten aus aller Welt als Seminar oder Ausstellungsort, Werkstatt und Begegnungszentrum. Musike- rinnen und Musiker besuchen von Juni bis Ende August die Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Salzau. Hier ist es eigentlich zu Hause. Der Pianist Justus Frantz, Initiator und langjähriger Intendant dieses überregional wohl bedeutendsten Kultur-Ereignisses im Land zwischen den Meeren, wollte ein Festival für den ländlichen Raum schaffen, abseits der viel besuchten Ballungszentren. Von Improvisation und dem unvergleichlichen Ambiente alter Dorfkirchen, nobler Gutshöfe und rustikaler Konzerträume in Wirtschaftsgebäuden leben die Aufführungen.

Schloss Salzau
Schloss Salzau

Nahe der Ostsee am Westrand des Großen Binnensees liegt bei Behrensdorf mit seinem hohen Leuchtturm aus Ziegeln Gut Water- neverstorf; das spätklassizistische Herrenhaus (1852) entstand auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Wasserburg. Reetgedeckte Backsteinhäuser (um 1800) an der Zufahrt gehörten als Dienstwohnungen zu dem landwirtschaftlichen Betrieb. – Auf das wendische >Pan<, gleichbedeutend mit >Herr<, führen Historiker die erste Silbe des Namens Panker zurück. Das zweigeschossige Herrenhaus mit drei Flügeln ging um 1800 aus einem rund 100 Jahre älteren Fachwerkbau hervor, zum kleinen französischen Barockgarten mit seinen Sandsteinfiguren auf der Rückseite hin ragen wie Türme zwei dreigeschossige Eckpavillons mit Dachreitern vor. Gegen Ende des 18. Jh. kam das stattliche Torhaus hinzu (heute moderne Galerie). Das tra-ditionsreiche Gasthaus >01e Liese< erinnert an einen der früheren Besitzer, Friedrich Wilhelm von Hessenstein. Der hob auf seinem Gut nicht nur die Leibeigenschaft auf, sondern hinterließ seinem alten Reitknecht auch eine Rente sowie das Recht, Schnaps zu brennen und auszuschenken, wenn er dem Lieblingspferd seines Herrn das Gnadenbrot gab – eben jener Oien Liese. Seit dem Krieg werden hier Trakehner gezüchtet als Nachfahren der ostpreußischen Rasse. Einen herrlichen Rundblick über die Region, bei gutem Wetter bis weit auf die Ostsee, für >Adleraugen< sogar nach Fehmarn oder zu den dänischen Inseln, bietet der Hessenstein, 1839-41 in schönster Spätgotik im Stil der Burgenromantik auf dem Pielsberg errichtet; mit 128 m Höhe zählt er zu den höchsten Erhebungen Schleswig-Holsteins.
Seit dem 13. Jh. besteht der frühgotische Feldsteinsaalbau von St. Johannes in Giekau, der klassizistische Westturm mit Kupferhaube und Laterne wurde erst 1811-13 aus Ziegeln angefügt. Eine strenge Pilasterädikula betont das Portal. Um 1500 entstand der figurenreiche Schnitzaltar der späten Gotik, dramatisch ist im Mittelschrein die Kreuzigung gestaltet, Heilige umrahmen sie auf den Flügeln, während in der Predella Propheten dargestellt sind. Reliefs mit Sze-nen aus dem Leben Jesu zwischen Säulenpaaren zieren den polygonalen Korb der farbig gefassten Holzkanzel (1591), einem Typ, der im Bereich Wagriens auffallend oft vorkommt. Säulenädikulen und Obelisken bekrönen den Schalldeckel. Der späten Gotik entstammt noch das Triumphkreuz (15. Jh.), barock-antikisierende Formensprache verrät dagegen die zierliche Sandsteintaufe (1787). Gutslogen und Grabsteine der Renaissance mit Reliefs der Ritter und ihrer Frauen zeugen von feudalen Traditionen. Schmuck wohnte auch der Pastor seit 1822 in dem zweigeschossigen klassizistischen Backsteinbreitbau, liebevoll erhaltene Fachwerkhäuser zeichnen den Ort aus. Kern des 1737 aus Ziegeln errichteten dreiflügeligen Palais mit Ehrenhof von Gut Neuhaus war ein um 1500 genanntes >Nigenhuß<, ein dreigeschossiger runder Wohnturm mit Anbauten, dessen offene Laterne auf der Barockhaube noch heute das repräsentative Anwesen überragt. Dreiecksgiebel der Zwerchhäuser bekrönen die zweigeschossigen Fronten. Kavaliers- (1752/54) und Wirtschaftsgebäude sowie ein Torhaus aus Backsteinen (1856) komplettieren das Ensemble.

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