Vom Zentrum der Kolonisation zum Festspielort: Bad Segeberg 2


Haus Segeberg
Haus Segeberg

In der Lübecker Str. 2 stand die während der Nazi-Zeit geschändete und in den 1960er-Jahren abgerissene Synagoge – daran erinnert eine Gedenktafel. Schlichte, spätklassizistische Formen zeichnen gegenüber den zweigeschossigen Putzbau des Rathauses von Christian Friedrich Hansen mit Eckrustika und Pilaster-Portal aus (1826-28, Lübecker Str. 9). Dass hier der frühere Marktplatz lag, erkennt man noch an dem schönen gusseisernen Brunnen mit PumpSchwengel. Kolossalpilaster und Oberlichttüren zieren die Front dreier stattlicher Bürgerhäuser – zwei davon Gastwirtschaften – auf der anderen Straßenseite (Nr. 10, 12, 14). Im ältesten Gebäude der Stadt, dem Alt-Segeberger Bürgerhaus von 1606 mit doppelt vorkragendem Giebel und Halbrosetten an den Ständerfüßen über der >Half<- oder >Klöndör<, kann man Hausrat und Mobiliar, Spielzeug und Geräte von einheimischen Handwerkern betrachten. Außer Gips baute man hier auch Anhydrit ab, der zu Schmuckdosen verarbeitet wurde. Der Fachwerkbau dient heute als Heimatmuseum (Nr. 15). Den Markt ziert eines der zahlreichen Wasserspiele mit abstrakter Skulptur von Josef Farkas. Für die Biegung der Kirchstraße in die Kurhausstraße (Nr. 1) entwarf Hans Ross 1914 das Bankgebäude als Kombination barocker Formen mit Jugendstilelementen: einen stattlichen zweigeschossigen Backsteinbreitbau, dessen Mittelrisalit kannelierte Kolossalpilaster hervorheben unter der figurenbekrönten und übergiebelten Attika, mit Keramik-Reliefs und einem keramisch eingefassten Portal. Den Anfang der Hamburger Straße markiert das gegen 1750 als Sitz des königlich dänischen Amtmanns errichtete ehemalige Amtshaus, jetzt Haus Segeberg, ein Backsteinbreitbau samt dreiachsigem Mittelrisalit und Remise am Landratspark (Nr. 25). Via ä vis liegt das ehemalige Kreishaus, ein stattlicher fünfachsi- ger Bau, dessen Portal mit Rokoko-Oberlichttür Säulen flankieren (Nr. 30). Dem Alten Amtsgericht – einem Backstein-Eckgebäude mit asymmetrisch Vorgesetztem Risalit und zwei Schaugiebeln – gegenüber erinnern die Rantzau-Kapelle (1588) mit erst 1770 vermauerten Öffnungen und der Rantzau-Obelisk an den königlich dänischen Amtmann. Von der Fußgängerzone gelangt man über die Kurhausstraße oder die Große Seestraße mit der Kurpromenade am Großen Segeberger See zur Städtischen Kunsthalle Otto Flath. Sie zeigt neben dem Werk des hier seit 1935 lebenden Holzbildhauers und Malers (1906-87) in den umgestalteten Räumen seiner Villa wechselnde Ausstellungen norddeutscher Künstler (Bismarckallee 5). – Unweit von Bad Segeberg gibt es außer den Waldwegen im Segeberger Forst – dem zweitgrößten des Landes – noch zwei interessante Wildtierparks: Trappenkamp in nördlicher Richtung und Eekholt im Westen.

Noch im 12. Jh. wurde die Kirche in Warder erwähnt, bald darauf der bestehende spätromanische Bau aus Feldsteinen errichtet und der Turm im 18./19. Jh. ummantelt. Im 15. Jh. entstand der spätgotische Schnitzaltar mit vielfiguriger Kreuzigung, wenig später die Kreuzgruppe. Gut erhalten präsentiert sich die um 1200 erbaute spätromanische Feldsteinkirche zu Pronstorf auf sanftem Hügel. Erst im 17. Jh. bekam der wehrhafte Rundturm seinen achtseitigen Spitzhelm und Stützpfeiler. Beeindruckend ist die Decke mit Bibel- Szenen in derber Schlichtheit bemalt und signiert: 1680 A. B. Zur Erstausstattung gehört noch die Kalksteintaufe (13. Jh.). In heiterem Rokoko prangt die Einrichtung des Chors: das geschnitzte Kruzifix des Altars zwischen Doppelsäulen unter der Jahwesonne (1767), Taufengel (1751), Chorlogen (1760) und die reich durch Voluten, Cherubköpfe, Früchte und Putto dekorierte Kanzel (J. G. Proser, 1761). Das Herrenhaus gilt als Hauptwerk barocker Gutsarchitektur, Pilaster, Mittel- und Seitenrisalite gliedern die Fronten unter dem Mansardwalmdach (1728). – An der Faulen Trave liegt der mittelslawische Ringwall Strenglin mit einer spätmittelalterlichen Turmhügelanlage. Am Nordufer des Warder Sees liegt Gut Wensin, das spätmittelalterlich anmutende Doppelhaus mit Stufengiebeln (um 1640) ziert ein angedeuteter Portalrisalit des Rokoko (1776). Französi-schen Vorbildern folgten die Architekten von Gut Muggesfelde bei Nehms, als sie 1725 ein Herrenhaus des Typs >maison de plaisance< errichteten. Weit interessanter als das schlichte Herrenhaus von Seedorf ist das Torhaus im Stil der niederländischen Spätrenaissance (1583), das man über die mit prächtigen Linden bepflanzte Himmelsallee und die Straße Am Burggraben erreicht. Einem Würfel gleicht der mächtige dreigeschossige Backsteinbau mit zierlichen Kanonen hinter Schießscharten, den seitliche Treppentürme mit geschweiften Hauben nur knapp überragen.

Ähnlich der von Bosau errichtete man um 1150 die schlichte Feldsteinkirche von Bornhöved, sie wurde jedoch in späteren Jahrhunderten stark entstellt. Von >Borne-Hovede< – Quellenhaupt – leiten Historiker den Ortsnamen ab, nach den zahlreichen Flüsschen, die von hier ihren Ursprung nahmen. Hünengräber aus der Jungsteinzeit und Grabhügel der Bronzezeit künden von einer weit älteren Siedlungstradition.