Zwischen Wolken und Wellen: Die Halligen


>Landunter< lautet eine Nachrichtenmeldung von der Küste, die auch im tiefsten Binnenland verstanden wird. Man kennt die Bilder von überfluteten Halligen, aus denen Schiffen gleich die Warften mit ihren Häusern aufragen, oft kaum einen Meter über den heranrollenden Wogen. Charakteristisch ist, dass sie im Gegensatz zu den nordfriesischen Inseln nicht durch 8 m hohe Seedeiche geschützt sind, sieht man einmal von dem Sommerdeich ab, der sich auf Hooge nur 2 m über die Höhe eines normalen Hochwassers erhebt. Steinböschungen sollen verhindern, dass der >Blanke Hans< die Ufer weg-spült. Wie filigran diese Eilande sind, zeigen Luftbilder. Dass die See brutal zuschlagen kann, deutet schon das Wort >Brecher< an, weit gefährlicher als eine hoch auflaufende Flut ist allerdings, was die Wellen mit sich tragen: 1962 strandete ein Fischkutter direkt neben dem Pfarrhaus auf der Hooger Kirchwarft, aber auch Treibgut oder vor allem Eis kann schwere Schäden verursachen. Um 1600 existierten mehr als 25 nachgewiesene Halligen, inzwischen hat sich ihre Zahl auf zehn reduziert. Sie fielen Sturmfluten zum Opfer oder wuchsen zusammen, wie Butwehl und Nordmarsch mit Langeneß.

Langeneß und Oland

Auch Langeneß – mit 9,6 km2 die größte Hallig – und Oland (1 km2) sind wie Sylt über einen Damm mit dem Festland verbunden (seit 1927-29), der allerdings bei Flut überspült wird und von Wanderern nur während der Ebbe passiert werden sollte. Er wurde angelegt, um auf Loren Baumaterial für die Uferbefestigung heranschaffen zu können. Gäste erreichen die Halligen per Fähre von Schlüttsiel aus. Durch die Flut 1362 wurde Oland zur Hallig, seit 1824 besteht der Ziegelbau von St. Petri unter seinem Reetdach. Die Inschrifttafel erinnert an den Vorgänger von 1709 auf einer untergegangenen Warft. Eine romanische Granittaufe und das Kruzifix belegen die lange Kirchentradition aus dem 12. Jh. Gotischen Altären des 15. Jh. entstammt die Figurenreihe. Ein Künstler aus dem Umkreis Heinrich Ringerings gestaltete die Renaissancekanzel (1620). Das schwer bewaffnete Linienschiff wurde 1733 auf den Namen >01andts Wolfar< getauft.

Langeneß
Langeneß

Durch ihre lang gestreckte Form reicht Langeneß 10 km weit ins Wattenmeer vor. Wie die Einwohner auf den 18 Warften traditionell lebten, kann man auf der Ketelswarft im Kapitän-Tadsen-Musewn (mit wieder aufgebauter Bockwindmühle) und im Käte-Gerdsen- Haus oder auf der Honkenswarft in der Friesenstube, ebenfalls einem privaten Museum, anschaulich erleben. Die neugotische Kirche ersetzt seit 1894 ihre Vorgänger, aus denen man die Balkendecke von 1731 und schöne Ausstattung übernahm: einen Gemäldeflügelaltar (1670), die Renaissancekanzel (1696), zwei steinerne Taufen des 13. und 16. Jh. Auf der Peterswarft will das Wattenmeerhaus Wissen über diesen einzigartigen Lebensraum vermitteln.

Als im Zuge der Uferbefestigung zu Beginn des 20. Jh. zwei benachbarte Halligen verbunden wurden, wuchs Gröde-Appelland zusammen. Mit zwei Warften auf rund 275 ha bildet sie die kleinste politische Gemeinde der Bundesrepublik. St. Margarete musste seit 1362 siebenmal den Fluten weichen. Der bestehende Ziegelbau wurde 1799 errichtet und beherbergt unter dem Reetdach auch Schulraum und Lehrerwohnung im früheren Pastorat. Reliefs mit biblischen Szenen umgeben das Kruzifix des Renaissancealtars von 1592 neben der geschnitzten Marienkrönung der Gotik aus dem 15. Jh. mit späterer Farbfassung. Strenge Renaissanceformen zeichnen auch Taufe und Kanzel des 16. Jh. aus, das Segelschiff >Zwei Brüden ist als Brigg getakelt (19. Jh.).

Hooge

Als >Königin der Halligem versteht sich Hooge, hatte doch Dänemarks Friedrich VI. 1825 im >Königshaus< auf Hanswarft der mit 5,6 km2 nach Langeneß zweitgrößten Hallig übernachtet. Nach einem Brand 1996 wurde das private Museum Königspesel originalgetreu wieder hergestellt mit seinen prachtvollen, zu Bildern gefügten Wandkacheln, Bileggerofen, Alkoven und altfriesischem Hausrat. Ebenfalls auf der Hanswarft findet sich das Heimatmuseum. Schlickfunde untergegangener Warften und Halligen lassen die Schicksale ihrer Bewohner ahnen, während alte Möbel, Porzellan und Zeitdokumente belegen, dass man sich trotz der fortwährenden Bedrohung durch die See behaglich einzurichten wusste. Auf der Backenswarft ist in Hooges ältester Gaststätte Friesenpesel eine solche >Gute Stube< zu besichtigen. Die Schutzstation Wattenmeer zeigt in Aquarien und einem Lebendwatt-Modell Fauna und Flora. Auf einer separaten Warft errichtete man 1637-42 Kirche und Pfarrhaus, Material und Ausstattung stammen zum Teil aus der 1634 zerstörten Kirche von Osterwohld auf Nordstrand. Älter als der Altar (1857) ist das barocke Kruzifix. Vier Evangelisten tragen die Holztaufe von 1624. In der Werkstatt Heinrich Ringerings wurde die prachtvolle Kanzel im frühen 17. Jh. geschnitzt. Zusätzlichen Mut, nach der Sturmflut 1825 auf ihrer Hallig zu bleiben, gab den Hoo- gern das gotische Kruzifix aus dem frühen 16. Jh.: Sie fanden es angeschwemmt am Strand. Die Fregatte >Friedrich VI.< erinnert an den königlichen Besuch 1825. – Die weiteren Halligen – Norder- und Süderoog, Nordstrandischmoor, Südfall oder die Hamburger Hallig – sind zum Teil unbewohnt oder, wie Habel, als Naturschutzgebiet gesperrt.

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