Überseehafen in der City: Kiel 5


Kiellinie und Fußgängerzone

Nordwärts führt die Kiellinie an der Förde entlang, sicher eine der schönsten Uferpromenaden weltweit, besonders wenn morgens noch Dunst über dem Wasser liegt und man beobachten kann, wie sich im Yachthafen das Leben zu regen beginnt. Exotische Bäume machen einen Reiz des Alten Botanischen Gartens aus: 1880 wurde er windgeschützt am nördlichen Hang eines zur Förde hin offenen Seitentals für die Universität angelegt, halb wilde Blumenwiesen bilden fast Biotope; einen herrlichen Blick genießt man vom Aussichtspavillon (1891). Inzwischen gibt es zusätzlich den neueren Botanischen Garten der Universität mit seinen Sammlungen lebender Pflanzen aller Erdteile in Gewächshäusern und im Freiland nahe dem Biologiezentrum (Olshausenstr. 40/Leibnitzstr.). Sammlungen aus seinen Forschungsbereichen macht das Mineralogische und Geologische Institut der Universität in seinem Museum einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich (Ohlshausenstr. 40-60). An der Universitätsbrücke machen die Forschungsschiffe fest, soweit sie nicht gerade die Weltmeere erkunden. Bunt schillernde Einblicke in Flora und Fauna der Unterwasserwelt bietet das Aquarium des Instituts für Meereskunde (Düsternbrooker Weg 20). Neben exotischen Lebewesen der Tropenbecken, Pflanzen und Fischen heimischer Flüsse und Seen sind es besonders Tiere der Nord- und Ostsee, die junge und alte Besucher begeistern: Haie, Rochen, Plattfische, Hummer und natürlich Seehunde.

Kiellinie
Kiellinie

Bergauf über Schwanen- und Niemannsweg erreicht man die neugotische Halle der Pauluskirche, als Garnisonskirche der Marine 1879-82 aus roten Ziegeln gemauert, in erreichbarer Nähe der Wohnungen einflussreicher Offiziere, deren Villen des Klassizismus, Jugendstil und auch einer dem Bauhaus verwandten Architektur Beachtung verdienen. Interessante Wohnanlagen für Marineangehörige wurden unweit davon 1925-30 zwischen Hardenberg-, Kleist-, Holtenauer- und Niebuhrstraße nach Überlegungen von Adelbert Keim erbaut, bemerkenswert als Beispiel dessen, zu welcher Formenvielfalt und Ausdruckskraft phantasievoll-expressionistischer Einsatz von Ziegeln und Keramik fähig ist. Einschüchternde Staatsarchitek-tur der NS-Zeit repräsentiert die einstige Marineintendantur (Düsternbrooker Weg 64). Gustav Reinhold Hense entwickelte 1938-40 den dreigeschossigen Ziegelbau mit kargem Sandsteinschmuck, dem alle Stockwerke verbindenden einachsigen Portikus zur Straße entspricht ein >Führerbalkon< zur Förde. Nicht weit ist es zum Düsternbrooker Gehölz, das ebenfalls weite Ausblicke über die Förde bietet. Am Hindenburgufer stürmen nahe dem Anleger Bellevue-Brücke im Flachrelief Kämpfer, vorbei an der Aussichtsplattform oder Bastion – je nach Gesinnung des Betrachters -, die Granitquaderstele des Seesoldaten-Ehrenmals von H. Suhr und A. Blaue (1927-31).

Von den einst zahlreichen Alt-Kieler Adelssitzen existiert heute nur noch der Warleberger Hof (Dänische Str. 19). Backstein be-stimmt das Äußere des zweigeschossigen Breitbaus, der, 1553 erstmals genannt, im Kern aus dem frühen 17. Jh. stammt, zahlreiche Umbauten über sich ergehen lassen musste, zuletzt 1909 eine Versetzung der vierachsigen Front nach rückwärts. Damals wurde die Fassade bis auf das Rokoko-Rundbogenportal von 1765 erneuert, innen haben sich trotzdem Kellergewölbe und hierher versetzte Stuckdecken älterer Kieler Häuser (um 1700) erhalten. Inzwischen hat seit 1970 das Stadtmuseum hier sein Domizil gefunden: Wichtige Epochen der Kieler Stadtgeschichte, ebenso Fragen der allgemeinen Kunst- und Kulturentwicklung werden hier im Rahmen wechselnder Sonderausstellungen anschaulich gemacht.

Wichtig für Kiels Entwicklung war auch das Franziskanerkloster, von dem der Westflügel des Kreuzgangs und das Refektorium den Bomben standhielten. Im Zuge der Reformation wurde das zur Mitte des 13. Jh. erbaute Kloster vom dänischen König 1530 aufgelöst und der Stadt übereignet, seine Räume 1665-1768 von der durch Herzog Christian Albrecht begründeten Universität genutzt. Erhalten hat sich im Kreuzgang der spätgotische Grabstein des Stadtgründers Graf Adolf IV. von Schauenburg (f 1261). – Ganz abstrakt erinnert im Ratsdienergarten die Plastik Feuer aus den Kesseln an den Kieler Matrosenaufstand von 1918: Hans-Jürgen Breuste montierte 1981 schräg gestellte Stahlscheiben und Walzen aus Granit. Nördlich des Kleinen Kiel meditiert überlebensgroß der Schriftsteller Klaus Groth, Heinrich Mißfeld gestaltete die Bronzeplastik und Reliefs zu Szenen aus seinem Werk 1912.

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