Rosenstadt und Musenhof: Eutin 4


Erst 1938 wurden mehrere Orte zur Großgemeinde Schönwalde am Bungsberg vereinigt, das Kirchspiel selbst ist freilich viel älter. Schon 1240 erstmals erwähnt, dürfte mit dem Bau des feldsteinernen Saalbaus der frühen Gotik bald nach dieser Zeit begonnen worden sein. Der dreiseitige Ostabschluss aus Ziegeln kam 1693 hinzu, der neogotische Westturm folgte 1857. Die vier Evangelisten, Putten und Vasen flankieren auf dem Barockaltar von 1762 eine rund 100 Jahre ältere Kreuzigung. Reicher Renaissancedekor mit Tugend-Reliefs zwischen Hermenpilastern zeichnet die Kanzel (1647) aus. In der Alten Schule von 1823 fand das Dorfmuseum Schönwalde a. B. sein Heim. Landarbeiter und Bauern, Handwerker, Frauen und Kinder: Ihr Alltag im 19. und 20. Jh. steht mit den jeweils charakteristischen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt. Schuhmacher, Stellmacher, Drechsler, Schmiede und Reepschläger waren hier tätig. Im >Ool Sprüttenhus< – dem ehemaligen Feuerwehrgebäude -, finden sich eine funktionstaugliche Schmiede und landwirtschaftliches Großgerät.

Elisabethturm
Elisabethturm

Vom Elisabethturm auf dem Bungsberg, der mit 168 m höchsten Erhebung des Landes, genießt man einen herrlichen Rundumblick, bei guten Bedingungen nach Fehmarn und auf die dänischen Inseln. P. F. L. Bielfeld errichtete den mittlerweile auf 23 m Höhe aufgestockten klassizistischen Aussichtsturm aus Granitquadern 1863/64, rührend nimmt er sich neben dem modernen Fernsehturm aus. Und noch eine Besonderheit des Landes: Auf dem Bungsberg erlaubt im Winter Deutschlands nördlichster Skilift unerwartete Schussfahrten.

Unmittelbar aus dem Hausgraben steigt die schlichtere Rückfront des Herrenhauses Güldenstein (östlich von Schönwalde) auf und erinnert damit an die Zeit, bevor der elfachsige Dreiflügel-Breitbau von Rudolf Matthias Dallin 1726-28 aus Backsteinen mit weißen Eckrustika errichtet wurde. Mehr an ein Schloss als an ein landwirtschaftliches Gut denkt man bei dem Anblick dieses repräsentativen Gebäudes, das zu den Hauptwerken des späten Barock in Schleswig-Holstein zählt. Aus der Erbauungszeit stammen auch die wertvollen Stuckaturen des J. Bossio. – Der klassizistische Putzbau des Herrenhauses von Gut Petersdorf entstand zu Beginn des 19. Jh. aus einem Doppelhaus des 17. Jh.

Cismarischer Klosterbesitz war das im 13. Jh. erwähnte Tezlawes- torp. Das jetzige Herrenhaus von Testorf entwarf 1774 ein unbekannter Baumeister, 1902 wurde der Backsteinbreitbau deutlich vergrößert. Die gesamte Hofanlage gestaltete Georg Greggenhofer 1764-84 neu, wobei er vorhandene Wirtschaftsgebäude einbezog. – Der Turmknopf der Kirche von Hansühn ist mit seiner Höhe in 145 m der höchste Schleswig-Holsteins, hoch genug jedenfalls, dass man ihn von See aus zur Orientierung nutzen konnte. Als Hugo Groot- hoff 1896 eine neugotische Saalkirche an der Stelle des ursprünglichen Feldsteinbaus aus dem 13. Jh. auf dem Kamm eines eiszeitlichen Moränenzuges errichtete, behielt man die ältere Ausstattung bei. Ein spätgotisches Relief der Kreuztragung und ein Kruzifix übernahm der Künstler, der Ende des 17. Jh. den hölzernen Altaraufsatz gestaltete. Prächtiger noch als die von Putten getragene Taufe ist die durch gedrehte Säulen gegliederte Kanzel (1685) ausgefallen, Paulus und die Evangelisten, Engel mit den Leidenswerkzeugen und eine Pelikangruppe zieren Korb und Deckel. Die ältesten Kunstwerke sind jedoch eine spätgotische Kreuzgruppe mit Maria und Johannes, der hl. Katharina und einem Nothelfer in der Tracht eines Ratsherren, die in der Kirche verteilt neue Aufstellung gefunden haben (um 1520) und eine gotische Sitzmadonna (um 1300).

Auf den ersten Blick vermutet man kaum, dass die Vierflügelanlage des Herrenhauses Farve wirklich einen mittelalterlichen Kern aufweist, so phantasievoll fügen sich Türme, Zinnen und Treppengiebel zu einem fast typischen Beispiel neogotischer Burgenromantik. Nachdem der dänische König die ältere Burg 1480 zerstört hatte, wurde sie bis in die Mitte des 16. Jh. wieder aufgebaut, und schließlich 1837 nach englischen Vorbildern überformt. Durch eine Allee ist die Windmühle, ein Erdholländer von 1828, mit Farve verbunden. – Das Herrenhaus von Gut Friedrikenhof an der Ostsee entstand 1798 als eingeschossiger Backsteinbreitbau mit zweigeschossigem Mittelrisalit. Gut Weißenhaus trägt diesen Namen zu Recht: Nach einem Brand 1895 wurde das stattliche zweistöckige Herrenhaus von 13 Achsen mit Mansardwalmdach in neubarockem Stil errichtet.

Schon 1259 wurde die Kirche in Hohenstein erwähnt, der jetzige Bau entstand freilich erst 1840 im Stil der romantischen Neugotik aus Backsteinen. Theodor Allers schnitzte 1688 den barocken Altar, gedrehte Säulen, Akanthuswerk und Putten umrahmen ein eindrucksvolles Ecce-Homo-Relief unter einem segnenden Christus und dem Kruzifix mit Astkreuz. Hermen und Pelikan zieren den Deckel der reich beschnitzten Taufe (1681). Der Fuß einer romanischen Kalksteintaufe trägt die barocke Kanzel mit ihrem Akanthus- verzierten Korb (1685). Wahrscheinlich stammt die reich geschmückte Gutsloge (1697) aus der Werkstatt von Theodor Allers. – Aus einem Doppelhaus des 16. Jh., das im 18. Jh. um einen dritten Haustrakt erweitert wurde, ging das Herrenhaus von Gut Ehlers- torff hervor.