REISEN ZUR KUNST IN SCHLESWIG-HOLSTEIN 11


Die Dreifaltigkeitskirche

Friedrichsberg sollte man nicht verlassen, ohne einen kurzen Blick in den einschiffigen, einst flach gedeckten Saalbau der Dreifaltigkeitskirche geworfen zu haben. Nach Plänen des herzoglichen Sekretärs, Bibliothekars und Mathematikers Adam Olearius wurde sie 1650/51 dank einer Stiftung von Elisabeth Behling errichtet. Damit erklärt sich auch das Wappen über dem schönen Hauptportal an der Südseite. Ungleich bedeutender ist allerdings das Epitaph der Familie Behling aus dem Jahr 1668 im Inneren (Hans Gudewerdt d. J. zugeschrieben). In hochovalem Schild und Putten-Mandorla triumphiert Christus als Relief über Welt, Tod und Teufel, gerahmt von deutlich größeren und zudem plastischen Standfiguren: der Stifterin (links) und zwei Offizieren, ihrem Gatten und Sohn (rechts). Bemerkenswert sind noch die Sandsteintaufe mit Putten und Knorpelwerk des Cornelius van Mander (1651) und die geschnitzte Kanzel (1650), deren christologische Reliefs älteren Datums aus einer Rendsburger Werkstatt stammen. Der ursprünglich spätbarocke Säulenaltar (1718) wurde verändert, ergänzt und teilweise 1902 dem Orgelprospekt (1687-88 von Ahasverus Schütze aus Lübeck) einverleibt.

Schön bietet sich der weite Panoramablick über Schlei und Altstadt mit Dom demjenigen, der entlang der Michaelisallee auf dem nördlichen Moränenhang spaziert. Neobarock mit leichten Jugend- stil-Anklängen – mit dieser Formel könnte man die Lornsenschule von Hans Schnittger (1909) kennzeichnen; Kolossalpilaster, Mittel und Seitenrisalite gliedern den breiten, schlossähnlichen Ziegelbau an der Michaelisallee. An der Michealisallee findet sich auch auf einer Anhöhe das Bellmann-Chemnitz-Denkmal, zur Erinnerung an zwei Schleswiger Bürger, den Advokaten Matthäus Friedrich Chemnitz und den Kantor Carl Gottlieb Bellmann. Landesweit fanden sie Anerkennung, als man 1844 beim Sängerfest hier in der Stadt erstmals ihr Lied anstimmte: »Schleswig-Holstein, meerumschlun- gen/deutscher Sitte hohe Wacht …« Während der deutsch-dänischen Kämpfe avancierte es zur Landeshymne, manchen Lokalpatrioten gar zur >Nationalhymne des Nordensc Paul Peterich entwarf 1894 die Bronzeplastik eines schreitenden jugendlichen Helden mit Leier und erhobenem Schwert. – Ab 1925 entstand hier die Beamtensiedlung Neustadt nach Konzepten von J. Petersen. Dunkelrote Ziegel knüpfen an landesübliche Traditionen und verweisen durch behutsam eingesetzten expressionistischen Zierrat auf neue Entwicklungen modernen Städtebaus. In einer Biegung der hügelan steigenden Bellmannstraße (26) dominiert die ehemalige Höhere Landbauschule (1930) das Ensemble. Breit erhebt sich über der Freitreppe mit Bronze-Fischer der zweigeschossige Ziegelbau samt Mittelrisalit, nach Westen ergänzt durch eine Turnhalle mit schöner Giebelfront über Spitzarkaden.

Dreifaltigkeitskirche
Dreifaltigkeitskirche

Rund 10 km nördlich von Schleswig erinnert die Gedächtnishai le auf dem ehemaligen Kampfplatz an die Schlacht von Idstedt am 25. Juli 1850. Zahlenmäßig überlegene dänische Truppen errangen damals während der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848/51 einen Teilerfolg. Seit 1880 hat man Erinnerungsstücke zusammengetragen: Gemälde, Dokumente zur Geschichte, Waffen, Fahnen und Uniformteile. Gekennzeichnete Wanderwege führen zu den Gräbern, über 5000 Soldaten fanden hier den Tod. Dass die Region wesentlich länger besiedelt war, beweist die Idstedter Räuberhöhle – ein guterhaltenes und zugängliches Megalithgrab der jüngeren Steinzeit (ca. 4000 Jahre alt) mit Erdhügel im Idstedter Forst, rund 5 km südlich von Idstedt. Der Name des Hünengrabes deutet zugleich auf eine der Gefahren, denen Reisende auf dem Ochsenweg ausgesetzt waren: Ein Stück der alten Handels- und Heerstraße besteht noch zwischen Lürschau und Idstedt.

Als Förde, weit in das Festland ragende Meeresbucht, gehört die Schlei mit rund 40 km Länge zu den größten des Landes und bietet ein reizvolles Segelrevier. Weil die Schlei allerdings gleichzeitig deren flachste (maximal 15 m tief) und schmälste ist, erlaubt dieser Meeresarm nur relativ kleinen Booten den Schiffsverkehr, und das seit Jahrhunderten; verglichen mit anderen Fördestädten war Schleswig also benachteiligt. In gewundenem Lauf trennt sie Angeln von Schwansen und fließt gemächlich durch sanft-liebliche Hügel und Wiesen mit wenigen Waldflecken. Kurz vor ihrem Ende bei Schleswig weitet sich die Schlei bis auf 4000 m, zumeist liegen die Ufer etwa 1000 m auseinander, eng wird es bei Missunde: rund 135 m Breite.

Wie gering die Strömung ist, erkennt man auch daran, dass die Sandbarriere vor der Ostsee am Leuchtturm Schleimünde für Schiffe künstlich offen gehalten werden muss. Neben den Fähren von Missunde und Arnis überwinden heute die Klappbrücke von Lindaunis (einspurig für Autos und Eisenbahn) und die Drehbrücke von Kappeln den Wasserarm.

Zwischen Schlei und Flensburger Förde, östlich der Linie von Flensburg nach Schleswig erstreckt sich Angeln. Zahlreiche Spuren der Vor- und Frühgeschichte: Hünengräber, mündliche Überlieferungen, aber auch schriftliche Dokumente und Zeugnisse der jüngeren Kultur sowie Kunstwerke der Neuzeit künden davon, dass diese stille und verträumt-ländliche Region seit langem besiedelt ist. Erbittert wurde um ihren Besitz gekämpft. Etwa 800 n. Chr. drängten germanische Krieger aus dem Norden in den fruchtbaren Landstrich. Andererseits waren von hier aus schon Mitte des 5. Jh. gemeinsam mit den Sachsen (nördlich der Schlei) die Stämme aufgebrochen, die Großbritannien besiedeln sollten. Kleine Städte, Bauerndörfer und reiche Güter mit schmucken, teils prunkvollen Herrenhäusern geben der Region ihren Charakter. Ländliche Feldsteinkirchen verblüffen mitunter durch bedeutende Sehenswürdigkeiten: Kleine Gemeinden wussten oft ältere Kunstwerke zu schätzen – erwarben sie auch günstig -, die in reicheren Orten ausrangiert und ersetzt wurden. Häufiger als in anderen Landesteilen findet man hier im Nordosten die für Schleswig-Holstein typischen Knicks – niedrige, nur rund einen Meter hohe, bäum- und buschbewachsene Erd- und Steinwälle. Mit Weißdorn- und Haselsträuchern, Schlehen, Brombeeren und Himbeeren geben sie der Landschaft ihren ganz eigenen Charme. Dem Vieh bieten sie Schutz vor Wind und Wetter und sollen es daran hindern, auf die Felder zu laufen.

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