Zur Geschichte 2


Als zur Mitte des 14. fh. der Zusammenschluss der Hanse erfolgte, um sich gemeinsam im Ausland (in den Kontoren von Bergen, Brüssel, London und Nowgorod) besser behaupten zu können, fand 1358 der erste Hansetag in Lübeck statt – und der > Königin der Han- se< fiel fast zwangsläufig eine führende Rolle zu. >Hanse< bedeutet Schar, Genossenschaft, Gilde oder auch Kriegsschar und umschreibt damit die Funktion dieses Bundes: gemeinsame Handelsinteressen notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Neben dem ebenfalls der Hanse angehörenden Köln war Lübeck zur größten Stadt Deutschlands aufgestiegen. Damals fungierte der Städtebund als europäische Großmacht. Einen Höhepunkt ihres Einflusses bildete der Frieden zu Stralsund 1370. Dänemarks König Waldemar IV. Atterdag hatte 1361 das reiche Wisby auf Gotland überfallen und wollte den Ostseeraum unter seine Kontrolle bringen, wurde aber von einer Flotte unter der Führung des lübischen Bürgermeisters Brun Warendorp besiegt, der bei dieser Gelegenheit 1368 auch gleich noch Kopenhagen einnahm und zerstörte. Waldemar musste daraufhin die Vorherrschaft des Bundes in den nordischen Meeren anerkennen, seine See-festungen auf 15 Jahre der Hanse überlassen und bei der nächsten Königswahl deren Zustimmung einholen! Doch der Niedergang begann im 15. Jh., den letzten allgemeinen Hansetag in Lübeck beschickten 1669 nur noch neun Mitglieder. Bremen, Hamburg und Lübeck hatten schon 1630 einen engeren Bund geschlossen und wahren seitdem ideell die Traditionen der Hanse.

Sank auch der politische Einfluss Lübecks, so erlebte die Stadt in der 2. Hälfte des 14. Jh. eine Blüte als Metropole des Kunsthandwerks: In den gesamten Ostseeraum exportierten ihre Bildschnitzer und Malerwerkstätten Flügelaltäre. Hermen Rode, Bernd Notke und Henning von der Heide galten damals als international gefragte Künstler. Um 1400 schwächten Handwerkeraufstände und eine Verfassungskrise die Stadt, gleichzeitig baute sie allerdings für den Salztransport den Stecknitzkanal mit seinen Schleusen – damals eine technische Meisterleistung. Der Alster-Trave-Kanal, 1529 vollendet, erwies sich dagegen als teurer Flop. Mit der Reformation und der neuen Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen (1531) ging ein Versuch der Zünfte wie auch der unteren Schichten einher, sich im patrizisch dominierten Rat Gehör zu verschaffen. Der 1508 unter Beteiligung von Handwerkern gebildete >Neue Rat< wurde nach dem Scheitern des >Tribuns von Lübeck< Jürgen Wullenweber in der >Gra- fenfehde< aufgelöst.

Die Verlagerung des Seehandels nach der Entdeckung der Neuen Welt gen Westen im späten Mittelalter traf Lübeck hart. Während es der Stadt durch geschickte Diplomatie gelang, sich aus dem Dreißigjährigen Krieg herauszuhalten, floh Feldmarschall Blücher 1806 nach der verlorenen Schlacht von Jena und Auerstedt mit seiner geschlagenen Armee ins neutrale Lübeck – und wurde dort von den Franzosen besiegt, die Stadt geriet in die Kämpfe und erlitt große Verluste. Hohe Kontributionen und die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre (1806-12) schädigten Lübeck und führten zum Bankrott zahlreicher Handelsfirmen. Als Bismarck 1871 das deutsche Kaiserreich gründete, wurde Lübeck selbstständiger Bundesstaat mit eingeschränkten Rechten. Erst das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 gliederte die Stadt dem damals preußischen Schleswig-Holstein ein, als Ausgleich für Altona, das Hamburg zugeschlagen wurde.