REISEN ZUR KUNST IN SCHLESWIG-HOLSTEIN 8


Von ganz eigenem Reiz ist noch der backsteinerne dreiflügelige Kreuzgang Schwahl (1310-20). Im 18. Jh. hat man das mittelalterliche Obergeschoss abgebrochen, sodass der Eindruck der Gesamtanlage heute nicht mehr dem einstigen Zustand entspricht. Trotzdem bleibt das Innere eines der wichtigsten Beispiele gotischer Baukunst in Schleswig-Holstein und bildet mit seinen reichen und überwiegend gut erhaltenen Fresken (Lebensgeschichte Christi) aus der Erbauungszeit ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk. – Zu den ältesten und in seiner imponierenden Schlichtheit markantesten Bauteilen des Doms gehört das Petri-Portal (um 1180) außen am südlichen Querschiff. Dreifach gestuft mit Säulenpaaren, handelt es sich um ein rundbogiges Rücksprungportal aus Granit, gotländischem Kalkstein und rotem Sandstein aus Schonen. Den thronenden Christus zeigt das Relief im Bogenfeld über dem Türsturz, inmitten von Evangelistensymbolen, Heiligen und dem königlichen Stifter mit einem doppeltürmigen Modell seines Doms.

Im Inneren des St. Petri Doms
Im Inneren des St. Petri Doms

Rings um den Dom standen die alten Kurien. Stattliche Bauten lassen bis heute den Charakter der geistlichen Residenz ahnen. Das Königsteinsche Palais (Norderdomstr. 15), ein großer, zweigeschossiger Backsteinbau, war einst Bischofssitz, gelangte nach Auflösung des Bistums 1660 in private Hände und wird heute von öffentlichen Ämtern genutzt; aus dem 15. Jh. stammen die frühesten Gebäudeteile. Zu den ältesten Wohnhäusern Schleswigs gehört das Kalands- haus (auch: Lundtenhaus, Norderdomstr. 4). Als man es zu Beginn des 19. Jh. grundlegend erneuerte, bewahrte man den gotisch gestuften Treppengiebel. Auch den Hattenhof (Süderdomstr. 15/15a, jetzt ebenfalls Behörde) bewohnten nach der Reformation Beamte des Herzogs, zeitweilig diente er als Waisenhaus und danach 1808-71 als Domschule. Damals wurde das Palais dem Zweck entsprechend radikal vereinfacht. Erhalten haben sich aber zwei romanische Skulpturen des frühen 12. Jh., ein Löwe und ein Königskopf. Den eingeschossigen Plessenhof (Plessenstraße 7, Touristinformation) ließ sich 1798 der Arzt Johann Friedrich Licht als >Bellevue< errichten, ein imponierender Breitbau mit Mansarddach, Mittelrisalit und Säulenportikus.

Nur wenige Schritte östlich des Doms liegt das bürgerliche Zentrum Schleswigs: der alte Rathausmarkt. Zwar wirken Name wie Mauern des Grauklosters – nach der Farbe der Kutten der Bettelmönche – unscheinbar, doch der äußere Eindruck täuscht. Lange schon vor der Gründung des ehemaligen Franziskanerklosters (1234) bestand hier wahrscheinlich im mittleren 11. Jh. ein dänischer Königshof, Reste der pfalzartigen Anlage mit einem Wehrturm traten bei Grabungen zutage. Hier wurden, das bezeugen Urkunden, diplomatische Verhandlungen zwischen Dänemark und dem Bremer Bischof geführt. Auf dem festlichen Reichstreffen 1218 ließ Waldemar II. sich zum dänischen König krönen. Sein Nachfolger, Herzog Abel, überließ den Mönchen das Areal mitsamt Gebäuden. Doch mit der Reformation kam auch das Ende des Klosters.

In die frühgotische Klosterkirche zog man eine Zwischendecke, um das Obergeschoss als Rats- und Festsaal nutzen zu können. Erst als dieser architektonische Kompromiss baufällig wurde, riss man das Gebäude ab und errichtete 1794/95 nach Plänen von Peter Wichmann das heutige Rathaus. Umfangreiche Teile des Königshofs (vor 1234) und des mittelalterlichen Klosters, wie der Kreuzgang, haben sich erhalten oder wurden 1980-83 behutsam wiederhergestellt. Immerhin war diese Anlage eines der größten Franziskanerklöster der Region. Überdauert hat im nördlichen Teil des Ostflügels der gotische Saal, ursprünglich vielleicht ein Hospital, mit Wandmalereien – wie einer groß angelegten Kreuzigungsgruppe nach Art eines Tafelbildes – aus dem 13./14. Jh., die an Fresken im Domkreuzgang Schwahl erinnern. Außen präsentiert sich der südliche Westflügel im Erdgeschoss geschlossen, die Klosterpforte zeigt noch ihre aufwändige zweistöckige Blendarchitektur der Gotik.

Daran schließt sich, auf den Grundmauern der alten Kirche, das Rathaus an. Bänder teilen die ungleich hohen drei Geschosse, Pilaster fassen das erste und zweite Stockwerk an der Giebelfront zum Markt zusammen. Im Ständesaal der Osthälfte mit seinem hohen Spiegelgewölbe (unterstützt in der Wirkung durch die gemalte Kas- settierung) tagte 1836^18 die Ständeversammlung. Den von vier Granitsäulen getragenen Giebelvorbau sahen vor allem unredliche Kaufleute mit gemischten Gefühlen, diente er doch im Mittelalter als Kaag (Kaak), um Missetäter an den Pranger zu stellen. Der Eingang befindet sich an der Längsseite, man betritt das Rathaus durch das Hauptportal im sandsteinemen Ädikularahmen. Vis-ä-vis am Rathausmarkt 14 ließ Friedrich I. 1517 am Standort des Hauses der Knudsgilde die älteste öffentliche Apotheke des Herzogtums errichten.

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