Rosenstadt und Musenhof: Eutin 2


St. Michaelis Kirche in Eutin
St. Michaelis Kirche in Eutin

St. Michaelis

Zu Beginn des 13. Jh. entstand die kleine gewölbte Backsteinbasilika, ein aufwändiger spätromanischer Bau, vergleichbar den Kirchen von Altenkrempe oder Mölln, der Eutins Bedeutung als Bischofssitz hervorheben sollte. Jünger sind der gotische Hallenchor und der zweigeschossige Anbau an der Nordseite des Chors mit filigranen Netzgewölben (um 1350). Nach einem Brand 1492 verbreiterte man das südliche Seitenschiff im Osten und fügte den fast quadratischen Kapellenanbau in der Mitte hinzu. Der frühgotische Westturm von 67 m Höhe mit seinem markanten achteckigen Spitzhelm prägt die Silhouette der Stadt. Reste der Ausmalung des frühen 14. Jh. haben sich in den Chorgewölben erhalten. Selten findet man eine gotische Mondsichelmadonna als hängenden Leuchter (1322). Auf Löwenfüßen ruht der siebenarmige Standleuchter aus Bronze mit einem Relief des hl. Michael am Schaft seit 1444; ungewöhnlich ist dieser Typ in Schleswig-Holstein, ein vergleichbares Werk findet sich nur in der Nikolaikirche zu Mölln. Drei kniende Engel tragen die Fünte der bronzenen Taufe mit Kielbogenschmuck und einem Kruzifix; wahrscheinlich hat sie der Lübecker Meister Peter Wulf gegossen (1511). Die Holzkanzel der späten Renaissance mit ihren Säulen und Reliefs Christi und der vier Evangelisten schnitzte Claus Lille 1653. Im Brustkorb des lebensgroßen gotischen Triumphkreuzes aus dem 13. Jh. ist hinter einem Bergkristall ein Splitter vom Kreuz Christi eingelassen; angeblich hat Bischof Burkhard II. von Serkem von einer Italienreise diese Reliquie mit nach Eutin gebracht. In der Turmhalle steht die Grabplatte des Ritters Tile Berner und seiner Frau Anna, dargestellt sind beide in der zeitgenössischen Tracht des 16. Jh. Ihnen ist im Chor noch ein Sandstein-Epitaph niederländi-schen Stils gewidmet: Im pilasterumrahmten Hauptfeld knien der Ritter und seine Frau seitlich eines Kruzifixes. Die modernen Glasfenster in Turm und Apsis von Siegfried Aßmann wurden nach der Renovierung 1960/61 angebracht.

Nahezu rechteckig bietet sich der Markt dem Besucher als Ensemble schöner alter Gebäude. An der Südseite dominiert das stattliche Rathaus (Markt 1), das Peter Richter 1788-91 erbaute. Über dem rustizierten Untergeschoss mit zwei korbbogigen Einfahrten und Mitteltür gliedern jonische Kolossalpilaster den fünfachsigen Putzbau unter flachem Walmdach. Der Obelisk davor von L. Zitz erinnert an die Opfer des Krieges 1870/71. Reizvollen Jugendstildekor und Elemente der Neorenaissance zeigt die Häusergruppe Markt 6-8 (1907 nach einem Brand neu errichtet). Weit prächtiger ist dagegen das ehemalige herzogliche Witwenpalais (Markt 9) mit seinem dreiachsigen Mittelrisalit ausgefallen, das Peter Richter 1786/87 errichten ließ. Läden sind heute in die Passage im Küchenhaus, einen ehemaligen Wirtschaftsteil, eingezogen. Nach einem internationalen Bildhauer-Symposion in Eutin 1977 erwarb die Stadt die moderne Granitskulptur des Japaners Joskito Fugibe. Noch aus dem Jahr 1635/38 stammt das alte Fachwerkgiebelhaus (Markt 10, Laden im Erdgeschoss von 1933) mit vorkragendem Obergeschoss. Kühlung bietet der moderne Brunnen von S. Senfft davor, weit intensiver erfrischt Eutins Bürger allerdings die erste Privatbrauerei am Ort mit ihrem Ziegel-Fachwerkbau aus zwei Gebäuden des 18. Jh., die um 1850 unter einem hohen Walmdach zusammengefasst wurden. Hier versammelte sich im November 1918 der Arbeiter- und Soldatenrat Eutins (Markt 11). Einst hieß die Königstraße >Achter den Tome< – gemeint war der Kirchturm – und führt, vorbei an der Marmorskulptur des dänischen Künstlers Jasper Neergaard (ebenfalls 1977 nach dem Bildhauer-Symposion erworben) und der ehemaligen Hof-Apotheke von 1694, einem stattlichen, zweigeschossigen Fachwerktraufenhaus, zum Rosengarten mit der Bronzeplastik des Dumm Hans von Karlheinz Goedtke (1990). >De plietsche Buurnjung< entstand nach einer Figur des >Märchenprofessors< Wilhelm Wisser (1843-1935), der mehr als 600 plattdeutsche Volksmärchen wortgetreu aufzeichnete. Durch den Rosengarten gelangt man zur Stadtbucht des Eutiner Sees – und damit zu einem herrlichen Ausblick auf die Wasserfläche und baumbestandenen Ufer sowie zum Haus des Kurgastes direkt am Ufer. Dort am Anleger beginnen auch die Bootsfahrten über den See.