REISEN ZUR KUNST IN SCHLESWIG-HOLSTEIN 9


Für den kleinen Umweg zum Alten Hafen mit Auslegerkran und ausgemusterten Seezeichen entschädigt der weite Blick über die Schlei reichlich. Zur Saison erhält man hier täglich frische Heringe, außerdem ist der Hafen eine der beiden Anlegestellen für Schlei- Rundfahrten. Die andere liegt nahe dem Schloss am Gottorfer Damm: Schleihallenbrücke. Hobby-Wikinger veranstalten alle zwei Jahre im Sommer unter der Regie des Schleswiger Vereins für Wikingerkultur >Opinn Skjold< wie auch des Kulturamtes die Wikingertage auf den Königswiesen an der Schleiwohl das populärste Fest der Stadt.

Im dänischen Sprachraum bedeutet Holm Insel – und so klärt der Name dieses Stadtteils gleich über die ursprüngliche Lage der alten Fischersiedlung auf; spät erst wurde der Holm landfest gemacht. Über die Knud-Laward-Straße, vorbei am Holm-Museum (einer Außenstelle des Städtischen Museums), und entlang der Süderholmstraße gelangt man ins Herz des längst (1711) eingemeindeten Dörfchens, das aber den Charme seiner Anfänge überzeugend zu wahren wusste. Mittelpunkt ist die kleine Kirche (1876) auf dem Holmer Friedhof. Nicht zufällig liegt hier ausgerechnet der Kirchhof im Zentrum. In der kleinen Kommune teilte man alles, organisierte auch das Sterben gemeinschaftlich. Seit 1615 kümmert sich die >Holmer Beliebung< als Totengilde um ihre Mitglieder. Wie um einen Markt reihen sich die einstöckigen Backsteinhäuser (18./19. Jh.) hier um den Kirchhof, viele mit Utlucht (Erker) und >Klöndör<, deren obere Hälfte sich zu nachbarlichem Plausch öffnen ließ.

St. Johannis- Kloster
St. Johannis- Kloster

Direkt an der Schlei liegt am östlichen Rand des Holms auf sanftem Hügel auch ein weiteres Kleinod Schleswigs: das St. Johannis- Kloster. Erstmals 1250 erwähnt, bestand der kleine Benediktine- rinnen-Konvent nie aus mehr als neun Nonnen. Auf Drängen der Ritterschaft wandelte man das Kloster während der Reformation, ähnlich wie in Preetz, Itzehoe oder Uetersen, in ein Stift für adlige Damen um. Aus einer älteren Pfarrkirche ging der jetzige Bau hervor, mehrfach nach Bränden und Sturmschäden ergänzt und verändert. Zahlenanker am Westgiebel (1639, 1735) erinnern an die bewegte (Bau-)Geschichte. Trotzdem haben sich hier Teile eines der ältesten Gotteshäuser der Stadt (12. Jh.) aus Tuff und Feldstein erhalten, so der massive quadratische Westturm, der ganz unter dem Satteldach und dessen zierlichem Reiter (1907) verschwunden ist. Romanische wie gotische Stilelemente verbinden sich harmonisch im schlichten Kreuzgang. Besonders wohlhabend war das Kloster nie, deshalb findet man auch keine spektakulären Kunstschätze, aber doch eine recht bedeutende Ausstattung der Erbauungszeit. Nonnenempore und Stiftsdamenchor prägen die Raumgestalt der Kirche, zugleich mit dem Chor entstand wohl im späten 15. Jh. das schlanke Sakramentshaus, nur wenige Exemplare dieses Typs finden sich in Schles-wig-Holstein. Um 1240 – und damit ist es das älteste weitgehend erhaltene im Lande – schnitzten unbekannte Künstler das Nonnenchorgestühl, seine filigranen Fabelwesen symbolisieren die Bedrohung des Menschen durch dämonische Mächte (jetzt im Remter).

Gut betuchte Bürger siedelten sich auch nördlich des Rathausmarktes an. Die Einmündung der Markt- in die Lange Straße dominiert ein zweigeschossiger Backsteinbreitbau des 17. Jh., niederländischen Einfluss verraten Fenster und die Gliederung der Außenwände. Nur wenige Schritte weiter ließ sich der Kaufmann und Brauer Johann Jürgen Arbo 1735 das üppigste spätbarocke Wohnhaus der Stadt errichten (Arbosches Haus, Lange Straße 9). Reich ist die fünfachsige Front des zweistöckigen Baus dekoriert, Rustika und der geschweifte Giebel über dem Zwerchhaus des Mittelrisalits betonen die Vertikale, unterschiedliche Fensterbedachungen, Kartusche und Wappen bilden weitere Schmuckelemente. Dass sich auch mit Ziegeln Merkmale repräsentativer Architektur realisieren lassen, beweist einmal mehr der Giebel des Hauses Lange Str. 19. Im mittleren 18. Jh. blendete man ihn dem älteren Fachwerkbau (16. Jh.) vor, kolossale Pilaster verbinden beide Geschosse unter dem profilierten Gesims mit kleinem Segmentbogengiebel in der Mitte.

Einander gegenüber liegen am Gallberg, der Fortsetzung der Langen Straße, zwei weitere bemerkenswerte Beispiele bürgerlicher Wohnkultur. Der herzogliche Kellermeister Hans David Freins ließ sich 1663 ein zweigeschossiges Backsteintraufenhaus (Freinssches Haus, Gallberg 3) erbauen, das seine Anleihen aus dem niederländischen Frühbarock nicht verleugnen kann. Engelsköpfe und Knorpelmasken grüßen oder wehren Dämonen ab. Ein Jahr später entstand der ehemalige Schmiedenhof auf der anderen Straßenseite (Gallberg 4) für den herzoglichen Kammerdiener Joachim Schmieden. Auch er legte Wert auf verspielten bauplastischen Zierrat an Fenstern und der sandsteinumrahmten Durchfahrt.

Leicht in die Irre führt der Name: Das Präsidentenkloster stiftete der Gottorfer Kanzler und spätere Regierungspräsident Johann Adolf Kielmann von Kielmannseck 1656 als Armenhaus (Stadtweg 57). Über 15 Fensterachsen erstreckt sich der eingeschossige Backsteinbreitbau. Nicht nur architektonischen Gesetzen genügte die symmetrische Ordnung der drei Zugänge: Getrennt durch das Kapellenportal aus Sandstein mit Stifterwappen, Kruzifix und Inschrift, gab es einst für Männlein und Weiblein separierte Wohngemeinschaften. Rund 100 Jahre älter noch als das Haus selbst sind der qualitätvolle spätgotische Altar (um 1520) und eine schöne Kreuzgruppe (um 1500), der Rest der Ausstattung stammt aus der Erbauungszeit. Durch Eleganz und reichen Dekor fällt noch die barocke Schrankorgel (17./18. Jh.) auf. Die Ostdeutsche Heimatstube erinnert daran, dass viele Flüchtlinge nach 1945 zunächst in Schleswig-Holstein Aufnahme fanden.

Entlang der ehemaligen Einstraßensiedlung Lolifuß, auf dem Weg zum Schloss, finden sich noch eine Reihe früherer Adelssitze. Als letztes dieser großen Palais errichtete Landesbaumeister Johann Gottfried Rosenberg 1754 Heespens Hof (Lollfuß 78), der heute das Amtsgericht beherbergt. Ein breiter Mittelrisalit mit segmentbogi- gem Giebel lockert den langen 13-achsigen Bau auf. Malerischer und einfallsreicher kann – Puristen ein Graus! – Eklektizismus schwerlich ausfallen als am Kreishaus (Flensburger Str. 7). Den teils verputzten Ziegelbau mit ornamentalem Fachwerk des Ernst Erhardt (1893/94) erweiterte Carl Mannhardt 1912/13 in neo-barocken Formen. Monumental künden die Fresken von Kai Heinrich Nebel (1926) im Kreistagssaal in Neuer Sachlichkeit von der Landschaft Angeln zwischen Flensburger Förde, Ostsee und Schlei, von ihren Menschen und Tieren.

Für mehr Infos: Reiseführer Allgaeu, Halong Bucht Tour, Mekong Delta 1 day trip, Vietnam Kambodscha Rundreise 2014