Wege durch Lübeck 10


Lübecks Burgtor
Lübecks Burgtor

Mittelalterliche Wehr: das Burgtor

Den Abschluss der Großen Burgstraße markiert das 1224 erstmals erwähnte nördliche Stadttor, dessen quadratischer Turm 1444 von Nikolaus Peck über dem romanischen Erdgeschoss repräsentativ im Stil der Gotik mit spitzbogigen Fenstern und Blenden neu gestaltet und um ein Geschoss erhöht wurde. Die barocke Glockenhaube wurde statt des spätgotischen Spitzhelms erst 1685 aufgesetzt. Den schmalen Durchgang für Fußgänger brach man 1875 in das anschlie-ßende ehemalige Zöllnerhaus von 1571. Direkt an den Turm und die Stadtmauer lehnt sich der zweistöckige Backsteintraufenbau mit getrepptem Zwerchgiebel, breite Terrakottafriese aus der Werkstatt des Statius von Düren schmücken die Fassade. Hier lebte die Schriftstellerin Ida Boy-Ed (1852-1928). Thomas Mann war mit ihr befreundet und schätzte ihren unterhaltsamen Lübeck-Roman >Ein königlicher Kaufmann< (1910). An der anderen Seite des Turms ließ die Stadt im ehemaligen Marstall des Rats Pferde und Fuhrwerke unterstellen. Erhalten hat sich eine Toreinfahrt des 14. Jh. mit vorkragendem Obergeschoss. Von der Feldseite aus erkennt man, wie Lübeck sich an der etwa 200 m breiten Landbrücke im Norden seit dem 13. Jh. gegen Angreifer absicherte. Nur von dieser Seite drohte im Mittelalter Gefahr, denn die Trave im Westen und die aufgestaute Wakenitz an der Ostseite bildeten einen natürlichen Schutz.

Auch wenn die Stadtmauer an beiden Seiten des Burgtors für Fenster und Tore durchbrochen und überbaut wurde, haben sich Zinnen, Schießscharten und Türme erhalten. Weitere Mauer- und Turmreste des Mittelalters befinden sich an der ehemaligen Binnenwakenitz unterhalb der Hundestraße und nahe des Krähenteichs in der Straße An der Mauer (47-51): Eine malerisch in und an einen offenen Rundturm gebaute Häusergruppe des 17. Jh. mit vorkragendem Fachwerk-Obergeschoss. Von den späteren Stadtbefestigungen der Barockzeit mit Bastionen und Erdwällen haben sich nur hügelige Anlagen und der Stadtgraben erhalten.

Das Burgkloster

Hinter der neogotischen Fassade (1893-96) des ehemaligen Gerichtsgebäudes mit Gefängnis von Adolf Schwiening verbirgt sich ein architektonisches Kleinod: eine fast vollständig erhaltene Klosteranlage des frühen Mittelalters. Hier befand sich seit 1143 eine landesherrliche Festung der Schauenburger, die allerdings 1201 in dänische Hände gefallen war. Als es den Lübeckern 1225 gelang, die Burg zurückzuerobern, schleiften sie dieses Symbol ihrer Unfreiheit gründlich und stifteten zum Dank für ihren gemeinsamen Sieg mit Hamburg und dem Heer der norddeutschen Fürsten über die Dänen bei Bornhöved 1227 das ehemalige St. Maria Magdalenenkloster der Dominikaner auf dem Gelände. Wegen Baufälligkeit wurde 1818 leider die dreischiffige Backsteinbasilika (um 1300) bis auf die Nordwand mit drei Seitenkapellen abgerissen und später an ihrer Stelle eine Schule erbaut. Um so erstaunlicher ist aber, dass bei der neugotischen Überformung nicht nur die Anlage des Konvents rings um den bestehenden Kreuzgang erhalten blieb, die zu den wesentlichen Leistungen norddeutscher Backsteingotik zählt, sondern auch qualitativ hochwertige sowie ikonographisch interessante Teile des bau-plastischen Schmucks an Konsolen und Schlussscheiben der Gewölbe und der Malereien. Bei den erhaltenen Räumen handelt es sich um eine in der Gotik überwölbte Lange Halle – zweischiffig in zehn Jochen -, den apart verzierten Kapitelsaal, das Refektorium, die Sakristei samt gut erhaltener Malereien und eine Hospitalhalle mit Zierfußböden und Hypokaustenheizung nach römischem Vorbild. Während der Nazi-Zeit fanden in dem Gebäude Prozesse gegen Juden und Mitglieder des Widerstands aus der Arbeiterbewegung, der Kirche und der SPD statt, Gefangene wie Julius Leber waren hier inhaftiert. Heute wird die Anlage als Kulturforum Burgkloster mit Museum für Archäologie für wechselnde Ausstellungen, Konzerte und Lesungen oder Tagungen genutzt. – In der Kleinen Burgstraße 22 überdauerte mit dem ehemaligen Kranen-Konvent eines der ältesten gotischen Giebelhäuser der Stadt aus dem 13. Jh.

An den 1815 in Lübeck geborenen national-konservativen Lyriker Emanuel Geibel erinnert seit 1889 eine Bronzeplastik von Hermann Voltz. Bekannt wurde Geibel mit volkstümlichen Liedern wie >Der Mai ist gekommen< oder >Wer recht in Freuden wandern wilh.

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