Preetz – nordwestliches Tor zur Holsteinischen Schweiz


Lange bevor 1185 der Ort erstmals genannt wurde, hatten sich am Übergang des Handelsweges zwischen Lübeck und Kiel über die Schwentine bäuerliche Siedler niedergelassen. Hier verlief der >Li- mes Saxoniae<, die Grenze zum slawischen Siedlungsgebiet. Wendischen Ursprungs ist wohl der Name, leitet er sich doch von >porece< oder >porez< (= am Fluss) ab. Strategisch günstig schien der Punkt, an dem die Schzventine aus den ostholsteinischen Seen heraustritt. Schon Mitte des 12. Jh. kam es zur Gründung einer Pfarrkirche, die dem etwa 1211 gestifteten Benediktinerinnen-Kloster überlassen wurde. Bis zu 70 Nonnen lebten in der malerischen Anlage, ihr Stift zählte mit über 40 Dörfern zu den reichsten des Landes.

Die Bezeichnung Probstei für die nahe gelegene Küstenregion hat ihren Ursprung darin, dass diese Gebiete der >Klösterlich Preetzer Probstei< gehörten. Stadt- und Klosterkirche bilden noch heute zwei wichtige Pole in Preetz, das 1870 vom Stift unabhängig wurde und Stadtrecht erhielt; sie markieren im Süden und Norden den Kernbereich der reizvollen Altstadt mit ihren Bürgerhäusern, vom Markt führt die Langebrückstraße über die Schwentine nach Lübeck. Unter der Oberhoheit des Klosters konnten sich Handwerke entwickeln, insbesondere das der Schuhmacher nahm manufakturähnliche Züge an. Immerhin produzierten rund 180 Betriebe um 1850 Schuhwerk. Bis weit nach Mecklenburg und Seeland lieferten Preetzer Meister ihre Schuhe und >Wadestevelen< – der Schusterjunge, der stolz ein Paar geschultert hält, ist denn auch ein Wahrzeichen der Stadt; Ursula Hensel-Krüger hat ihm am Feldmannsplatz ein bronzenes Denkmal gesetzt (1964). Im Sommer findet jährlich das große Schusterfest auf dem Markt statt.

Die Stadtkirche

preetz-stadtkirche

Wenige Spuren haben sich vom ältesten Bau des mittleren 12. Jh. erhalten. Bestehen blieb dagegen der gotische Chor des 14. Jh. (und wurde später zur separaten Kapelle, der »Kleinen Kirche< umgestal-tet), als man das einschiffige Gotteshaus aus Feldsteinen 1725-28 unter Leitung von Rudolf Matthias Dallin zum barocken Saal erweiterte. Vervollständigt wurde der Umbau 1733 durch eine Regence- Ausstattung mit zum Teil prächtig durch Pilaster und Akanthuswerk verzierten Logen und Emporen, deren westliche die Orgel von Nikolaus Plambeck (1734) trägt. Die kostbare Ledertapete der südlichen Emporenloge, des Klosterstuhls, zeigt Wappen aller Priorinnen, Pröpste und eines Teils der Konventualinnen des Klosters. Älter sind noch die schlichte Granittaufe (13. Jh.), ein hölzernes Kruzifix (15. Jh.) und das Epitaph von Thienen (1580), das in einer niederländisch beeinflussten Säulenädikula im Relief die Stifter unter dem Kreuz zeigt, bekrönt von Gottvater. Zwei der prächtigen Messingkronleuchter des 17. Jh. stifteten die Schneider- und Schusterinnung (mit Stiefel samt Spornrad als Zunftzeichen), deren Meister ihre Namen eingravieren ließen.

Die Klosterkirche

Um 1211 stiftete Graf Albert von Orlamünde zu Ehren der hl. Jungfrau und Johannes d. T. das Benediktinerinnen-Kloster >Campus Beatae Mariae<, dem zu Beginn zahlreiche Lübecker Bürgerstöchter angehörten, bis es sich im Lauf des 15. Jh. zu einem Adelsstift entwickelte. Heute noch erkennt man den Charakter der einst befestigten Anlage im Tal der Schwentine mit Wassergräben, Mauern und breitem Torbau aus Backsteinen, ln Gruppen stehen die Konventu- alinnenhäuser des 16. bis 19. Jh., abgebrochen wurden die Klausurgebäude bis auf das Refektorium.

Auf eine lange Tradition kann die jetzt bestehende Kirche zurückblicken, das Krüppelwalmdach mit zierlicher barocker Dachreiterlaterne (1783 von Johann Adam Richter) und eine neo-gotische Renovierung durch Joseph Eduard Mose (1885) haben das Äußere stark verändert, während der Innenraum weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten blieb. Gegen 1325 hatte man an der Stelle einer knapp 100 Jahre älteren Vorgängerkirche begonnen, die frühgotische Stutzbasilika zu errichten: eine Sonderform. Im Gegensatz zur >ech-ten< Basilika von drei oder mehr Schiffen weist sie in der Obergadenzone des Mittelschiffs statt lichtspendender Fenster geschlossene Flächen auf, in Preetz hohe Blendbögen. Dadurch wird der Raum in-direkt von den Seitenschiffen beleuchtet, ganz anders dagegen der helle Chor mit seinen hohen Fenstern. Den zentralen Chorus trennt eine Mauer von beiden Seitenschiffen und zwei westlichen Jochen des Mittelteils, zum >Sanctuarium< mit dem mächtigen barocken Hochaltar grenzten die Stiftsdamen sich durch das große schmiedeeiserne Chorgitter der Regence von Max Dahl ab (1738). Mit Abstand das bedeutendste Kunstwerk bildet aber ein gotisches Gestühl für 70 Nonnen im Chorus, das größte erhaltene in Norddeutschland. Um 1335-40 schuf es ein unbekannter Künstler, wahrscheinlich der Meister des Gestühls der Lübecker Katharinenkirche. Als Mustersammlung gotischen Maßwerks dieser Zeit hat man den ältesten Teil bezeichnet, die westliche Reihe von elf Sitzen mit dem der Priorin in der Mitte und Ehrenplätzen zu ihren Seiten für die würdigsten Nonnen. Kostbar geschnitzte Wimperge mit Maßwerk, Blattranken und Prophetenmedaillons bekrönen die Baldachine. Von den wenige Jahrzehnte jüngeren Längsseiten des Gestühls haben sich im wesentlichen die östlichen Wangen und Rückwände erhalten. Ein >Meister Peter< malte um 1490 Szenen des Alten und Neuen Testaments, Propheten, Apostel und Heilige in zwei Reihen auf die Felder: leider wurden diese Bilder im mittleren 17. Jh. vergröbernd restauriert, dafür allerdings mit gereimten Legenden in niederdeutscher Sprache versehen, ein interessantes sprachhistorisches Zeitzeugnis. Verändert und ergänzt wurde dieses einmalige Ensemble um 1700, als man barocke Logenreihen und Emporen auf den Wänden zwischen Chorus und Seitenschiffen anbrachte.

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