VOR DEN TOREN DER LANDESHAUPTSTADT 5


Die Christkirche

Nachdem Hans van Stenwinkel und Diederick van Vijthusen Entwürfe und Modelle geliefert hatten, lag die Ausführung dieses zu den größten Barockkirchen des Landes zählenden Backsteinbaus mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes (1694-1700) in den Händen von Domenico Pelli, der sich wohl vom Typ der Holmenskirche der Marinegarnison in Kopenhagen anregen ließ. Aus fortifikatori- schen Gründen überragt der Westturm mit Zeltdach und Laterne das Schiff nur unbedeutend; man wollte feindlicher Artillerie kein Ziel bieten. Brettertonnen überspannen einen hellen, weiten Innenraum, er sollte der gesamten Garnison, rund 2000 Menschen, Platz bieten. Moses mit seinen Tafeln trägt die prachtvolle, mit reichem Figurenprogramm und Schnitzereien verzierte Kanzel (1696) unter dem üppig dekorierten Schalldeckel; eine an die Wandecke gemalte Drape-rie hebt sie zusätzlich hervor. Säulen betonen den strengen Aufbau des 1701 aus Glückstadt erworbenen Altars (1662/63) von Johann Steineil, während das Knorpelwerk eben diesen Eindruck scheinbar abzumildem sucht. Frei sind Evangelisten, Engel und Salvator um die Hauptfelder mit Kreuzgruppe, Abendmahl und Auferstehung von Hans Pahl gruppiert. Pilaster gliedern die Hofempore, deren königliche Loge durch Wappen, Krone und Putten besonders hervorgehoben ist. Der Orgelempore im Westen entspricht über dem Altar die Sängerempore, beide schmückt allerdings Malerei. Den Orgelprospekt schuf Arp Schnittger 1714-16. Als Krieger, umgeben von Beutestücken und Trophäen, präsentiert den Stadtkommandanten von Fuchs (f 1720) sein hölzernes Epitaph; beigesetzt mit seinen beiden Frauen wurde er in der Gruft mit dem Familienwappen über der Tür. – Einen bemerkenswerten Akzent moderner Architektur setzt – im Gegensatz zu den beiden alten Gotteshäusern – die St. Martins- Kirche an der Herrenstraße, außerhalb des Neuwerks: An ein Schiff mit hochgezogenem Bug und Heck oder eine rheinische Narrenkappe erinnert der blechverkleidete Backsteinbau von K. Bargholz (1966/67) mit bunten Glasfenstern (E. Bargheer) und separatem Glockenturm.

Christkirche
Christkirche

Man sollte sich die Zeit nehmen, die Front des weitgehend von Domenico Pelli gestalteten Paradeplatzes in Ruhe abzuschreiten, von der ehemaligen Kommandantur, Paradeplatz 10, Ende des 17. Jh. errichtet, vorbei am ehemaligen Amtsgericht (Nr. 9), der Garnison-Apotheke (Nr. 8,1698), dem ehemaligen Weinhaus mit Sandsteinbüsten und Sonnenuhr (Nr. 2, 1693) bis zur ehemaligen Hauptwache, Paradeplatz 1 (1692). Besonders wichtig für die Garnison war in Krisenzeiten natürlich ein Provianthaus: Domenico Pelli errichtete 1704-08 den dreiflügeligen, bis zum Brand 1862 vierstöcki-gen Ziegelrohbau. In der ehemaligen Synagoge, deren Betsaal als Fischräucherei (!) genutzt und erst nach 1971 restauriert wurde, dem Jüdischen Museum im Dr. Bamberger Haus, zeigt eine Außenstelle des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums (Prinzessinstr. 8) Werke verfolgter jüdischer Künstler, Judaika und Ausstellungen zu jüdischen Themen. Im südlichen Ortsteil Westerrönfeld befindet sich der bis ins frühe 20. Jh. genutzte jüdische Friedhof mit seinen Sandsteinstelen.

Zeit sollte man aber auch den anderen Museen Rendsburgs wid- men. Das Elektro-Museum der Schleswag AG (Kieler Straße 19) zeigt alles zum Thema Energie und ihrer Nutzung, von großen Elek- trogeräten bis zur Spielzeugeisenbahn für Kinder. Als 1827 in Bü- delsdorf die Carlshütte gegründet wurde, bedeutete das für die Stadt wirtschaftlich einen wichtigen Schritt, heute zeigt das Eisenkunst- guss-Museum dort, mit wie filigranen Formen man Gegenstände des täglichen Gebrauch, Öfen beispielsweise, oder auch technisches Ge- rät verzieren konnte, kleine Kunstwerke stellen Statuetten preußi- scher Könige dar (Glück-Auf-Allee 4). Eisenbahnfreunde und solche, die es werden wollen, kommen im Museums-Stellwerk Rendsburg >Rn< sicher auf ihre Kosten (Am Bahnhof 20). Mittelpunkt der Sammlung zur Eisenbahngeschichte ist das 1983 außer Betrieb ge-nommene Stellwerk. Und, nicht nur ein >Schmankerl< für Liebhaber gebrannter Getreide: Weltweit einmalig ist wohl die Kollektion von mehr als 3333 – nach Verkosten geschätzt – verschiedenen Sorten und Flaschen (samt knapp 3000 Miniaturen aus 37 Ländern) in Krügers Whiskygalerie oberhalb des reich sortierten Spirituosenladens (allein 1500 Whisky-Sorten im Angebot) in der Holsteiner Straße 18-20.

Auf dem Messegelände in Osterrönfeld findet jährlich im Mai die (Norddeutsche Landwirtschaftliche Fachausstellung) NORLA mit Landestierschau statt und die NORKOFA – die Kommunale Fachausstellung. Um den Kanal und die streckenweise parallel verlaufende Eider richtig kennen zu lernen, bieten sich Dampfertörns an, wie die >Rendsburg-Rundfahrt< durch das idyllische Nübbel – mit Heimatmuseum in der Windmühle Anna – über Eider, den Gieselau-Kanal mit Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal, vorbei an der Lotsenstation Schülp; Liegeplatz der M/S >Stadt Rendsburg< ist der Obereiderhafen.

Nur rund 10 km westlich von Rendsburg liegt am Rand ausgedehnter Moorgebiete Hohn. Als 1692-94 die Backsteinkirche neu gemauert wurde, übernahm man Teile der hochwertigen Renaissance-Ausstattung des Gottorfer Hofbildhauers Hans von Brunswik aus den Jahren 1593-95, die Kanzel und die Westempore, die Hans Pahl 1693 ergänzte, nachdem er schon 1682 die Nordempore geliefert hatte. Altar und Ostempore sind Zutaten des 19. Jh.

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