Wege durch Lübeck 7


Im Inneren der heutigen Schiffergesellschaft
Im Inneren der heutigen Schiffergesellschaft

Die Schiffergesellschaft

Zum Ende des 15. Jh. richteten Berufsverbände und ständische Korporationen sich Tagungslokale ein, um Feste feiern und ihre Interessen diskutieren zu können. Als einziges mittelalterliches Versammlungshaus dieser Art hat die Schiffergesellschaft mit ihrer originalen Einrichtung weitgehend unverändert die Jahrhunderte überdauert als traditionsreiche Gastwirtschaft mit exzellenter Küche. Das stattliche Backsteingiebelhaus wurde 1535 für die Berufsgenossenschaft errichtet, die nach der Reformation aus den Bruderschaften der Schiffer und Bootsleute hervorgegangen ist. Über dem hohen Dielengeschoss liegt eine niedrigere Zwischenetage, die Lukenreihen in den Stufen des Giebels darüber sind durch Hochblenden vertikal und durch Kreisblenden horizontal eingebunden. Spruchtafeln mit Gemälden von Gottvater und Moses betonen zusätzlich die Waagerechte, der gemalte Dreimaster des 17. Jh. wurde mehrfach erneuert. Während der obere Teil der Fassade noch traditionellen Motiven strenger Gotik verhaftet ist, nimmt der untere Bereich mit großen Sprossenfenstern schon Formen der Renaissance vorweg. Die Beischlagwangen entstanden 1745, der Gotteskeller rechts war früher Dienstwohnung des Boten der Gesellschaft. Auf der obersten Zinne zeigt eine Wetterfahne die Windrichtung an, in diesem Fall natürlich ein Segelschiff. Zwei Ständer mit Schnitzwerk wie Figuren und Wappen tragen den schweren Unterzug der Holzbalkendecke, auch hier findet sich wie auf der Fassade das Erbauungsdatum 1535. Die Wandvertäfelung schließt ein geschnitzter Fries ab: Groteske Köpfe blicken aus Ranken (1537). Großformatige Leinwandgemälde darüber von 1624 erzählen biblische Geschichten. An den Gelagen, langen Tisch- und Bankreihen mit den Wappen der Schifferkompanien, saßen die Mitglieder der Gesellschaft. Etwas erhöht liegt der Sitz der Älterleute, auch >Beichtstuhl< genannt, weil von hier aus Berichte gegeben wurden. Die Heimsuchungsgruppe wurde gegen Ende des 15. Jh. geschnitzt, ein hl Nikolaus als Patron einer der Bruderschaften zu Beginn des 16. Jh., wie auch die Mondsichelmadonna. Die Hohn- und Spottafel dient seit 1580 zur Disziplinierung der Zechge- meinde. Erst 1848 entstand die Figur des Schiffsjungen im Eingang. Auch heute noch klettern Mitarbeiter auf die Bänke, um den Messingkronleuchter von 1685 mit seinen beiden Lichtkränzen anzuzünden, damals befestigte man auch das Messinghandfass mit Auf-fangschalen am Ständer. Die Rüstung eines Lübecker Seesoldaten hängt über Bismarcks Bildnis. Ein anderes Gemälde zeigt den Stolz der lübischen Flotte von 1567: das schwer bewaffnete Admiralsschiff >Adler<. Beachtung verdienen auch die zahlreichen liebevoll getakelten Schiffsmodelle des 17. bis 19. Jh., von Rudergaleeren bis zu Kriegsschiffen. Den Eskimokajak barg ein lübisches Segelschiff 1607 im Eismeer. – Noch heute existiert auch der 1601 angelegte und später erneuerte Schifferhof der Gesellschaft (Engelsgrube 11-17), eine Wohnanlage für Witwen und Waisen der Bruderschaft.

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