REISEN ZUR KUNST IN SCHLESWIG-HOLSTEIN 3


Zeugnisse des Lebens und Wohnens finden sich in erstaunlicher Vielfalt und Qualität, Möbel und Gebrauchsgegenstände seit der Renaissance, aus dem Land selbst, aber auch aus den Niederlanden. Porträts, etwa das Bild Friedrichs des Weisen von Lucas Cranach d. Ä. (1525), oder Fayencen spiegeln Bedürfnisse gehobener Lebenskultur. Eine Lübecker Weinstube von 1644 dokumentiert, dass und in welchem Umfang das aufstrebende Bürgertum fürstliche Repräsentation nachzuahmen verstand. Niedrige Bauernstuben verschiedener Landesteile hat man in das flachere Mezzanin eingebaut. Selbstverständlich sind die herzoglichen Repräsentationsräume renoviert worden: Der Hirschsaal mit Jagdtrophäen, Kamin und Gewölbemalereien (1595) diente zu Festen und Banketten, der Blaue Saal mit stuckierten Stadtprospekten (um 1645) und der Weiße Saal (1635) mit der wohl üppigsten Stuckdecke im Schloss zeugen von der ungebrochenen Prunksucht der Herzoge wie auch der Kunstfertigkeit der Handwerker in einer Zeit, die alles andere als ruhig und friedlich war: Man lebte schließlich noch im Dreißigjährigen Krieg.

Den unbestrittenen Höhepunkt der feudalen Schauräume aber bildet die Kapelle (1590) im Erd- und Obergeschoss des Nordflügels. Ionische Säulen tragen die Empore des Flensburger Meisters Heinrich Kreienberg, die 30 Ölgemälde des Marten van Achten an der Brüstung zeigen Szenen aus dem Leben Christi. Aus der älteren Gottorfer Schlosskapelle – ursprünglich im Ostflügel – übernahm man die Orgel von dem >Orgalsnitger< Johann von Groningen. Zwischen den beiden Emporen spannt sich die herzogliche Betstube (1609-15), ihre Prunkfassade dominiert die Nordwand. Innen überreich mit kostbaren Schnitzereien und Einlegearbeiten verziert, eines der wesentlichen Werke der Intarsienkunst der Zeit im gesamten nordeuropäischen Raum, ist die Außenfront durch korinthische Säulen gegliedert und in der Bekrönung mit Darstellungen der Tugenden und Wappen dekoriert. Das überreiche Schnitzwerk der Putten, Engel und anderen Figürchen lässt den eigentlichen Zweck des Betstuhls fast vergessen. Den Altar (1666), aus Ebenholz mit Silberreliefs (Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt), schuf der Hamburger Goldschmied Hans Lambrecht. Zusammen mit der Kan-zel von 1590-92 des Heinrich Kremberg – dank der ebenfalls wieder üppigen, wenn auch verglichen mit dem Betstuhl einfacheren Dekoration gehört sie zu den bedeutendsten der Renaissance im Lande – sowie den Beichtstühlen und Gemeindeplätzen der Entstehungszeit ergibt sich ein außergewöhnlich harmonischer Eindruck des Raums, ein nur selten so komplett erhaltenes Ensemble.

Im ehemaligen Exerzierhaus vor dem Westflügel (1857) hat die Abteilung für Vor- und Frühgeschichte ihren Platz gefunden: das Ny- dam-Boot, das im 4. Jh. n. Chr. im Moor von Nydam geopfert wurde, und eine stattliche Kollektion von Moorleichen. Mit seiner Länge von 23 m bei einer Breite von gut 3 m bot das älteste erhaltene einst seetaugliche Schiff Raum für rund 45 Mann Besatzung, 18 Ruderer trieben es vorwärts. Schon der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus berichtet in seiner Schrift >De origine et situ Germanorum< (Über Herkunft und Wohnsitz der Germanen, um 100 n. Chr.) über offene Boote dieses Typs, die rund 500 Jahre vor den Wikingern bis nach Britannien gefahren sein könnten, Abbildungen kennt man von Steinreliefs auf Gotland. Geborgen wurde es mit einer stattlichen Waffensammlung: Sie hätte zur Ausstattung von etwa 450 Kriegern gereicht, zum Teil wiesen die Äxte und Schwerter Kampfspuren auf. – Eher makaber muten die anderen hier ausgestellten vorgeschichtlichen Zeugnisse an: Experten rätseln, ob es sich bei den Moorleichen um Täter oder Opfer handelt, Relikte der Strafjustiz, religiöser Wahnvorstellungen oder von Unglücksfällen im Sumpf. Interessant ist weiter, dass sich bei einigen Moorleichen Reste der Bekleidung oder eines speziellen Haarknotens erhalten haben. Schon Tacitus schilderte diese bei den Sueben verbreitete Haartracht, auf der Trajans-Säule in Rom findet man sie abgebildet.

Weit mehr als nur regionale Bedeutung haben auch die Sammlungen moderner Kunst, von Kunsthandwerk und Design im Kreuzstall des Schlosses. Kunstwerke des 20. Jh., die inzwischen >Klassische Modernes wird hier übersichtlich präsentiert. Der in Wedel geborene Emst Barlach ist ebenso vertreten wie Gerhard Mareks, Emil Nol- de ebenso wie der Schwabe H(elmut) A(ndreas) P(aul) Grieshaber – um nur wenige Namen zu nennen. Moderne Skulpturen zieren in reizvollem Kontrast zum historischen Bau den Garten.

In das Körnerhaus, die Truppenbäckerei, Wagenremise und andere Gebäude des 1870-1904 als preußisches Futter- und Proviant-lager errichteten historischen Bau-Ensembles auf dem Hesterberg (im Dänischen: Pferdeberg) ist seit dem Herbst 1996 die Volkskundliche Abteilung der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen eingezogen. Ihre stattliche Sammlung von über 100 historischen Fahrzeugen aller Art umfasst Schlitten, auch für Kinder, Bauernwagen und elegante Kutschen.

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