Wege durch Lübeck 9


Das Heilig-Geist-Hospital

Lübecker Bürger und der Rat der Stadt gründeten 1227 diese Hospitalanlage für Arme, Kranke und Alte, ein bemerkenswertes Beispiel mittelalterlicher Sozialfürsorge. Erhalten hat sich der Neubau von 1286 samt datierbarem Dachstuhl, nachdem ein Vorläufer an einen Privatmann verkauft wurde. Die dreischiffige und zwei Joche tiefe Hospitalkirche und das Lange Haus, der einschiffige Saal der Hospitanten, bilden eine T-förmige Einheit, der später weitere Gebäude angegliedert wurden. Die drei blendengeschmückten gotischen Giebel der Kirche mit hohen Spitzbogenfenstem, Dachreiter und vier zierlichen Stifttürmchen, als Symbole der Ratsmacht vergleichbar denen des Rathauses, beherrschen den Koberg. Hervorgehoben ist dabei das mittlere Schiff durch seine Breite und größere Fenster. Die Giebelhäuser Nr. 10 und 11 gehören zu den ältesten der Stadt, entstanden nur wenig nach dem Hospital, dessen frühgotische Front sie aufnehmen und zur Großen Burgstraße hin verlängern. Schon im Mittelalter bezog man beide in das Hospital ein. Ungewöhnlich war zur Bauzeit die Anordnung der Anlage: Wohn- und Schlafräume im Osten, während der sakrale Bereich im Westen lag. Gegen 1820 errichtete man kajütenähnliche Kammern in der Hospitalhalle, um den Insassen ein Minimum an Privatsphäre zu geben; bis 1970 wurden diese Räume – streng getrennt in einen Männer- und einen Frauengang – bewohnt, mittlerweile sind die Insassen in ein städtisches Altenheim umgezogen.

Heiligen-Geist-Hospital
Heiligen-Geist-Hospital

Ursprünglich bildete das Innere im 13. Jh. einen großen Raum, nur der gotische Lettner teilte den Wohnbereich vom Kirchenteil ab. Dort zog man gegen Ende des 15. Jh. das gotische Sterngewölbe ein und verdeckte teilweise die wenig älteren mittelalterlichen Wandmalereien. An der Längswand des nördlichen Seitenschiffs erhielten sich Hauptwerke herausragender Freskomalerei des frühen 14. Jh. in Lübeck: Christus und Maria auf dem Thron Salomons über einem zwischen zwei Königinnen thronenden Herrscher, rechts Majestas Domini nebst Bildnismedaillons von Vorstehern und Förderern des Hospitals. Auch die Malereien des Langen Hauses stammen aus dem 14. und 15. Jh. Spätgotische Glasmalerei des 15. Jh. zeigt in dem runden Rosettenfenster neben dem Mittelportal eine thronende Madonna. Noch aus der ersten Zeit nach der Erbauung stammt die Kalkmalerei über den Altären unterhalb der fünfjochigen Lettnerlaube (um 1300): eine Kreuzgruppe mit Johannes, Maria und Engeln über einem Marientod in der Mitte und rechts Marienkrönung und Dreieinigkeit. Während des frühen 15. Jh. wurden die Konsolfiguren des Lettners geschnitzt: Engel und Maria zwischen Heiligen und die Brüstung mit Tafelbildern zur Elisabeth-Legende bemalt. Der eine spätgotische Schnitzaltar zeigt im Zentrum vier Reliefs: Hl. Sippe, Anbetung der Könige, eine hl. Ursula und die Marter der Zehntausend, auch die Flügel zieren Heilige, jeweils unter Maßwerkbögen (um 1500). Etwas später entstand der ebenfalls spätgotisch geschnitzte Altar mit der Schutzmantelmadonna zwischen einer recht ungewöhnlichen Darstellung der Wurzel Jesse und einer Ausgießung des Hl. Geists. Putten mit Gebotstafeln und Johannes Ev. zieren den Deckel der Barockkanzel von 1778. Die verschiedenen geschnitzten Figuren entstanden im 14. und 15. Jh. Wie lebhaft es hier zugehen kann, erfährt man jährlich im Dezember, wenn der Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt stattfindet.

Um 1600 entstand der stattliche dreigeschossige Renaissance-Stufengiebel, der bis ins 18. Jh. den Reitende-Diener-Krug beherbergte, das Stammlokal der Ratsdiener (Große Burgstraße Nr. 38). Justitia mit Waage vom früheren Marstall-Gericht ziert als frühbarockes Sandstein-Relief (1636) den Treppengiebel am Papenkramhaus (Nr. 26). Als Bischofsherberge diente das zweigeschossige Backsteintraufenhaus Nr. 11 seit 1491 Ratzeburgs geistlichen Oberhirten, wenn sie in Lübeck abstiegen.

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