Till Eulenspiegels Heimat: Kreis Herzogtum Lauenburg


Offenbar in Kenntnis des Vorbildes von St. Marien zu Lübeck schufen einheimische Künstler den Barockaltar von 1730 mit plastisch ausgeführter Kreuzgruppe, der den Chor der Kirche von Groß Gronau beherrscht. Der stattliche Backsteinbau entstand wohl schon im 13. Jh. Aus dieser Zeit stammt auch die Kalksteintaufe, während die Holztaufe mit Girlanden und Evangelisten erst 1721 in die Kirche kam. Phantasievolles Schnitzwerk ziert die Kanzel des Manierismus mit Leinwandgemälden der Propheten (1602) und den filigranen Orgelprospekten (1689). Als Backsteinbau des 13. Jh. entstand St. Johannes in Krummesse, byzantinische Einflüsse verrät die monumentale Wandmalerei der Erbauungszeit, während der Altar (um 1720) auf die Nähe zu Lübecks St. Marien deutet. Kreuzgruppe, Kanzel und Orgel gehören dem 16.-18. Jh. an. – Johann Nikolaus Kuhn entwarf eines der schönsten barocken Herrenhäuser: Steinhorst (1721-24). In warmem Ziegelrot steigt die neunachsige Fassade mit ihren Mittelrisaliten und gequaderten Lisenen aus dem Hausgraben auf. Um 1300 entstand die Hallenkirche von Sandesneben, deren Alter man seit dem Umbau 1874 allerdings schwer erkennt. Recht nahe am Elbe-Trave-Kanal liegt St. Petrus in Berkenthin, im 13. Jh. aus Backsteinen erbaut und bald darauf von einer lübischen Werkstatt ausgemalt. Aus dem 15. Jh. stammt die hölzerne Maria Magdalena, der Altaraufbau aus dem Ende des 17. Jh. Stark überformt präsentiert sich auch die Kirche von Behlendorf aus dem 13. Jh., deren Ausmalung Lübecker Künstler Vornahmen. Der Barockaltar entstand 1635. Das spätgotische Ansverus-Kreuz des frühen 15. Jh. aus Kalkstein nordöstlich von Einhaus erinnert daran, dass – der Überlieferung nach an dieser Stelle – 1066 Abt Ansverus vom Georgsberg bei Ratzeburg mit 18 Mönchen ermordet wurde.

Ratzeburg
Ratzeburg

Inselfestung seit wendischer Zeit: Ratzeburg

Ihren Namen verdankt die heute durch drei Dämme mit dem Umland verbundene Inselstadt dem Fürsten Ratibor – verkürzt Ratse – vom wendischen Stamm der Polaben, der 1042 im Kampf gegen Dänemark starb. Seine Burg sprach König Heinrich IV. dem Sachsenherzog Otto-Ordulf zu, in der Urkunde darüber wurde 1062 das Wort Ratzeburg erstmals genannt. Das unmittelbar danach gegründete Bistum ging allerdings schon 1066 in den Aufständen unter, mit denen die Slawen ihrer Unterwerfung und Christianisierung Widerstand zu leisten versuchten. Es dauerte immerhin bis 1143, bis Heinrich der Löwe im Zuge seiner Ostkolonisation die Grafschaft Ratzeburg neu gründen und 1154 das Bistum wieder errichten konnte. Auf der Schlossinsel entstand statt der Ringwallanlage eine steinerne Burg der Grafen, in deren Schutz sich Marktsiedlung und Dombezirk entwickelten. Zwischen 1165 und 1220 wurde der Dom als eines der ältesten und bedeutendsten Werke romanischer Backsteinarchitektur im norddeutschen Raum gebaut, mit intensiver Unter-stützung durch Heinrich den Löwen. Der Marktort erhielt 1285 Stadtrechte. Die Geschichte des katholischen Bistums Ratzeburg endete nach langen Auseinandersetzungen 1554 mit einem Happy- End, als der letzte Bischof zur lutherischen Fraktion übertrat, sein Amt niederlegte und – heiratete.

Einen herrlichen Blick auf die Stadt und ihre Anlage aus drei historisch zusammengewachsenen Bereichen – Schlossinsel, Marktplatz mit Umgebung und Dombezirk – genießt man vom Georgsberg aus, dessen erste Klosterkirche der Benediktiner lange vor dem Dom im 11. oder schon 10. Jh. entstanden ist. Feldstein aus der Anfangszeit und später Ziegel bestimmen den bestehenden Bau aus dem 12.713. Jh., der bald mit einem gotischen Stufenportal nach Westen verlängert wurde. Die kunstvolle Bronzetür gestaltete Carl Schubert 1954. Aufbau und Figurenprogramm des hölzernen Spät-barockaltars von 1720 folgen dem Modell der Lübecker Marienkirche. Die gotische Granittaufe ruht auf modernem Fuß. Schöne Arbeiten der Renaissance bilden ein Verkündigungsrelief der alten Kanzel (um 1600) und das Epitaph Peckel (1638).

Über den Lüneburger Damm, vorbei an der Ratzeburg-Information (Schlosswiese 7) auf der früheren Schlossinsel, wo sich auch der Anleger für die Bootsfahrten über den Ratzeburger See bis nach Lübeck befindet, gelangt man in die Altstadt. Das ehemalige Gymnasium (Unter den Linden 1) dient als Rathaus, G. W. Timmermann errichtete den breiten Putzbau samt Mittelrisalit 1848/49. Den lang gestreckten Fachwerktraufenbau aus dem späten 17. Jh. bewohnten einst hohe Regierungsbeamte, daher der Name: Offizialhaus (Her- renstr. 9). Der Markt bildete das Zentrum des bürgerlichen Ratzeburg. Hinter Bäumen versteckt – die Winterlinde wurde 1693 gepflanzt – prangt die Alte Wache im Schmuck ihrer klassizistischen Front des 19. Jh. mit dorischen Säulen in der Vorhalle des übergie- belten Mittelrisalits (Markt 9). Nach rechts schließt sich die ehemalige Regierungskanzlei an: 1727-29 entstand der Backsteinbreitbau, den Pilaster und ein Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel gliedern (Markt 10). Das alte Rathaus zeichnet ein flach übergiebelter Erker über der Fassadenmitte aus (Markt 1). Karlheinz Goedtke gestaltete den Taschenmann aus Bronze vor dem Kreditinstitut 1957. Etwas versteckt liegt die Stadtkirche hinter dem Barlachplatz. Johann Friedrich Laves errichtete den klassizistischen Backsteinsaalbau 1787-91 anstelle einer Vorgängerin des 13. Jh. Der Zweck bestimmt ihre Architektur, nüchtern staffeln sich Holzemporen, um durch den Kontrast die Kombination aus Kanzelaltar mit darüber liegendem Orgelprospekt (1788-91) nur um so effektvoller aufscheinen zu lassen. Episoden aus dem Leben Petri zeigen die Glasfenster von Claus Wallner (1975). Das ausdrucksvolle Altarkruzifix formte Klaus-Jürgen Luckney 1977.

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