Wege durch Lübeck 8


St. Jakobi Kirche in Lübeck
St. Jakobi Kirche in Lübeck

St. Jakobi

Wie gefährlich die Seefahrt trotz aller Fortschritte der Sicherheitstechnik ist, dokumentiert die Pamir-Gedenkstätte in der traditionellen Kirche der Fischer und Schiffer gegenüber auf dem Koberg. Das Wrack eines Rettungsbootes lässt die Gewalt jenes Orkans ahnen, dem die >Pamir< 1957 zum Opfer fiel, gleichzeitig wird hier anderer Schiffsuntergänge und der auf See Gebliebenen gedacht. Im Jahr 1227 wird St. Jakobi erstmals erwähnt, nach Marienkirche und Dom ist sie die drittgrößte Kirche Lübecks. Weil sie im Krieg nicht zerstört wurde, bewahrt sie die komplette Innenausstattung. Die fünfjochige gotische Backsteinhalle in drei Schiffen des frühen 14. Jh. ging aus einer romanischen Halle von drei Jochen hervor, deren Turmstumpf man übernahm und statt der geplanten Doppelturmanlage neu aufführte. Hoch und schlank ragt seit 1657 der charakteristische achtseitige Turmhelm nach Plänen von IC Walter auf, der nachgotische Dachreiter entstand 1622.

Aus dem Anfang des 14. Jh. stammen Fresken und gemalte Ornamente, die architektonische Strukturen betonen und Heiligengestalten unter Maßwerkbögen zeigen; neben denen des benachbarten Heilig-Geist-Spitals bilden sie die wichtigsten Beispiele der Kalkmalerei zur Zeit der Gotik in Lübeck. Nach der Reformation reduzierte man die Anzahl der einst 23 Altäre (einige befinden sich im St. An- nen-Museum). Den gotischen Hauptaltar (1334) gab die Gemeinde zu Beginn des 18. Jh. nach Neustadt/Mecklenburg, als St. Jakobi 1717 den Hochaltar von Hieronymus Jakob Hassenberg bekam. Dieser neuere Barockaltar lässt deutlich Einflüsse des damals stilbildenden Hochaltars der Marienkirche von Thomas Quellinus erkennen. Vollplastische Figuren aus Marmor und Gips dominieren die hochgestaffelte Säulenarchitektur aus Holz, deren Bemalung Marmor imitiert. Darstellungen vom Abendmahl, der Grablegung und da-rüber einem Triumphator mit Putten und Engeln zieren die Mittelachse. Älter und weit kostbarer wie auch kunsthistorisch bedeutender ist freilich der spätgotische Altar (um 1500) des E. von Roden in der Brömbse-Kapelle, er entstand wohl in Westfalen im Umkreis von Heinrich Brabender. Eine sehr feine, fast lyrische und doch realistische Gestaltung des Sandsteins zeichnet die figuren- und detailreiche Kreuzigung des bühnenartigen Mittelfeldes aus. Nischenplastiken Heiliger, Flügelgemälde und eine Darstellung der Stifterfamilie des Bürgermeisters Heinrich Brömbse bilden den Rahmen des biblischen Geschehes. Statuetten des Chronos und weiblicher Tugenden, Pilaster und ein Laubwerkbehang zieren die Barockuhr von 1784. Reicher als der schwere Korb auf Hermenvoluten ist der Schalldeckel der barocken Kanzel von Johann Jakob Budde (1667/68) mit Akanthusvoluten und einer Freifigur des auferstandenen Christus geschmückt. Drei kniende Engel tragen die 1466 von Claus Grude gegossene spätgotische Bronzetaufe mit Apostelfiguren; auf dem Deckel umspielen Putten eine Taufe Christi, während im Inneren der Laterne Jakob mit dem Engel kämpft (1630 von Heinrich Sextra II.). Die überaus reich dekorierte Wendeltreppe vom 1844 abgebrochenen Lettner (1619) des Heinrich Sextra I. führt auf die Westempore von Heinrich Sextra II. (1639^-9). Als J. Ehmcke und J. Richborn 1671-73 die Große Orgel an der westlichen Turmwand fertig stellten, bezogen sie vorhandene Teile älterer Instrumente, speziell spätgotischer von 1464-66, 1504 und 1573 mit ein. Auch die Kleine Orgel an der Nordwand verdankt ihr Erscheinungsbild verschiedenen Epochen und Kunststilen. So wurde der schlichte spätgotische Prospekt von 1515 mit der Empore des späten 15. Jh. verbunden und 1637 von Friedrich Stellwagen erweitert.

Zum Koberg hin schließen die Pastorenhäuser von St. Jakobi den Kirchhof ab, mit der Traufenfront parallel zur Kirche errichtete Backsteingebäude von 1602 samt Dacherkern.

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