Überseehafen in der City: Kiel 7


Tor zur Ostsee: die Förde

Viele Besucher werden Kiel mit der Eisenbahn erreichen: An der Bahnhofsbrücke stimmt eine alte Schiffsschraube sie allerdings gleich auf die Hafenatmosphäre ein und darauf, dass hier Hochsee-fähren mitten in der Innenstadt anlegen, schmucke, weiße Fördedampfer Nahverkehrsmittel sind, wie andernorts Busse oder Straßenbahnen. Man sollte sich die Gelegenheit zu einer Hafenrundfahrt nicht entgehen lassen, vorbei an Werften mit gewaltigen Kränen und riesigen Docks oder dem seit der Sprengung durch die britische Besatzungsmacht nach dem Krieg aufgerissenen historischen U-Boot-Bunker Kilian (gebaut 1942), erkennt von weitem schon an ihren drei Masten das Segelschulschiff Gorch Fock der Bundesmarine, 1958 bei Bloom & Voss in Hamburg vom Stapel gelassen, eine Bark mit gut 2000 qm Segelfläche, knapp 90 m Länge und 1900 t Verdrängung – wenn sie nicht gerade unter Segel Kiels Namen in die Welt trägt, liegt sie unweit des Landeshauses an der Blücher-Brücke. Begegnen könnte man bei einer Rundfahrt aber auch dem 1991 gezimmerten Nachbau einer 1962 in der Weser bei Bremen geborgenen Hanse-Kogge. >Nussschalen<, nur 16 m lang und 7 m breit, waren die mittelalterlichen Lastensegler – als flache >Schlickrutscher< durften sie in den seichten Küstengewässern ruhig einmal trockenfallen -, die Ruhm, Macht und Reichtum des Städtebundes begründeten. Dagegen nehmen sich die modernen Fähren nach Skandinavien und ins Baltikum fast wie Hochhäuser aus.

kiel-förde

Wie gern die Einheimischen heute über ihre Förde schippern, kann man auch daran erkennen, dass es Dampfer gibt, auf denen man unter dem Motto >Hochzeit maritim< in den Hafen der Ehe ein- laufen kann … Für Reisende mit weniger Zeit empfehlen sich kurze Touren über die Förde, bis nach Friedrichsort (im Sommer bis Schilksee) und Laboe verkehren die Linien. Seh-Erlebnisse zu Wasser bieten etwa Törns zu den >Kieler Ansichten mit gepflegter Küche und wunderschönem Blick vom Ostufer auf Wasser wie Innenstadt (Hasselfelde 20) oder vom Anleger Neumühlen per Motorboot auf dem Unterlauf der Schwentine zur Oppendorfer Mühle. Im Bereich der Schwentine selbst – einem idyllischen Reservat für Wasservögel – kann man Ruder- und Motorboote mieten. Der Name Schwentine leitet sich übrigens vom slawischen Swentane her, was >heiliges Wasser« bedeutet. Sie entspringt auf dem Bungsberg (164 m) und verbindet die Seen der Holsteinischen Schweiz miteinander. Dadurch ist es möglich, mit kleinen Booten von Eutin bis Kiel >wasserzuwandem<, wenn man bereit ist, an einigen Stellen das Boot über Land zu transportieren.

In Kiel-Holtenau markiert der Leuchtturm (1895) aus roten Backsteinen mit seitlichem Treppenturm auf dem Tiessenkai die Einfahrt in die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt: den Nord-Ostsee-Kanal. Hier herrscht ein dichterer Verkehr als auf dem Suez- oder Panama-Kanal. In Holtenau begann schon der alte Eiderkanal, der 1777-84 weitgehend in Handarbeit erbaut wurde. Daran erinnert – wie in Rendsburg und Tönning – das lang gestreckte Packhaus mit Sandsteinobelisk, der seit 1784 >Patria et populo« gewidmet ist. Per Kranwinde im Dachstuhl bewegte man Waren in die Ladeluken der drei Stockwerke. Inzwischen sind die Speicher-böden zu Eigentumswohnungen ausgebaut, während sich im Erdgeschoss vorzüglich speisen lässt. Sehenswert ist allemal die doppelte Schleusenanlage des 1887-95 erbauten Nord-Ostsee-Kanals, über die Arbeitsbedingungen damals, technische Fragen und Bauwerke wie Brücken entlang der Strecke informiert eine kleine Ausstellung. Um 250 sm verkürzt er die Fahrroute um Kap Skagen/Jütland, eine Passage, die besonders früher unter Seeleuten gefürchtet war. Je nach Verkehrsdichte und Schiffsgröße dauert die Fahrt durch den Kanal 6,5 bis 8,5 Stunden, rund 70 000 Schiffe nutzen jährlich diesen Weg. Waren für den Bau des Kanals noch militärische Argumente maßgeblich, so dient er heute friedlichen Zwecken: dem Warenaustausch. Wegen der wechselnden Wasserstände von Elbe und Ostsee muss der Kanal durch je vier Schleusen abgeschottet werden. Berufsgruppen, die man anderswo nicht kennt, sind auf die Betreuung der Schiffe spezialisiert, so gibt es >Fastmokers<, die mit schweren Seilen die Schiffe in den Schleusenkammern vertäuen, Kanalsteurer und -lotsen. Tiefe Dellen an den Schleusentoren dokumentieren, dass es alles andere als einfach ist, Ozeanriesen in die relativ engen Kammern von 42 m Breite und 310 m Länge zu bugsieren. Beobachten lassen sich diese Vorgänge von den erhöhten Plattformen der Schleuseninsel aus.

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